Der demokratische Sozialist

Bernie Sanders, der Senator aus Vermont, tritt gegen Hillary Clinton an.

Will keine grossen Spenden: Bernie Sanders. Foto: Keystone

Will keine grossen Spenden: Bernie Sanders. Foto: Keystone

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Also doch: Hillary Clinton bleibt nicht alleinige Kandidatin ihrer Partei für die Präsidentschaft. Bernie Sanders, der einzige Sozialdemokrat im Kongress, will es der Favoritin nicht allzu leicht machen. Er tritt auf einer betont progressiven Wahlplattform an und dürfte ihr Abdriften in eine zu wirtschaftsnahe Mitte erschweren.

Die Wahlchancen des 73-jährigen Senators aus Vermont sind verschwindend klein. Eine Umfrage vom März zeigt, dass Clinton auf 67 Prozent der demokratischen Stimmen zählen kann. Sanders erhält nur gerade 5 Prozent und die ebenfalls progressive Sena­torin Elizabeth Warren 10 Prozent. Warren ist die Wunschkandidatin der linken Demokraten. Mit ihrer hart­näckigen Kritik an den Wallstreet-Banken und der Rolle von «Big Money» in der Politik könnte sie Clinton gefährlicher werden als der knorrige Sanders. Doch Warren lehnt es ab, gegen Hillary Clinton anzutreten.

Der Altmeister aus Vermont hat diese Hemmung nicht. Nach einer beachtlichen Karriere als Bürgermeister in Burlington, als Unabhängiger im Abgeordnetenhaus und als selbst ernannter «demokratischer Sozialist» im Senat sieht er die Zeit gekommen für ihn. «Amerika braucht eine politische Revolution», twitterte Sanders, bevor er seine Kandidatur vor dem Capitol in Washington persönlich begründete. «Wir treten an, um zu gewinnen.» Natürlich verfüge er nicht über gleiche Mittel wie andere, doch spreche seine «ungewöhnlichste politische Geschichte im Kongress» für ihn.

Motiviert durch die Anti-Vietnam-Proteste

Seine Agenda wird auf das wachsende wirtschaftliche Ungleichgewicht im Land konzentriert sein, ein Thema, das auch Clinton zunehmend zu Sprache bringt und das die republikanischen Kandidaten in einige Verlegenheit bringen dürfte. Sanders will zudem über die «Schande» durch den Einfluss von schwerreichen Spendern in der Politik sprechen, er will den Minimallohn erhöhen, die Steuern für die Reichen anheben und die gesetzlichen Ferienansprüche ausweiten. Weit oben auf seiner Liste stehen auch der Klimawandel sowie die Opposition gegen weitere Freihandelsabkommen.

Er boykottierte im März den Auftritt des israelischen Premiers Netanyahu vor dem Kongress und unterstützt die Iran-Abrüstungsgespräche stärker, als es die meisten Kollegen tun. Seine Kampagne werde keine negative sein, nie wolle er denunzierende Fernsehspots gebrauchen. Auch das Sammeln von Geld mithilfe von Super-Pacs, wie es Clinton und die Republikaner tun, lehnt er ab. Stattdessen hofft er, drei Millionen Wähler zu finden, die je 100 Dollar spenden. Das würde ihm ein Drittel dessen in die Hand geben, was die Gebrüder Koch für einen republikanischen Präsidenten ihrer Präferenz investieren. Er ist einer der beiden letzten Politiker, die vor 50 Jahren durch Anti-Vietnam-Proteste motiviert wurden. Aussenminister Kerry ist der andere.

Sanders wurde als Sohn jüdischer Einwanderer 1941 in Brooklyn geboren und versuchte sich nach einem Hochschlussabschluss in Politikwissenschaften als Schreiner, Filmemacher und Schreiber. Der für seine Unabhängigkeit bekannte Bundesstaat liebt den Senator: 2012 wurde er mit 71 Prozent der Stimmen bestätigt. Auch sein Selbstbewusstsein ist ungebrochen: «Ich glaube, die Leute sollten aufpassen, dass sie mich nicht unterschätzen», sagt er.

Erstellt: 01.05.2015, 22:51 Uhr

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