Der Fall Strauss-Kahn und andere herbe Rückschläge

Staatswanwalt Cyrus Vance Jr. musste den Hausarrest gegen Dominique Strauss-Kahn aufheben. Der Fall ist einer von vielen, die nicht nach Wunsch der Staatsanwaltschaft New York liefen.

Mit einem Lächeln auf dem Gesicht: Dominique Strauss-Kahn und seine Frau Anne Sinclair verlassen das Gericht in New York. (1. Juli 2011)

Mit einem Lächeln auf dem Gesicht: Dominique Strauss-Kahn und seine Frau Anne Sinclair verlassen das Gericht in New York. (1. Juli 2011)

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Es ist einer dieser Prozesse, die einen Staatsanwalt berühmt machen können: Ein ranghoher Politiker, der angeklagt ist, ein Zimmermädchen sexuell genötigt zu haben. Doch das Eingeständnis, dass Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Klägerin im Fall Dominique Strauss-Kahn bestehen, ist für die New Yorker Staatsanwaltschaft ein herber Rückschlag – einer von vielen in den vergangenen Monaten.

Staatsanwalt Cyrus Vance Jr. trat am Freitag – sechs Wochen, nachdem er unter höchstem Medieninteresse die Anklage gegen Strauss-Kahn bekannt gegeben hatte – nur kurz vor die Presse, um die für ihn unglückliche Wendung in seinem bisher grössten Fall zu verkünden.

Angst, zu verlieren

Vance habe Angst, diesen Fall, der so viel Aufmerksamkeit erfährt, zu verlieren, warf der Anwalt des New Yorker Zimmermädchens, Ken Thompson, ihm nach dessen Mitteilung vor. Auch wenn die Anklage trotz der Aufhebung des Hausarrests vorerst bestehen bleibt.

Diese Angst rühre von einem überraschenden Freispruch in einem ebenfalls öffentlichkeitswirksamen Vergewaltigungsfall im vergangenen Monat her, glaubt Thompson, auch wenn die Anklage damals noch vor Vances Amtsantritt 2010 erhoben wurde. Doch auch dieser Fall hatte die New Yorker Staatsanwaltschaft nicht gut aussehen lassen: Einem von zwei angeklagten Polizisten war vorgeworfen worden, eine betrunkene Frau, die sie nach Hause begleitet hatten, vergewaltigt zu haben.

Trotz einer dramatischen Zeugenaussage der Frau und Überwachungsvideos, die die beiden Polizisten zeigen, wie sie mehrfach durch die Tür des Hauses der Frau gehen, wurden sie von den Geschworenen lediglich wegen eines Dienstvergehens verurteilt. Sie hatten der Zentrale nicht mitgeteilt, wo sie waren.

Anklage in Terrorprozess zerschlagen

Zwei Wochen später musste die Staatsanwaltschaft auch den schwerwiegendsten Anklagepunkt in einem Terrorprozess fallen lassen. Den zwei Angeklagten war vorgeworfen worden, Anschläge auf Synagogen geplant zu haben. Auch wenn den beiden wegen anderer Anklagepunkte noch 32 Jahre Haft drohen, hat die Verteidigung die neue Entwicklung in dem Fall genutzt, um ihn als politisch motiviert darzustellen.

Die Staatsanwaltschaft gibt sich unbeeindruckt von der jüngsten Serie von Rückschlägen. «Wir werden uns nie davor fürchten, schwierige Fälle anzunehmen», sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Und schliesslich habe man auch eine Reihe grosser Fälle gewonnen. Unter anderem einen, bei dem auch Hollywoodstar Robert de Niro im Zeugenstand Platz nahm. Ein ehemaliger Galeriebesitzer hatte – ohne die Familie zu informieren und auszuzahlen – Gemälde des verstorbenen Vaters von de Niro verkauft. (kpn/dapd)

Erstellt: 03.07.2011, 18:37 Uhr

Soll sich laut seinem Gegner vor dem Verlieren fürchten: New Yorker Staatsanwalt Cyrus Vance Jr. während der Pressekonferenz vom 1. Juli 2011. (Bild: Reuters )

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