Der Feind im eigenen Bett

Donald Trump hat sich verplappert. Und reagiert auf typische – und gefährliche – Weise auf seinen Anfängerfehler.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

In Washington wird inzwischen mitgezählt, wie oft Donald Trump zum Golfspielen geht. Verbunden mit der Frage: Müsste der Präsident sich nicht um wichtige Regierungsgeschäfte kümmern? Nach knapp vier Monaten, in denen Trump sich an der Präsidentschaft versucht, ist man geneigt zu antworten: Nein. Denn auf dem Golfplatz kann er nicht viel kaputt machen.

Sobald Trump aber sein Arbeitszimmer betritt, um das zu tun, was er für Regieren hält, wird es gefährlich. Dann schwadroniert und quasselt und twittert er drauflos, ohne sich darum zu scheren, ob das Gesagte und Getwitterte stimmt oder in irgendeiner Weise dem Wohl und den Interessen der USA dient. Trump weiss nicht viel über Politik, schon gar nicht über die oft delikaten Regeln der Aussen- und Sicherheitspolitik. Noch schlimmer: Es interessiert ihn auch nicht. Mag sein, dass Donald Trump schöne Hotels und Golfplätze bauen kann. Als Präsident und ­P­­o­litiker aber ist er nicht mehr als ein unbegabter und zudem nicht besonders fleissiger Amateur.

Ein vermeintlich cleverer Schachzug

Das ist der Hintergrund zum desaströsen Treffen, das Trump vor einigen Tagen mit dem russischen Aussenminister hatte – immerhin Abgesandter einer Regierung, die nicht nur versucht hat, die amerikanische Wahl zu manipulieren, sondern die auch eine Politik betreibt, die ausdrücklich gegen die USA gerichtet ist. Trump jedoch liess sich nicht nur lachend und schulterklopfend mit Minister Sergei Lawrow fotografieren. Er plapperte in den Gesprächen auch noch ein paar Staatsgeheimnisse aus.

Als das bekannt wurde, hielt Trump nicht etwa verschämt für ein paar Tage den Mund ob des Anfängerfehlers, sondern liess die Welt umgehend wissen, dass der Geheimnisverrat erstens sein gutes Recht und zweitens ein cleverer Schachzug gewesen sei.

Auf dem Golfplatz ist es egal, ob jemand ein unwissender Angeber und Rechthaber ist. Im Oval Office ist das eine gefährliche Mischung. Niemand weiss heute, was das Wort der amerikanischen Regierung eigentlich wert ist, am wenigsten der Mann im Weissen Haus. Braucht ein Land noch Feinde, wenn es so einen Präsidenten hat? (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 16.05.2017, 19:35 Uhr

Artikel zum Thema

«Ich hatte das Recht, die Informationen zu teilen»

Der US-Präsident verteidigt sich und erklärt, warum es für ihn wichtig ist, geheime Informationen an Moskau weiterzugeben. Mehr...

Trumps Laptop-Bomben gegen Clintons E-Mails

Analyse Warum der leichtsinnige Umgang mit Geheiminformationen Donald Trump gefährlich werden könnte. Mehr...

Trump verplapperte sich bei Treffen mit Lawrow

Video Der US-Präsident soll pikante Informationen über eine IS-Terrorgefahr mit russischen Vertretern geteilt haben. Das Weisse Haus dementiert. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Service

Ihre Spasskarte

Mit Ihrer Carte Blanche von diversen Vergünstigungen profitieren.

Kommentare

Weiterbildung

Banken umwerben Frauen

Weltweit steigt das Privatvermögen von Frauen. Banken zeigen, wie dieses gewinnbringend anzulegen ist.

Die Welt in Bildern

Hoch über dem Alltag: Eine Frau sitzt auf einer Hängebrücke und blickt hinunter auf den Schlegeis-Stausee bei Ginzling in Österreich. (21. Oktober 2018)
(Bild: Lisi Niesner) Mehr...