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Der Mystiker des Verbrechens ist tot

Mexikanische Polizisten und Soldaten haben einen der skurrilsten und grausamsten Drogenbosse des Landes getötet.

Mexikanische Polizisten im Einsatz gegen das Drogenkartell.

Mexikanische Polizisten im Einsatz gegen das Drogenkartell. Bild: Reuters

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Vergangene Woche haben mexikanische Ordnungskräfte den Drogenboss Nazario Moreno González, der in seiner Jugend als Handlanger in den USA gearbeitet hatte, nach einem mehrstündigen Feuergefecht erschossen.

Nazario Moreno González alias «der Doktor» und alias «der Verrückteste» wollte mehr sein als ein Drogenboss. Er sah sich als religiösen Führer und Verfechter höherer Gerechtigkeit, woraus er das Recht ableitete, seine Feinde besonders grausam zu behandeln. Nachdem er 2000 das Drogenkartell «Die Familie aus Michoacán» gegründet hatte, wandte er sich über Zeitungsannoncen an die Öffentlichkeit: «Unser Ziel besteht darin, den Bundesstaat Michoacán von Entführungen, Auftragsmorden, Erpressungen und vom Drogenhandel zu befreien», versprach Moreno. Dass seine Organisation genau diese Verbrechen selber beging, focht ihn nicht an, denn aus seiner Sicht waren die eigenen Untaten ein notwendiges Übel, um die Gräuel der anderen zu bekämpfen. Seine krude Logik hat Moreno in einem Buch mit dem Titel «Der Verrückteste. Gedanken» niedergelegt, das die Gruppe an ihre Mitglieder verteilte. Die von religiösem Pathos getragene Schrift fordert die Killer auf, regelmässig zu beten, fleissig und sexuell enthaltsam zu sein und gut für ihre Familien zu sorgen. Drogenkonsum ist ihnen streng verboten. «Die Familie» betreibt eigene Rehabilitationskliniken, wobei sie die Patienten nach überwundener Sucht als neue Mitglieder rekrutiert.

«Göttliche Gerechtigkeit»

Doch «der Verrückteste» war nicht nur um das Seelenheil seiner Untergebenen besorgt, sondern auch darum, sein Kartell zu einem der mächtigsten und gefürchtetsten Verbrechersyndikate Mexikos zu machen. «Die Familie» ist bekannt dafür, ihre Gegner bestialisch zu foltern und zu enthaupten. Im September 2006 warf ein Kommando in der Stadt Uruapan fünf menschliche Köpfe auf die Tanzfläche einer Diskothek. Die Täter liessen eine Botschaft zurück: «Wir töten nicht für Geld, töten keine Frauen und keine Unschuldigen. Es stirbt nur, wer sterben muss. Das ist göttliche Gerechtigkeit.» Ein Experte bezeichnete Moreno als «Mystiker des Verbrechens». (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 13.12.2010, 07:28 Uhr

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