Der Interessenkonflikt auf zwei Beinen

Jared Kushner, Trumps Schwiegersohn, wird Chefberater im Weissen Haus. Eine heikle Wahl, wie seine Verwicklung in einen milliardenschweren Immobiliendeal zeigt.

Da kommt einiges an Prominenz zusammen: Die First Family im Porträt.
Video: Lea Koch

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Zuerst sah es aus wie ein Fehler, dass Jared Kushner den Wolkenkratzer an der Fifth Avenue gekauft hat. 2007 war das, Kushner war gerade mal 26 Jahre alt, und er wollte raus aus dem unglamourösen Florham Park im unglamourösen US-Bundesstaat New Jersey, über den die New Yorker Elite nur spöttisch lächelt. Also kaufte er den Büroturm 666 Fifth Avenue in der Nähe des Rockefeller Centers für 1,8 Milliarden Dollar, ein Rekordpreis, der Grossteil des Geldes war geliehen. Dann kam die Krise, das Geschäft erwies sich als Verlust, die Refinanzierung war teuer.

Vielleicht war der Kauf trotzdem kein Fehler. Denn plötzlich war der Junge aus New Jersey ein ernst zu nehmender Investor in New York, seine Immobilienfirma residierte am Rockefeller Center und Kushner bekam Zutritt zur New Yorker Gesellschaft. Der Harvard-Absolvent mit den Grübchen und dem schüchternen Lächeln lernte Donald Trumps Tochter Ivanka kennen und heiratete sie.

Junges Paar drückt Washington den Stempel auf: Jared Kushner und Ivanka Trump.

Seit dem Kauf des Wolkenkratzern 666 Fifth Avenue ist Kushners Leben das genaue Gegenteil von unglamourös. «Er ist der mächtigste Mensch nach Trump selbst», sagte ein Insider dem Online-Magazin Politico. Medien nennen ihn den «Trump-Flüsterer». «Jared Kushner ist die grösste Überraschung der Wahl 2016», sagte Eric Schmidt, der Ex-Chef von Google, dem Magazin Forbes. «Soweit ich das sagen kann, hat er den Wahlkampf geleitet, mit fast keinen Mitteln.» Trump selbst nennt Kushner «einen brillanten jungen Mann». Kushner gilt als der Einzige, der den volatilen künftigen Präsidenten zur Ruhe bringen und bei Laune halten kann. Nun wird Trumps Schwiegersohn einer der Chefberater im Weissen Haus, das bestätigte der Stab des designierten Präsidenten am Montagabend. Kushner wird damit zum Interessenkonflikt auf zwei Beinen.

Kushner soll kein Gehalt bekommen

Seine Anwältin Jamie Gorelick versuchte, diesem Eindruck am Montag umgehend entgegenzuwirken: Ihr Mandant werde sich vom Justizministerium rechtlich beraten lassen, zitierte die New York Times Gorelick. Zudem plane Kushner, Teile seiner Immobilien-Holdings und andere Unternehmungen an seinen Bruder und einen Trust zu veräussern, dem seine Mutter vorstehe. Seine Position als Verleger des Observer hat der 35-Jährige bereits an seinen Schwager übergeben. Auch wie seine neue Rolle aussehen soll, verriet Gorelick - zumindest in Grundzügen.

Bildstrecke – die Kushners werden Nachbarn der Familie Obama:

So wird Kushner angeblich kein Gehalt bekommen und soll sich schwerpunktmässig um die Themen Israel und Mittlerer Osten kümmern. Ausserdem werde ihr Mandant in Freihandelsangelegenheiten eng mit Trumps designiertem Handelsminister Wilbur Ross zusammenarbeiten, sagte Gorelick. Ob das reicht, all jene zu befrieden, die einen Verstoss gegen Anti-Vetternwirtschafts-Gesetze und Interessenkonflikte befürchten?

Ein Beispiel für die Interessenkonflikte ist ausgerechnet der Büroturm 666 Fifth Avenue. Kushner will die prestigeträchtige Immobilie umbauen und renovieren - und zwar ausgerechnet mit dem chinesischen Versicherungskonzern Anbang. Kushner und Anbangs Chef Wu Xiaohui, Gatte der Enkelin von Chinas ehemaligem Staatschef Deng Xiaoping, sollen sich eine Woche nach Trumps Wahlerfolg im Waldorf Astoria getroffen haben, um über die Zusammenarbeit zu verhandeln. Es gab 2100 Dollar teuren Château Lafite Rothschild, schrieb die New York Times. Wu soll auf den Wahlsieg angestossen haben, der nur Gutes für die Wirtschaft bedeuten könne, anschliessend verkündete er, Trump schleunigst treffen zu wollen.

Loyal gegenüber Trump

Für seinen Schwiegersohn schweben Trump Titel wie «Senior Advisor» oder «Special Counsel» vor. Er soll sich um alles kümmern, was Trump wichtig ist. Direkt nach dem Wahlsieg seines Schwiegervaters sass er aber erst einmal mit einer umstrittenen ausländischen Führungskraft am Verhandlungstisch. Anbang gehört unter anderem das New Yorker Hotel Waldorf Astoria, die Chinesen zahlten 1,95 Milliarden Dollar dafür, Rekord für ein amerikanisches Hotel.

Seither steigt Noch-Präsident Barack Obama nicht mehr im Waldorf Astoria ab, schliesslich könnten die Zimmer verwanzt sein. Anbang gilt als regierungsnah, die Strukturen und Finanzverstrickungen des Konzerns sind undurchsichtig. Kushner plant zwar laut seinem Anwalt, vor seinem Antritt als offizieller Trump-Berater als Vorstandschef seiner Immobilienfirma zurückzutreten. Er werde Vermögenswerte abstossen, darunter offenbar 666 Fifth Avenue. Doch genau wie Trump gibt er keine Auskunft über genaue Pläne, die Interessenkonflikte beseitigen sollen.

Seine Loyalität gegenüber Donald Trump ist jedenfalls unerschütterlich. «Mein Schwiegervater», sagt Jared Kushner, «ist eine unglaublich liebevolle und tolerante Person.»

(Süddeutsche Zeitung)

Erstellt: 10.01.2017, 07:58 Uhr

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