Spionageaffäre

Die Werkzeugkästen der NSA

Die NSA verfügt über eine eigene Werkstatt zur Entwicklung manipulierter Hardware und Spähsoftware: Nichts scheint vor dem NSA-Zugriff sicher.

Nicht nur Google dient der NSA als Datenquelle: Rechenzentrum im Staat Oklahoma. (Archiv)

Nicht nur Google dient der NSA als Datenquelle: Rechenzentrum im Staat Oklahoma. (Archiv) Bild: Keystone

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Mittels eigens angefertigten Hardware-Implantaten sowie spezieller Spähsoftware erschliesst sich die NSA immer neue Ziele. Laut einem Bericht in der neuen Ausgabe des Nahrichtenmagazins «Der Spiegel» verfügt der elektronische US-Geheimdienst über eine Spezialeinheit, die sich ausschliesslich mit der Herstellung von Spähprodukten befasst und über regelrechte «Werkzeugkästen» verfügt. Der Bericht stützt sich auf Dokumente des ehemaligen NSA-Mitarbeiters Edward Snowden.

Demnach wendet sich die NSA-Abteilung Tailored Access Operations (TAO), der besonders knifflige Operationen obliegen, an die Spezialeinheit Advanced Network Technology (ANT), wenn sie Rechner, Server oder Networking-Ausrüstung mit speziellen Mitteln abschöpfen will. ANT liefert unter anderem manipulierte Monitorkabel und USB-Stecker, Mobilfunk-Horchposten sowie Spähsoftware, die in einem Katalog samt Preisen aufgelistet sind. So zahlt TAO etwa für ein manipuliertes Monitorkabel, das es erlaubt, den ausspionierten Bildschirm zu beobachten, lediglich 30 Dollar. Andere Hardware kann bis zu einer Million Dollar kosten.

«Eine einzigartige Hintertür»

Unter anderem baut ANT manipulierte Basisstationen für Natels, die eine lückenlose Überwachung der Telefone erlauben. Erwähnt wird in den Dokumenten zudem eine Spähsoftware namens «Validator», die laut der NSA «eine einzigartige Hintertür» auf den Personalcomputern von Zielpersonen einbaut. Selbst die Windows-Problemberichte von Computerbenützern an Microsoft schöpft der Dienst ab: Sie seien «eine hübsche Methode», um sich «passiven Zugriff» zu verschaffen.

Besonders schwerwiegend scheint, dass die ANT-Werkzeugmacher spezielle Schadstoffsoftware sowie Hardware-Implantate für Produkte namhafter amerikanischer Computer- und Networking-Unternehmen wie Cisco, Juniper, Dell und Hewlett-Packard entwickelt haben. US-Technologieunternehmen haben jede Zusammenarbeit mit der NSA verneint, sind jedoch zusehends besorgt, dass ihre Produkte von potentiellen Käufern als trojanische Pferde abgelehnt werden. Auch Festplatten der US-Hersteller Seagate und Western Digital werden von der NSA abgeschöpft.

Kann eine Schadstoffsoftware nicht über einen Fernzugriff installiert werden oder wird ein Implantat eingebaut, fängt die NSA heimlich Postzulieferungen ab. Nach der Installierung wird das Produkt an den Besteller ausgeliefert. In einer ersten Stellungnahme lobt die NSA die Arbeit der TAO: Sie verteidige «die Nation und ihre Verbündeten an vorderster Front».

Erstellt: 30.12.2013, 20:00 Uhr

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