Die guten Trumps

Donald Trumps Kinder nehmen eine immer wichtigere Rolle ein und sollen das Image ihres Vaters verbessern. Seine Tochter Ivanka gilt vielen als wahre First Lady.

Eine schrecklich grosse Familie (v. l.): Eric Trump, Lara Yunaska Trump, Donald Trump, Barron Trump, Melania Trump, Vanessa Haydon Trump, Kai Madison Trump, Donald Trump Jr., Donald John Trump III und Ivanka Trump. Foto: Getty Images

Eine schrecklich grosse Familie (v. l.): Eric Trump, Lara Yunaska Trump, Donald Trump, Barron Trump, Melania Trump, Vanessa Haydon Trump, Kai Madison Trump, Donald Trump Jr., Donald John Trump III und Ivanka Trump. Foto: Getty Images

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Vor etwas mehr als einem Jahr verkündete Ivanka Trump auf der Bühne im Trump Tower in New York, dass ihr Vater ins Rennen um die Präsidentschaft einsteigen werde. Diesen Donnerstag wird Ivanka Trump wiederum auf der Bühne stehen, jetzt in Cleveland, und vor Millionen von US-Fernsehzuschauern verkünden, er habe das Rennen gewonnen. Sie wird nach vier Tagen und einer ganzen Reihe von Rednern die Letzte sein, die ihren Vater als wahren Leader bezeichnet, kurz bevor sich dann Donald J. Trump feiern lassen wird und die obligaten Ballone von der Decke fallen.

Es war eine seltsam bizarre Veranstaltung vor einem Jahr, als Donald Trump zum ersten Mal von dieser Mauer sprach, die er bauen werde, und alle Mexikaner als Vergewaltiger abstempelte. Kaum jemand nahm die Kandidatur des Immobilienspekulanten damals ernst. Die Veranstaltung in dieser Woche nennt sich Nominierungsparteitag – und sie ist nicht minder skurril.

Die Republikanische Partei versucht mit allen Mitteln, in Cleveland Geschlossenheit zu demonstrieren, obwohl kaum ein Präsidentschaftskandidat vor Trump seine eigene Partei derart spaltete. Viele grosse Namen sind abwesend, von den Bushs bis Mitt Romney, Senator John McCain verkündete, er sei am Angeln. Dafür nimmt Donald Trumps Familie eine immer zentralere Rolle ein.

Keinerlei politische Erfahrung

Trumps älteste Kinder, Donald Jr., Eric und Ivanka, gehören zu seinen engsten Beratern, obwohl sie über keinerlei politische Erfahrung verfügen, aber Gleiches gilt ja auch für ihren Vater. Schaut man sich ihre Einträge in den sozialen Medien an, dann ist da mehr von Mode und Golfen die Rede. Sie haben ihren Vater von Beginn seiner Kandidatur begleitet. Standen sie anfänglich noch im Hintergrund, traten sie im Verlauf der Monate immer öfter auch vor die Kameras. Am Parteitag diese Woche in Cleveland werden sie alle als Redner auftreten.

Trumps Kinder seien es gewesen, die den Immobilienspekulanten dazu bewogen hätten, sich für Mike Pence als Vizepräsidenten zu entscheiden, heisst es. Sie stünden auch hinter der Entlassung von Corey Lewandowsky, Trumps ehemaligem Kampagnenleiter. Zum engsten Familienkreis gehört auch Jared Kushner (35), Ivankas Mann und Trumps Schwiegersohn. Er soll an Trumps aussenpolitischen Reden mitgefeilt haben, und er wird jedes Mal, wenn man Trump vorwirft, sich vor antisemitischen Äusserungen nicht genügend zu distanzieren, in den Vordergrund gerückt. Kushner kommt aus einer orthodoxen jüdischen Familie.

Die Loyalität von Trumps Kindern zu ihrem Vater ist bemerkenswert und womöglich auch trügerisch. Anders als bei Ronald Reagans Sohn etwa fällt kein Wort der Kritik. Es ist keine Rebellion bekannt wie in der Familie Bush, obwohl es den Trumps an Gründen sicher nicht mangelte. Donald Trump liess sich von Ivana, seiner ersten Frau und der Mutter der dreien, scheiden, da waren sie noch im Teenageralter. Sie konnten seine späteren Sexaffären, mit denen Trump prahlte, in den bunten Blättern nachlesen. «Er war immer für uns da», sagen sie heute im Chor. «Unser Vater ist halt, wie er ist, und lässt sich von niemandem den Mund verbieten.» Es gibt einen Dokumentarfilm über Ivanka Trump aus dem Jahr 2003, «Born Rich», in dem sie erklärt, wie stolz sie auf ihren Vater sei. Einzig von Donald Junior, dem ältesten Sohn, weiss man, dass er nach seiner Ausbildung ausscherte und es vorzog, als Barkeeper zu arbeiten, anstatt sich im Trump Tower um die Geschäfte zu kümmern. Bis er einsah, was wirklich im Leben zähle, wie er in einem Interview sagte: «Arbeit, Disziplin und Familie.»

Mit Chelsea Clinton befreundet

Unter allen Kindern von Trump, zwei weitere kamen später noch hinzu, sticht aber die älteste Tochter hervor: Ivanka Trump (34), dreifache Mutter, ehemaliges Fotomodel mit eigener Schuh- und Schmuckkollektion. Sie war eng mit Chelsea Clinton befreundet, doch die beiden berühmten Töchter haben sich entschlossen, ihre Freundschaft auf Eis zu legen, solange sich ihre Eltern verbal attackieren.

Ivanka gilt als Trumps Liebling, was man auch daran erkennt, dass sie an diesen viertägigen Donald-Trump-Festspielen in Cleveland ganz zum Schluss auftreten wird: Sie darf ihren Vater zum ­König krönen. Die Söhne nennen sie «Vaters Prinzessin», für die amerikanischen Medien ist sie die eigentliche First Lady, da Melania Trump, die Ehefrau, sich nach wie vor lieber im Hintergrund aufhält und dazu ein Gesicht macht, als würde sie der ganze Rummel nicht sonderlich interessieren.

Ivanka fiel in diesen vergangenen Monaten die Rolle zu, die Attacken ihres ­Vaters gegen Muslime, Mexikaner oder Frauen abzufedern und wegzulächeln. Und sie tat das sehr geschickt und professionell. Er sei ein «wahrer Feminist», wiederholte sie immer wieder und wies darauf hin, wie vielen Frauen Trump zur Karriere verholfen habe. Ivanka selbst ­inszeniert sich als moderne Mutter und selbstbewusste Geschäftsfrau und wird bald mit einem Buch über Frauen in der Arbeitswelt Millionen verdienen. «Sie hat jetzt schon gewonnen», schrieb die «Washington Post», «wie auch immer ihr Vater gegen Hillary Clinton abschneiden wird.» Tatsächlich scheinen die Kinder Donald Trumps Image gutzutun.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 18.07.2016, 20:21 Uhr

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