Die Parteizentrale brennt

Die gewaltsamen Proteste im Zusammenhang mit der mutmasslichen Ermordung von 43 vermissten Studenten in Südmexiko reissen nicht ab.

Etwa eintausend mit Steinen und Stöcken bewaffnete Lehrer und Studenten beteiligen sich am Protestmarsch durch Chilpancingo: Die brennende Zentrale der Regierungspartei. (Bild: Twitter)

Etwa eintausend mit Steinen und Stöcken bewaffnete Lehrer und Studenten beteiligen sich am Protestmarsch durch Chilpancingo: Die brennende Zentrale der Regierungspartei. (Bild: Twitter)

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Demonstranten steckten am Dienstag die örtliche Zentrale der Regierungspartei in der Stadt Chilpancingo im Bundesstaat Guerrero in Brand. Über dem Sitz der Partei der Institutionalisierten Revolution (PRI) stiegen Rauchwolken auf, wie AFP-Reporter berichteten. Mindestens drei Menschen wurden verletzt.

Etwa eintausend mit Steinen und Stöcken bewaffnete Lehrer und Studenten beteiligen sich an dem Protestmarsch durch Chilpancingo, die Hauptstadt von Guerrero, um gegen die Regierung von Präsident Enrique Peña Nieto zu protestieren. Dabei kam es zu Zusammenstössen mit der Polizei.

Flughafen blockiert

Die Proteste gegen Regierung und Behörden waren bereits in den vergangenen Tagen mehrfach in Gewalt umgeschlagen, nachdem drei mutmassliche Drogengangster die Ermordung der 43 Lehramtsstudenten gestanden hatten. In der Hauptstadt Mexiko-Stadt versuchten vermummte Angreifer am Samstagabend, den Nationalpalast zu stürmen. In Guerrero bewarfen Demonstranten den Sitz der Regionalregierung mit Brandsätzen und steckten Autos an. Am Montag blockierten aufgebrachte Demonstranten über Stunden den Flughafen der Touristenoase Acapulco.

Zusammenstösse zwischen der Polizei und Demonstranten in Acapulco. (10. November 2010/Quelle: Animal Político/Stroyful)

Die Studenten waren am 26. September nach einer Spendensammelaktion festgenommen und anschliessend der mit der Polizei verbündeten Drogenbande Guerreros Unidos übergeben worden. Generalstaatsanwalt Jesús Murillo Karam teilte am Freitag mit, drei Mitglieder der Drogenbande hätten in der Haft gestanden, die Studenten getötet und ihre Leichen auf einer Müllkippe verbrannt zu haben.

Welche Rolle spielte der Bürgermeister?

Murillo Karam sieht allerdings kaum Chancen, die bislang gefundenen und völlig verkohlten Leichenreste zu identifizieren. Nur zwei Knochen könnten «möglicherweise» DNA-Proben der vermissten Studenten zugeordnet werden, sagte er dem Sendernetzwerk Televisa.

Die Ermittler vermuten, dass der Bürgermeister der Stadt Iguala, José Luis Abarca, das Vorgehen gegen die Studenten angeordnet hatte, um zu verhindern, dass sie eine geplante Rede seiner Frau stören. Nach mehrwöchiger Flucht wurde das Paar, das enge Verbindungen zur Drogenmafia unterhalten soll, am vergangenen Dienstag in Mexiko-Stadt gefasst. Insgesamt gab es bislang 74 Festnahmen in dem Fall, darunter 36 Polizisten und mehrere Mitglieder der Guerreros Unidos. (ldc/AFP)

Erstellt: 11.11.2014, 20:43 Uhr

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