Der Zorn der Amerikaner könnte für Trump gefährlich werden

Der Entrüstung nach den Angriffen folgt eine hitzige Debatte über Schusswaffengewalt. Die Demokraten hoffen nun, dass diese bis zu den US-Wahlen 2020 anhält.

Demonstranten in El Paso vor Trumps Besuch: Wie lange hält der Zorn der Waffengegner an? (Reuters/Bryan Woolston/7. August 2019)

Demonstranten in El Paso vor Trumps Besuch: Wie lange hält der Zorn der Waffengegner an? (Reuters/Bryan Woolston/7. August 2019)

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Die Fehlzündung eines Motorrads mitten in Manhattan löste am Dienstagabend eine Panik aus, weil Passanten glaubten, es habe sich um einen Schuss gehandelt. So nervös ist die Stimmung in den USA nach den Massenmorden von El Paso und Dayton am vergangenen Wochenende. Kugelsichere Rucksäcke für Schulkinder sind gefragt, und die Debatte über Schusswaffengewalt hat Migration und illegale Zuwanderung als wichtigstes Thema abgelöst.

In Washington wird jetzt der Frage nachgegangen, was die politischen Konsequenzen dieser Entwicklung sein könnten. Vor seinem Abflug nach Dayton und El Paso wies Donald Trump am Mittwoch jegliche Verantwortung für das gegen Latinos gerichtete Massaker in El Paso zurück. Hier werde versucht, «politisch zu punkten», sagte der Präsident.

Und während Senator Chuck Schumer (New York) und Nancy Pelosi, die beiden führenden Demokraten im Kongress, am Mittwoch eine «unverzügliche» Einberufung des in den Ferien weilenden Senats zur Abstimmung über ein vom Repräsentantenhaus bereits verabschiedetes Gesetz zur Schusswaffenkontrolle verlangten, verteidigte sich Trump einmal mehr: Seine Regierung habe «mehr als die meisten anderen» für die Regulierung von Schusswaffen getan. Der Wahrheit entspricht diese Behauptung nicht ganz: Die Trump-Administration hat durch gezielte Lockerungen von Auflagen den Zugang zu Schusswaffen seit 2017 erleichtert.

Der demokratische Präsidentschaftskandidat Joe Biden beschuldigte den Präsidenten unterdessen in einer Rede in Iowa am Mittwoch, «die Flammen weisser Vorherrschaft» anzufachen. Senator Cory Booker (New Jersey), auch er ein demokratischer Präsidentschaftskandidat, verurteilte Trump ebenfalls in einer Rede in South Carolina. Obendrein verlangten 33 führende Vertreter des hispanischen US-Amerika in einem offenen Brief am Mittwoch ein Ende politischer Angriffe auf «Latinos, Menschen brauner und schwarzer Hautfarbe sowie Immigranten».

Der Ruf nach strengeren Auflagen ist lauter geworden

Ob diese Entrüstung politische Konsequenzen zeitigen wird, ist freilich ungewiss. Umfragen zeigen, dass derzeit rund ein Viertel amerikanischer Latinos zum Präsidenten und zur Republikanischen Partei stehen – weniger zwar als bei den Präsidentschaftswahlen 2000 und 2004 für George W. Bush votierten, aber immerhin ein beachtliches Wählerreservoir. Vor allem evangelikale und ältere Amerikaner hispanischer Herkunft halten der Republikanischen Partei die Treue.

Video: Trump in Dayton von Demonstranten empfangen

Gegner des Waffengesetzes haben sich vor dem Spital versammelt. (Video: AP)

Weitaus gefährlicher für den Präsidenten und seine Partei ist die Stimmung bei weissen Frauen in den Vorstädten der Metropolen. Waren sie früher verlässlich republikanisch, so liefen Frauen in Suburbia bei den Kongresswahlen 2018 mehrheitlich zu den Demokraten über. Schusswaffengewalt mobilisiert sie, ihr Ruf nach strengeren Auflagen für Erwerb und Besitz von Feuerwaffen ist lauter geworden.

Oder lässt der Zorn wieder nach?

Falls die Präsidentschafts- und Kongresswahlen 2020 zu einem Referendum über Schusswaffengewalt wird, könnten sich diese Frauen der demokratischen Wählerkoalition anschliessen und Trump und den Republikanern immensen politischen Schaden zufügen.

Sicher ist es keineswegs: Lässt der Zorn vieler Bürger wie nach früheren Massenschiessereien auch jetzt wieder nach, wird Schusswaffengewalt zur Enttäuschung der Demokraten wohl kaum zu einem den Wahlkampf 2020 bestimmenden Thema werden.

Erstellt: 08.08.2019, 08:39 Uhr

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