Der Tag, der die Welt veränderte

Die Attentate in New York und Washington haben die Vereinigten Staaten traumatisiert. Begonnen hatte der 11. September 2001 wie jeder andere Tag.

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Der Himmel über der Ostküste Amerikas verspricht an diesem Dienstagmorgen einen wunderschönen Spätsommertag. Milde Temperaturen, kein Wind, fast keine Wolken. In New York machen sich wie jeden Tag Millionen von Menschen auf den Weg zur Arbeit. Tausende drängen in die Fahrstühle der 110 Stockwerke hohen Zwillingstürme des World Trade Center an der Südspitze Manhattans, um in ihre Büros zu gelangen. Auch die Hauptstadt Washington erwartet einen warmen Tag. Zehntausende Beamte strömen in die Ministerien; darunter viele ins Pentagon. Tausend Meilen weiter südlich, in Longboat Key, Florida, geht Präsident George W. Bush noch vor Sonnenaufgang auf einem Golfplatz joggen. Er will heute eine Primarschule in Sarasota besuchen.

Früh aufgestanden sind an dem Tag auch 19 junge Männer aus dem Nahen Osten. Sie sind in vier Gruppen unterwegs. Die erste wird vom Ägypter Mohammed Atta angeführt und besteigt um 7.35 Uhr am Flughafen von Boston Flug AA11, eine Boeing 767 der American Airlines, nach Los Angeles. Ein paar Minuten vorher geht die zweite Gruppe, geleitet von Marwan al-Shehhi aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, an Bord von Flug UA175, einer Boeing 767 der United Airlines – auch ihr Ziel ist Los Angeles. Um Viertel nach acht sind beide Flugzeuge in der Luft.

Schlampige Kontrollen

Fast gleichzeitig besteigt am Washingtoner Dulles Airport die dritte Gruppe unter Führung des 29-jährigen Saudiarabers Hani Hanjour Flug AA77, eine Boeing 757 der American Airlines. Die Maschine startet um 8.19 Uhr mit zehnminütiger Verspätung. Die letzte Gruppe, angeführt vom Libanesen Ziad Jarrah, geht kurz vor acht auf dem New Yorker Flughafen Newark an Bord von Flug UA93, einer Boeing 757 der United Airlines. Weil im Raum New York viel Verkehr herrscht, hebt die Maschine erst um 8.42 Uhr ab.

Damit war Amerikas Schicksal an diesem 11. September besiegelt, wie später der Untersuchungsbericht der Regierung nüchtern festhielt. Es war den neunzehn Terroristen gelungen, sämtliche Sicherheitsvorkehrungen zu überwinden und unbehelligt in vier Flugzeuge zu steigen, die sie in Lenkwaffen verwandeln wollten, gefüllt mit Zehntausenden von Litern Kerosin. Einer der Attentäter löste zweimal Alarm aus, als er durch den Metalldetektor ging. Doch nachdem ihn ein Kontrolleur mit dem Handstab überprüft hatte, durfte auch er an Bord.Mohammed Atta steuert seine Boeing 767, Flug AA11, um 8.46 Uhr in den Nordturm des WTC. Die Maschine rast zwischen dem 93. und 99. Stockwerk in das Hochhaus. Es kommt zu einer gewaltigen Explosion. Um 9.03 Uhr jagt al-Shehhi seinen Flieger in den Südturm des WTC. UA175 bohrt sich zwischen dem 77. und dem 85. Stockwerk in den Wolkenkratzer. Die Geschwindigkeit beträgt beim Aufprall 943 km/h. Die Schäden an den beiden Türmen sind enorm. Das Feuer ist über 1000 Grad heiss und lässt die Träger schmelzen. Immer mehr Augenzeugen rufen bei den Notdiensten an und sagen, sie sähen Menschen von den Türmen springen. Die New Yorker Feuerwehr beginnt die Gebäude zu räumen.

Bush liest die «Hausziege»

In Sarasota hat Präsident Bush gerade seinen Schulbesuch begonnen, als sein Stabschef ihm zuflüstert, ein zweites Flugzeug sei in den zweiten Turm gerast: «Amerika wird angegriffen.» Bush spürt eine gewaltige Wut. Trotzdem liest er noch sieben Minuten lang mit den Zweitklässlern in der Geschichte von der «Hausziege». «Ich wollte die Kinder nicht erschrecken. Wäre ich aus dem Klassenzimmer gestürmt, hätte das Panik ausgelöst», beschrieb er später in seinen Memoiren diesen Moment. Um 9.30 Uhr tritt Bush erstmals vor die Fernsehkameras. Er bezeichnet die Anschläge als «nationale Tragödie». Sieben Minuten später rast Flug AA77 ins Pentagon. Auf Flug UA93 hat derweil der Libanese Jarrah das Kommando übernommen. Er teilt den Passagieren mit, es sei eine Bombe an Bord, sie sollten sitzen bleiben. Diese beginnen mit Angehörigen zu telefonieren und erfahren dadurch, was in New York passiert ist. Sie beschliessen, die Entführer unschädlich zu machen. Um 9.57 Uhr starten sie ihren Angriff. Sechs Minuten später zerschellt die Maschine auf einer Wiese bei Shanksville, Pennsylvania. Es gibt keine Überlebenden. Vermutlich wollten die Terroristen den Jet ins Weisse Haus steuern.

Kurz vor zehn Uhr stürzt der Südturm des WTC ein. Um halb elf kracht der Nordturm zusammen. Wie durch ein Wunder überleben 16 Menschen. Sie werden später aus den Trümmern geborgen. New York, Washington, Amerika, ein ganzes Land steht unter Schock. Die Anschläge sind ein Angriff auf das Herz der Nation. Insgesamt sterben fast 3000 Menschen. 9/11 wird nicht nur für die Vereinigten Staaten eine Zäsur.

Es gibt aber auch Helden an dem Tag. Zu ihnen gehören die Feuerwehrleute von New York und die übrigen Helfer, Polizisten und Sanitäter. Viele von ihnen kommen beim Versuch, andere aus dem Inferno zu retten, selber ums Leben. Die New Yorker werden ihrer auch dieses Jahr wieder an Ground Zero gedenken.

Epilog

Osama Bin Laden, der Chef der Terrorgruppe al-Qaida, wird am 2. Mai 2011 von einer Spezialeinheit der US-Armee in Pakistan erschossen. Khalid Sheikh Mohammed, der Chefplaner der Anschläge, wird am 1. März 2003 in Pakistan verhaftet und an die USA ausgeliefert. Er ist geständig. Seine Aussagen kamen allerdings unter schwerster Folter zustande. Er wartet im Gefangenenlager Guantánamo auf seinen Prozess. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 22.08.2011, 11:26 Uhr

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