Den Republikanern fehlt für 2012 ein Zugpferd

Die Such nach einem ausichtsreichen Obama-Herausforderer gestaltet sich schwierig: Wer die Basis umwirbt, muss nach rechts rücken. Moderate Kandidaten geraten ins Abseits.

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Barack Obama verabscheuen sie als politischen Gottseibeiuns und Sozialisten, der von Geburt her womöglich nicht einmal Amerikaner ist. Selten haben die Republikaner so sehr eine Wachablösung im Weissen Haus herbeigesehnt. 19 Monate vor den nächsten Präsidentschaftswahlen im November 2012 aber präsentiert sich das republikanische Kandidatenfeld als lascher Haufen ohne Zugpferd.

Vom Alt-Star Newt Gingrich, einst der Sprecher des US-Repräsentantenhauses, bis zu Mitt Romney, dem ehemaligen Gouverneur von Massachusetts, reicht die Bandbreite der Bewerber, die sich derzeit in Stellung bringen. Anfang 2012 werden die innerparteilichen Parteiversammlungen und Vorwahlen beginnen und bis zum Mai andauern, ehe der Kandidat auf dem Parteitag in Tampa in Florida im September 2012 offiziell nominiert werden kann.Ihre Geschichte seit dem Aufstieg Ronald Reagans 1980 macht es der Partei nicht leicht: Stetig hat sie sich radikalisiert, zumal der Druck religiöser Konservativer durch den Einfluss der Tea Party noch stärker geworden ist. Wer die Basis gewinnen möchte, muss als Kandidat zwangsläufig nach rechts rücken – womit die Chancen moderater Bewerber von vornherein geschmälert werden.

Die Tücken der Anbiederung

Um beim Parteivolk zu reüssieren, ist der eigentlich gemässigte Mitt Romney so beharrlich wie opportunistisch nach rechts gedriftet, ohne dass es ihm viel geholfen hätte: Romney regierte im eher liberalen Massachusetts mit Augenmass und trieb dort eine Reform des Gesundheitswesens voran, die sich kaum von Obamas Reform unterscheidet – was ihn in den Augen konservativer Republikaner höchst verdächtig macht. Die Berater des Ex-Gouverneurs verstehen seine Kandidatur als einen Marathonlauf; sein finanzieller und organisatorischer Vorsprung soll den Ausschlag geben, doch ist höchst ungewiss, ob Romney von der Parteibasis akzeptiert wird und zudem Statur genug hat, um Barack Obama im Falle einer anspringenden Konjunktur ernsthaft zu bedrohen.

Anbiederungsversuche beim rechten Flügel

Andere Bewerber um die Nominierung wie Haley Barbour, der Gouverneur des Südstaats Mississippi, oder der ehemalige Gouverneur von Minnesota, Tim Pawlenty, haben die Aura von Verlegenheitskandidaten. Ausserdem sind sie eher Lieblinge des Wirtschaftsflügels der Partei als der Sozialkonservativen, die besonders die ersten Parteiversammlungen in Iowa sowie die frühen Vorwahlen in South Carolina stark beeinflussen werden. Pawlenty mag hoffen, als Kompromisskandidat beider Lager auf der Siegerstrasse zu landen. Seine Anbiederungsversuche beim rechten Flügel könnten gleichwohl seine Attraktivität schmälern und ihm den Ruf mangelnder Authentizität eintragen. Das republikanische Kandidatenfeld, das sich zu formieren beginnt, macht den Parteigetreuen bislang nur wenig Hoffnung: Keiner der Bewerber verstrahlt Charme oder Charisma wie einst Ronald Reagan, keiner sticht bislang heraus.

Zum Fähnlein der Rundumerneuerten wie Romney zählt auch Newt Gingrich, dessen Neigung zu bizarren Statements zusammen mit seinen politischen Volten – zuerst war er für den Krieg in Libyen, dann dagegen – kaum vertrauenserweckend ist. Trotz seiner Affären und Scheidungen versucht sich Gingrich als Kandidat wertkonservativer und religiöser Republikaner zu positionieren, deren Bedeutung in der Partei durch den Aufstieg der Tea Party keineswegs abgenommen hat – womöglich auch deshalb, weil viele Tea-Party-Aktivisten neben ihrem fiskalischen Konservatismus von evangelikal- und fundamental-christlichen Prinzipien geleitet werden.In dieser Ecke aber dürfte es eng werden für Gingrich. Denn neben Mike Huckabee, dem zutiefst religiösen ehemaligen Gouverneur von Arkansas, der 2008 die Parteiversammlungen in Iowa gewann und nun eine neuerliche Kandidatur erwägt, buhlt die Kongressabgeordnete Michele Bachmann aus Minnesota ebenfalls um die Stimmen religiöser Parteiaktivisten. Bachmann gilt vielen US-Liberalen wie auch Mitgliedern des republikanischen Establishments in Washington als völlig durchgedrehte Person, die unter anderem verlangte, gegen demokratische Kongressmitglieder müsse wegen ihrer «unamerikanischen Haltung» ermittelt werden. An der Basis und besonders bei der Tea Party geniesst die überzeugte Christin indes den Status einer Heldin: Mit populistisch eingefärbten Parolen zieht sie in den Kampf und sorgt mit ihren überzogenen und plakativen Aussagen stets für Schlagzeilen.

Alte Reps fürchten Bachmann

Am vergangenen Wochenende gewann Bachmann, die mit einer Kandidatur liebäugelt, zum Entsetzen republikanischer Honoratioren eine Kandidatenshow in Iowa, wo sie sich unter anderem als Verfasserin einer Gesetzesvorlage gegen energiesparende Glühbirnen anpries. Die umtriebige Abgeordnete mag, so der republikanische Stratege Mike Murphy, Sarah Palin «wie Graf Metternich» aussehen lassen, doch könnte Bachmann die Parteirechte mit Erfolg umgarnen und damit unweigerlich Sarah Palin in die Quere kommen.

Um die Ex-Gouverneurin aus Alaska ist es etwas still geworden. Auch ist die innerparteiliche Kritik an Palin in den vergangenen Monaten stetig angeschwollen. Vielen Republikanern schwant, Palin sei Barack Obamas Traumgegnerin. Der Präsident würde sie 2012 demolieren, befürchten nicht nur ihre Feinde in der Partei. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 31.03.2011, 21:23 Uhr

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