Der Mediengeneral

Militärisch war der verstorbene US-General Norman Schwarzkopf zweitklassig. Dafür war er ein Medien- und Marketing-Phänomen.

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Am Donnerstag starb der ehemalige US-General Norman Schwarzkopf im Alter von 78 Jahren an den Folgen einer Lungenentzündung. Bekannt wurde Schwarzkopf als Gesicht des Zweiten Golfkrieges. Als «Stormin' Norman» erklärte er der Welt den Feldzug im Irak und entzückte mit lockeren Sprüchen die Medien. Der General genoss es, wann immer ihm Mikrofone oder Kameralinsen entgegengehalten wurden.

Der ehemalige US-Präsident George H. W. Bush würdigte Schwarzkopf als «einen der grössten Militärchefs seiner Generation». Doch wie ist Schwarzkopfs militärischer Leistungsausweis wirklich einzustufen? Experten sind sich nicht eindeutig einig. Aufgrund seiner Memoiren «It Doesn't Take a Hero» (Man muss kein Held sein) beschreiben ihn Militärspezialisten als starken und professionellen Soldaten, und sprechen ihm das militärische Format eines George Smith Patton zu. Nur habe Schwarzkopf im Vergleich zu Patton ein Gewissen gehabt.

Exzentrische Persönlichkeit

Kritiker zeichnen ein anderes Bild von Schwarzkopf. Man beschreibt ihn als exzentrische Person, die mit ihren unkontrollierten Wutausbrüchen Untergebene in Angst und Schrecken versetzt haben soll. Militärisch attestiert man ihm eine weit weniger bedeutende Rolle als vielfach in den Medien dokumentiert. Kritiker verweisen auf die Tatsache, dass Schwarzkopf nur dank der enormen Luft-, See- und Landstreitkräfte Saddam Husseins Armee niederringen konnte. Dokumentationen kommen gar zum Schluss, dass Schwarzkopf als Stratege eigentlich versagt habe, weil die irakischen Elitetruppen – die Zerstörung dieser war oberstes Ziel der US-Kriegsplaner – entkamen. Grösstenteils, weil die Angriffe der Marine und Armee schlecht koordiniert wurden.

Im Buch «The General's War: The Inside Story of the Conflict in the Gulf» (1995) wird Schwarzkopf gar als zweitklassiger General beschrieben, der Ansehen für die alliierten Erfolge erntete, aber selbst verschuldete Pleiten während des Feldzuges anderen in die Schuhe schob. Man ist sich weitgehend einig, dass Schwarzkopf durch das Aufkommen der Live-Berichterstattung im Fernsehen weltberühmt wurde, weil er während des Militäreinsatzes gegen die irakische Besetzung Kuwaits in den Medien omnipäsent war. Im hellgefleckten Wüstenkampfanzug verkündete er Siege und verschleierte Pleiten. Fast täglich war Schwarzkopf auf den Bildschirmen zu sehen und erklärte den Krieg. Das machte Schwarzkopf so überzeugend, dass er in der Wahrnehmung der Bevölkerung zu Amerikas grösstem Militärhelden seit General Douglas MacArthur aufstieg.

Der Sieg über den Irak trug schliesslich auch zur Überwindung des Vietnam-Traumas bei. Allein fünf Millionen Menschen feierten die Sieger des Golfkrieges in New York bei der grössten Konfettiparade aller Zeiten. Washington erlebte die grösste Siegesfeier seit dem Zweiten Weltkrieg, bei der 9000 Soldaten aufmarschierten. Schwarzkopf wurde vorübergehend zum populärsten Amerikaner nach dem Präsidenten. (lü)

Erstellt: 28.12.2012, 18:02 Uhr

Zweiter Golfkrieg

1991 wurde der verstorbene ehemalige US-General H. Norman Schwarzkopf zum Gesicht des erfolgreichsten US-Feldzugs der jüngeren Geschichte, als er die Operation Wüstensturm gegen die irakische Besetzung Kuwaits führte. Am 2. August 1990 besetzte der Irak nach Auseinandersetzungen um die Erdölförderung im Grenzgebiet Kuwait und erklärte das Emirat zur 19. Provinz. Die Weigerung des irakischen Diktators Saddam Hussein, sich trotz internationaler Sanktionen und einer ultimativen Resolution des Sicherheitsrates aus Kuwait zurückzuziehen, führte am 17. Januar 1991 zum Zweiten Golfkrieg.

Alliierte Streitkräfte unter Führung der USA brachten dem Irak eine schwere Niederlage bei. Der Krieg endete nach 43 Tagen. Die irakischen Truppen zogen sich aus Kuwait zurück. Ausserdem wurde der Irak bis zur Erfüllung aller UN-Auflagen, darunter die vollständige Abrüstung seiner Massenvernichtungswaffen, mit Sanktionen belegt. (sda)

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