Die USA halten Bin-Laden-Fotos unter Verschluss

Der US-Präsident Barack Obama hat entschieden, auf eine Publikation der Fotos mit dem getöteten Al-Qaida-Chef zu verzichten. Er nennt dafür mehrere Gründe.

Keine Bilder des Terrorführers: Das Weisse Haus begründet seinen Entscheid.
Video: Reuters

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Die USA werden keine Fotos von der Leiche des getöteten Al-Qaida-Chefs Osama bin Laden veröffentlichen. Präsident Barack Obama sagte in einem Interview mit dem Fernsehsender CBS, eine Veröffentlichung würde ein nationales Sicherheitsrisiko heraufbeschwören. Die US-Regierung werde die Aufnahmen nicht wie «Trophäen» behandeln, sagte Obama. Er wolle nicht, dass die Fotos als Propagandamittel missbraucht würden.

«Es gibt keinen Zweifel daran, dass wir Osama Bin Laden getötet haben», sagte Obama. Wer davon nicht überzeugt sei, für den werde auch ein Bild keinen Unterschied machen. Tatsache sei jedoch, «dass man Osama Bin Laden nicht wieder auf dieser Erde herumlaufen sehen wird». Er habe die Frage der Veröffentlichung mit Hillary Clinton und Verteidigungsminister Robert Gates besprochen. «Und sie stimmen alle zu», sagte Obama.

Die US-Regierung hatte tagelang darüber beraten, ob sie die Aufnahmen freigeben solle. Skeptiker hatten zu bedenken gegeben, dass die Bilder «zu grauenhaft» seien, um sie zu veröffentlichen. Befürworter einer Veröffentlichung hingegen wollten der Öffentlichkeit damit den eindeutigen Beweis erbringen, dass Bin Laden wirklich tot sei.

Justizminister verteidigt Tötung

Neben der Frage der Veröffentlichung von Fotos Bin Ladens sorgte auch die Erschiessung des Terroristenführers weiter für Diskussionen. Vor einem Senatsausschuss verteidigte US- Justizminister Eric Holder am Mittwoch die Tötung. Falls sich Bin Laden hätte ergeben wollen, «hätten wir das akzeptieren sollen», sagte Holder. «Es gab aber keinen Hinweis, dass er das tun wollte. Deshalb war seine Tötung angemessen.» Bin Laden sei ein «rechtmässiges militärisches Ziel» und die Kommandoaktion gegen ihn ein «Akt der nationalen Selbstverteidigung».

Die Aktion habe in Einklang mit den Gesetzen und den Werten der Vereinigten Staaten gestanden, sagte Holder. «Er war der Kopf der al-Qaida, einer Organisation, die die Anschläge vom 11. September verübt hatte. Er hat seine Beteiligung gestanden.» Die USA räumten inzwischen allerdings ein, dass Bin Laden entgegen ersten Angaben nicht bewaffnet war, als er von den Navy Seals in der pakistanischen Stadt Abbottabad getötet wurde. Um Widerstand zu leisten, brauche man keine Schusswaffe, sagte ein Sprecher des Weissen Hauses.

Wachsende Sorge vor Anschlägen

Nach dem verbreiteten Jubel über den Tod Bin Ladens stieg auch in Afghanistan die Angst vor Vergeltungsschlägen. Der afghanische Geheimdienst rechnet fest mit einer Phase der Rache - und zwar in allernächster Zeit. Diese «Phase der Rache», mit der gezeigt werden solle, dass der Kampf auch ohne Bin Laden weitergehe, werde aber nur von kurzer Dauer sein, erklärte das afghanische Verteidigungsministerium.

In Pakistan geriet die pakistanische Regierung nach Zweifeln des Auslands an ihrer Zuverlässigkeit auch innenpolitisch unter Druck. Am Mittwoch verlangten Politiker und Journalisten ungewöhnlich harsch Aufklärung über die Hintergründe der Tötung bin Laden.

Während die USA wissen wollen, wieso der Terrorist jahrelang offenbar unbemerkt in Abbottabad leben konnte, fragen viele Pakistaner, warum Regierung, Armee und Geheimdienst von dem Einsatz des US-Kommandos überrascht wurden. In pakistanischen Medien wurde der US-Einsatz vielfach als Verletzung der Souveränität gewertet.

Obama besucht Ground Zero

Bin Laden gilt als Hauptdrahtzieher der Anschläge vom 11. September 2001 auf das World Trade Center in New York und das Pentagon in Washington, bei dem etwa 3000 Menschen starben. Die Tötung des Al-Qaida-Chefs liess die Umfragewerte von US- Präsident Obama sprunghaft steigen. Mit dem Militäreinsatz in Pakistan sind laut einer am Dienstag veröffentlichten Umfrage von «USA Today» und Gallup 93 Prozent der Befragten zufrieden.

Obama will am Donnerstag den Ort der Anschläge in New York besuchen. Am Ground Zero, wo einst die Zwillingstürme des World Trade Center standen, will er nach Angaben des Weissen Hauses auch Angehörige der Opfer treffen. (jak/dapd)

Erstellt: 04.05.2011, 21:36 Uhr

Der getötete Al-Qaida-Chef Osama Bin Laden. (Bild: Keystone )

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Ein Indianervolk hat von US-Präsident Barack Obama eine Entschuldigung für die Verwendung von «Geronimo» als Codenamen für den getöteten Al-Kaida-Chef Osama bin Laden gefordert. Das geht aus einem Brief des Vorsitzenden des Stammes der Fort Sill Apachen, Jeff Houser, an Obama hervor, der am Mittwoch auf der Website des Indianervolks zu lesen war.

In dem Schreiben heisst es, der Indianerstamm habe die Nachricht vom Tod des Terrorchefs zwar mit Begeisterung empfangen. Die Freude sei aber gedämpft worden, als man erfahren habe, dass der Codename für bin Laden der eines legendären Häuptlings der Apachen im US-Staat Oklahoma gewesen sei. Den Indianerhäuptling oder andere Persönlichkeit der amerikanischen Ureinwohner mit einem «Massenmörder und feigen Terroristen» gleichzusetzen, sei schmerzhaft und beleidigend, schrieb Houser an Obama.

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