Portrait

Der Brücken abreisst

Seine Feinde nennen ihn seit seiner Marathon-Rede höhnisch «Sprecher Cruz». Ted Cruz mag der Buhmann des republikanischen Establishments sein. Die Tea Party aber liebt den Anstifter aus Texas.

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Ungebeugt steht er inmitten der Trümmer auf dem Schlachtfeld, ein General, der vergass, seine Truppen mit Munition zu versorgen. Rafael Edward «Ted» Cruz ficht das nicht an: Die Republikanische Partei ächzt nach der Niederlage im Etatstreit, der Senator aus Texas aber segelt im Aufwind. Obschon doch er es war, der die Abgeordneten der Tea Party im Repräsentantenhaus zu ihrem Aufstand gegen Obamacare angestachelt hatte. «Sprecher Cruz» nennen seine zahlreichen Feinde in der Partei ihn jetzt höhnisch. Statt «Sprecher Boehner» eben «Sprecher Cruz».

Dass eine Mehrheit der Fraktion im Repräsentantenhaus den Shutdown der Regierung herbeizerrte, um Obamacare zu verhindern, pries Cruz als «bemerkenswerten Sieg». Im Senat hingegen würden ihn seine Parteifreunde am liebsten auf eine Umlaufbahn jenseits von Pluto schiessen. Möglichst weit weg. «Alle unter Einschluss von Ted Cruz wussten, dass der Plan nicht aufgehen würde», kritisierte ihn ein Leitartikel im konservativen Manchester Union Leader, der führenden Zeitung im Neuenglandstaat New Hampshire.

Besserwisser ohne Respekt

Gerade deshalb aber fliegen Cruz die Herzen der Tea Party zu: Wer wagt, verliert bisweilen. Schon will ihn der rechte Flügel der Republikanischen Partei als Präsidentschaftskandidaten auf den Schild heben. Weil Cruz in Kanada geboren wurde, gäbe es verfassungsrechtliche Probleme mit einer solchen Kandidatur: Eigentlich muss der Präsident in den Vereinigten Staaten zur Welt gekommen sein. Aber Cruz würde das wegbügeln, so wie er schon vieles weggebügelt hat. Schliesslich war er im Vorjahr bei den parteiinternen Vorwahlen in Texas gegen den Kandidaten des Establishments angetreten. Er bügelte ihn weg.

Freunde hat er sich keine gemacht: Im kollegialen Senat tritt der Absolvent von Princeton und Harvard als Besserwisser auf. Er mischt die alte Garde auf, Respekt zollt er ihr keinen. Als Minderheitsführer Mitch McConnell am Mittwoch den Senatskompromiss zur Beendigung der Washingtoner Staatskrise in der Kammer verkündete, plazierte sich Cruz im Gang des Senats vor die Kameras und stahl dem Altvorderen aus Kentucky die Show. «Wollen Sie nicht warten, bis die Fraktionsführer fertig sind?», fragte ihn entgeistert eine CNN-Reporterin. Nein, wollte er nicht.

Was kommt als nächstes?

Denn Ted Cruz ist auf dem Kriegspfad. Er will Land und Leute vor Obamacare retten. Die Schwulenehe lehnt er ab, den Staat empfindet er als Zumutung. Der Senat, sagte er nach dem Kompromiss, habe lediglich den Status quo aufrechterhalten. Cruz möchte diesen Status quo auf Biegen und Brechen verändern. Zu Hause in Texas verfolgen sie ihren Senator mit hochgezogenen Augenbrauen. Was kommt als nächstes? Welche politische Handgranate wirft er jetzt?

Seine Heimatzeitung, der Houston Chronicle, bedauerte unterdessen, sich bei der Senatswahl im vergangenen November für Cruz erklärt zu haben. Er polarisiere und sei auf Konfrontation aus. Seine Vorgängerin, die gleichfalls republikanische Senatorin Kay Bailey Hutchison, haben dagegen Brücken gebaut im Senat. Brücken baut Ted Cruz keine. Er reisst sie ab. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 17.10.2013, 23:59 Uhr

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