Die Zahl 768 kann Mia Love nun vergessen

Sie hats geschafft. Die 38-jährige Mia Love wird US-Abgeordnete und sorgt damit für ein Novum. «Pures Gold» sei sie für die Republikaner.

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Zwei Jahre lang liess die Zahl 768 Mia Love nicht los – bis gestern. So viele Stimmen hatten der US-Politikerin bei den letzten Kongresswahlen zu einem Sieg gefehlt. Gestern hat die 38-Jährige es dann geschafft: Love wird als erste schwarze Republikanerin im Repräsentantenhaus in die Geschichte eingehen.

Auch wenn die Politikerin aus Utah stets bemüht ist, diese Besonderheit zu vermeiden. Ihr Weg nach Washington ist ungewöhnlich – und doch ein Symbol für den amerikanischen Traum. Zwei Jahre nachdem ihre katholischen Eltern aus Haiti geflohen waren, kam Love als Ludmya «Mia» Bourdeau in New York zur Welt. Die beiden anderen Kinder hatte die Familie vorerst zurücklassen müssen.

Später zogen ihre Eltern mit ihr nach Connecticut, wo Love dann auch darstellende Kunst studierte. Damals war ihr Ziel noch der Broadway, die Aussicht auf eine politische Karriere kam später. Nachdem die Katholikin zum Mormonentum konvertiert war, lernte sie ihren zukünftigen Ehemann während eines Gottesdienstes kennen. Inzwischen haben die beiden zwei Kinder und leben in Utah, wo Love bis vor kurzem die Bürgermeisterin des Provinznestes Saratoga Springs war.

Weiblich, schwarz, Republikanerin

Dass sie es nun ins Repräsentantenhaus geschafft hat, ist für ihre Partei ein Glücksgriff. Für die Republikaner – die gemeinhin als Partei der alten, weissen Männer gelten – ist Loves Geschichte die eines Aufstiegs ganz nach ihrem Geschmack. Ihr Einzug in den US-Kongress demonstriere, wie feste Familienbande, Glaube und harte Arbeit zum Erfolg führen können, beschreibt die britische Zeitung «The Telegraph» diese Sichtweise. Erfolg, ohne jemals auf Hilfe vom Staat angewiesen zu sein. Der Ansatz ist ein Grundpfeiler der Konservativen.

Diese Haltung unterstreicht Love, wo immer sie kann: «Ich werde jeden Tag hart dafür arbeiten, dass der Staat sich aus Ihrem Leben heraus- und von Ihrem Portemonnaie fernhält, damit Sie Ihren amerikanischen Traum verwirklichen können», kündigte sie etwa nach ihrem gestrigen Sieg an.

«Fieberhafte Energie und unermüdlicher Charme»

Wie wertvoll Love für ihre Partei ist, wird in Aussagen wie diesen deutlich: «Eine afroamerikanische Frau im Kongress ist pures Gold für die Republikaner», sagte ein US-Politologe kürzlich dem «Telegraph». Love jedoch betont unermüdlich, sie setze sich für die Belange aller Bürger ein. «Die Probleme dieses Landes sind nicht die Probleme von Minderheiten oder Geschlechtern. Es sind Amerikas Probleme.» Mit ähnlichen Aussagen hatte auch schon US-Präsident Barack Obama zu punkten versucht. Die Ausschreitungen von Ferguson, die aufflammten, nachdem ein Polizist einen unbewaffneten schwarzen Jugendlichen erschossen hatte, sprechen dem «Telegraph» zufolge eine andere Sprache.

Wird sie doch auf ihre Herkunft oder Hautfarbe angesprochen, reagiert Love dann auch ganz im Sinne ihrer Partei. Dies zeigt etwa eine Anekdote zu einer Rede der Politikerin, die das US-Magazin «Newsweek» kürzlich nacherzählte. Nach einem Vortrag an der Universität in Chicago habe sich eine Frau im Publikum gemeldet. Sie verstünde nicht, wie die Politikerin als schwarze Frau aus Utah im heutigen Amerika die Republikaner vertreten könne, fragte sie. «Ich wurde gewählt, weil ich eine Vision hatte, wie wir uns finanzielle Stabilität verschaffen – nicht wegen meiner Hautfarbe oder meines Geschlechts», soll Love erwidert haben.

Erstellt: 05.11.2014, 13:15 Uhr

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