Der Kriegstreiber ist weg, die Krisen bleiben

Donald Trump hat Sicherheitsberater John Bolton entlassen. Dessen Nachfolger hat ein grosses Problem.

John Bolton hört während einer Kabinettssitzung im Weissen Haus Präsident Donald Trump zu. (Archivbild) Bild: Carlos Barria/Reuters

John Bolton hört während einer Kabinettssitzung im Weissen Haus Präsident Donald Trump zu. (Archivbild) Bild: Carlos Barria/Reuters

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Zunächst einmal ist es eine gute Nachricht, dass Donald Trump seinen Nationalen Sicherheitsberater gefeuert hat. John Bolton war stets ein Kriegstreiber, sei es als amerikanischer UNO-Botschafter, als TV-Kommentator oder als Sicherheitsberater im Weissen Haus. Als wichtigster Ansprechpartner des Präsidenten, wenn es um Krieg und Frieden geht, plädierte er für Militärschläge gegen Nordkorea und den Iran, auch im Umgang mit Venezuela empfahl er den Einsatz von Gewalt. Diplomatie ist in John Boltons Welt etwas für Weicheier. Unvergessen ist seine Begeisterung für den Irakkrieg. Und obwohl die Amerikaner einen gescheiterten Staat zurückliessen, blieben Bomben für Bolton das naheliegende Mittel, um Probleme zu lösen.

Auch Donald Trump liebt das Militär, wie er gerne betont. Allerdings benutzt er es lieber als telegene Kulisse bei seinen Fernsehauftritten. Was Kriegseinsätze betrifft, ist er weit zurückhaltender als sein Sicherheitsberater. Es scheint jedoch, als betrachte der US-Präsident die amerikanische Aussenpolitik als private Showbühne mit ihm als bestem Dealmaker aller Zeiten in der Hauptrolle.

Nur hat Trump mit seiner Mann-zu-Mann-Diplomatie bisher partout keine Erfolge eingefahren, weder mit Nordkorea, dem Iran, im Nahostkonflikt noch in Afghanistan. Bizarr mutet seine Affinität für den nordkoreanischen Diktator Kim Jong-un an. Und geradezu absurd war Trumps Idee, die Taliban nach Camp-David einzuladen, um dort mit den bärtigen Terroristen einen Pseudofrieden auszuhandeln. Es war John Bolton, der ihn davon abbrachte, und es war auch John Bolton, der das Regime in Pyongyang weit realistischer einschätzte als sein Chef.

Die Entlassung bereits des dritten Sicherheitsberaters zeigt denn auch, dass die Regierung Trump keine kohärente Aussenpolitik verfolgt. Während er seine Alliierten regelmässig vergrault, droht der Präsident Autokraten und Diktatoren, um sie bei nächster Gelegenheit wieder zu umgarnen. Boltons Nachfolger erbt deshalb gleich mehrere Krisen, in denen Amerika ohne erkennbare Strategie agiert. Die grösste Herausforderung des nächsten US-Sicherheitsberaters wird jedoch im ovalen Büro nebenan sitzen.


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Hören Sie sich die neuste Folge vom Podcast «Entscheidung 2020» an mit USA-Korrespondent Martin Kilian und Auslandchef Christof Münger.


Erstellt: 11.09.2019, 06:12 Uhr

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