Das neue Gesicht der Ölpest

Der Amerikaner Bob Dudley übernimmt das Krisenmanagement vom angeschlagenen BP-Konzernchef Tony Hayward. Ein kluger Schachzug, sagen die einen, ein blödsinniger Ansatz, die anderen.

Im Scheinwerferlicht: Bob Dudley, der geschäftsführender Direktor von BP.

Im Scheinwerferlicht: Bob Dudley, der geschäftsführender Direktor von BP. Bild: Keystone

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Er wird die Umwelt am Golf von Mexiko sanieren, die Geschädigten kompensieren und den befleckten Ruf von BP wiederherstellen müssen. Bob Dudley hat die schwierige Aufgabe des Krisenmanagers von Konzernchef Tony Hayward übernommen, der sich am Wochenende bei einem Segelrennen an Englands Küste eine viel gescholtene Auszeit gönnte.

Der 54-jährige Dudley ist seit 2009 geschäftsführender Direktor des Ölkonzerns. Vor drei Jahren hatte er das Rennen um den Job des Konzernchefs nur knapp gegen Tony Hayward verloren. Nun soll er zum neuen Gesicht der Ölpest werden. Sein Vorteil: Er hat einen Teil seiner Jugend im US-Bundesstaat Mississippi verbracht, der ebenfalls von der Ölkatastrophe betroffen ist.

Oder anders gesagt: Dudley ist Amerikaner, Hayward ist Brite. Er weiss, was die Fischer in der Region von ihm hören wollen. «Wir haben es gestern versäumt, das Biest in die Knie zu zwingen», war Dudleys berühmteste Aussage, als er in einer der zahlreichen Fernsehsendungen Auskunft zur Katastrophe geben musste. Zusammen mit Bobby Jindal, dem Gouverneur Louisianas, besuchte er die ölverschmutzte Küste, um anzufügen, dass er frustriert und traurig über die Situation sei.

Der Mann für die Front

Dudley ist schon einige Male für BP in die Schlacht gezogen. China, Angola, Algerien oder Ägypten waren seine Tätigkeitsfelder in den letzten Jahren. Unter Beweis stellte er seine Fähigkeiten, als er die russische Tochtergesellschaft TNK-BP führte und dabei gegen die russischen Behörden, Investoren und Mitarbeiter zugleich ankämpfen musste. Trotzdem gelang es ihm, die Produktion zu steigern und den Anteil am russischen Tochterunternehmen zu halten.

John Hofmeister, der ehemalige Präsident von Konkurrent Shell, gibt Dudley realistische Chancen, die Krise erfolgreich meistern zu können: «Ich habe schon lange gesagt, dass Tony Hayward den Posten des Krisenmanagers an einen Amerikaner übergeben soll», sagt er gegenüber der Nachrichtenagentur AP.

«Ein blödsinniger Ansatz»

Einen Amerikaner auf den Schild zu hieven, nur um die Landsleute zu besänftigen, sei «ein blödsinniger Ansatz», findet der britische Medienberater Tim Arnold. Egal wer übernehme, die Herausforderung bleibe riesig. Wichtig sei, dass der Neue «aufrichtige Besorgnis» zeige, sagt der Umweltexperte Ed Overton von der Universität Louisiana im Gespräch mit AP.

Dudleys Berufung bedeute aber nicht, dass Hayward zurücktrete, betonte eine Unternehmenssprecherin. «Bis die akute Phase dieser Krise vorbei ist, bis das Leck geschlossen ist, ist Tony Hayward eindeutig zuständig zur Bewältigung dieser Krise.» Wie lange sich Hayward nach dem Segelausflug noch halten kann, ist fraglich. Eines ist sich Obamas Stabschef Rahm Emanuel jedoch sicher: «Ich denke, wir sind uns alle einig, dass Tony Hayward keine zweite Karriere als PR-Berater anstreben sollte.» (jak)

Erstellt: 21.06.2010, 15:32 Uhr

Neue Vorwürfe

Der Arbeiter Tyrone Benton, der auf der explodierten Bohrinsel Deepwater Horizon tätig war, berichtet der BBC, dass bereits vor der Explosion ein Leck am Sicherheitsventil gemeldet wurde. Der sogenannte Blowout Preventer liegt direkt über dem Meeresboden, der bei einem Notfall das Ölrohr abschneiden und bei grossem Druck versiegeln soll. «Wir haben das Leck gesehen. Die Firma hat es aber nicht repariert, um die Produktion nicht zu stoppen und hat auf die zweite Steuereinheit umgeschaltet», sagte Benton. Ein solches Verhalten empfindet Professor Tad Patzek, Bohrinsel-Experte an der Universität Texas, als fatal: «Ein Sicherheitsventil sollte normalerweise unter allen Umständen sofort repariert werden.»

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