Die grosse Hillary-Show

Drei Jahre vor der Präsidentschaftswahl 2016 sind momentan gleich vier Filmprojekte über Hillary Clinton in Arbeit. Doch ganz so einfach wird diese Kandidatur nicht – zwei mögliche Hürden stehen ihr im Weg.

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Abraham Lincoln gab sich bescheiden. «Niemand hat jemals erwartet, dass ich Präsident werde», unterschätzte sich der spätere Präsident bei einer Debatte im Jahr 1858. Mit Hillary Rodham Clinton verhält es sich exakt andersherum: Alle erwarten, dass sie Präsidentin wird, ja so ausgiebig lässt sich der Rummel über die mögliche Präsidentschaftskandidatur der Ex-Aussenministerin und vormaligen First Lady schon drei geschlagene Jahre vor dem Wahltag an, dass damit die schlimmsten Befürchtungen der amerikanischen Gründerväter bestätigt werden: Der Tag werde kommen, schwante ihnen, da sich in Washington alles nur noch um die Frage drehe, wer der nächste Präsident sein werde.

Im Falle Clintons haftet diesem Rummel zudem ein ausgeprägter Celebrity- und Entertainment-Faktor an: Sie und der unverwüstliche Mr. Bill kommen als politische Ausgabe der Kardashians daher, deren Irrungen und Wirrungen das Publikum bei Laune halten und höchst vermarktbar sind. Der amerikanische Entertainment-Komplex, konstatiert denn auch Bill Clintons ehemaliger Berater Chris Lehane, setze «einen der grossen Brands unserer Zeit für seine Zwecke ein».

Von HBO über NBC bis CNN

Und wie: Der Kabelkanal HBO lässt derzeit vom berühmten Martin Scorsese einen Dokumentarfilm über Mr. Bill anfertigen, derweil Hollywood einen Spielfilm über Hillarys Arbeit im Washington der Watergate-Ära unter dem Titel «Rodham» plant. Vor zwei Jahren konnte Drehbuchautor Young Il Kim sein Skript nirgends unterbringen, jetzt hatte er keine Mühe, einen Abnehmer zu finden. Ganz dick will der TV-Sender NBC auftragen: Dort wird an einer Miniserie über Hillary mit Hollywood-Star Diane Lane in der Hauptrolle gearbeitet.

Da CNN beim Hillary-Trubel keinesfalls hintanstehen möchte, wurde prompt ein Dokumentarfilm über die Ikone in Auftrag gegeben, der zuerst in den Kinos, dann bei CNN gezeigt werden soll. Die republikanische Opposition ist überhaupt nicht glücklich über die gigantische Hillary-Show im Vorfeld der Präsidentschaftswahl 2016. Dies sei «politische Werbung im Kostüm von Unterhaltung», monierte Reince Priebus, Chef des Republikanischen Nationalkomitees, und drohte mit Vergeltung: Falls NBC und CNN die Projekte nicht stoppten, werde man sie 2015 und 2016 von der Teilnahme an den Debatten der republikanischen Präsidentschaftskandidaten ausschliessen.

Ist das Alter ein Problem?

Damit nicht genug, grollte der einflussreiche rechte Radio-Talker Rush Limbaugh, Zweck der Filmerei sei es, «Hillary den Wahlsieg zu verschaffen», während der konservative Kolumnist Ben Shapiro Hollywood bezichtigte, «Hillary-Propaganda zum Zweck ihrer Krönung 2016» zu betreiben.

Wie blank die republikanischen Nerven liegen, zeigte sich, als die Maker der Partei sich über Clintons Alter hermachten. Sie sei ja schon seit den Siebzigerjahren dabei, befand abschätzig Mitt Romneys Chefstratege Stuart Stevens. Und Mitch McConnell, der republikanische Minderheitsführer im Senat, verglich Hillary gar mit den «Golden Girls», so der Name einer alten TV-Serie über das spassige Leben dreier älterer Damen.

Tatsächlich wäre Hillary Clinton 69 Jahre alt, wenn sie im Januar 2017 den Amtseid ablegte – nicht älter als Ronald Reagan bei seinem Amtsantritt 1981. Zumal die Ex-Senatorin auf wackere Brigaden gleichfalls ergrauter und ihr schon deshalb wohlgesonnener Mitbürger hoffen könnte: Tagtäglich feiern Tausende US-Babyboomer den 65. Geburtstag, die jugendliche Nation James Deans und Jim Morrisons mutiert zusehends zu einem Abbild des faltigen Bob Dylan.

Genug von Bill?

Schon eher problematisch für Hillarys präsidiale Ambitionen könnte sein, dass den Amerikanern vielleicht nicht nach einer Neuauflage der rasanten Bill-und-Hill-Show zumute ist, vor allem nicht nach der relativ dramafreien Präsidentschaft des nüchternen Barack Obama. Die Vorstellung, Mr. Bill zöge an Hillarys Seite neuerlich ins Weisse Haus ein, wo er einst von Miss Lewinsky liebevoll präparierte Zigarren erhielt, dürfte so manchen Wähler erschrecken.

Andererseits dürsten die Bewohner des kurzweiligsten Gemeinwesens auf Erden gewiss nach einem First Couple, das selbst in Grau noch etwas hergibt.

Erstellt: 08.08.2013, 00:04 Uhr

Diane Lane spielt Hillary Clinton in einer vierstündigen Miniserie von NBC.

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