Die «nicht identifizierte Königin der Folter» hat jetzt einen Namen

Die CIA behauptete, sie zu outen, sei zu gefährlich. Ihr Name ist Alfreda Frances Bikowsky, die Frau, welche die Misshandlung von Terrorverdächtigen anordnete.

Waterboarding, bei dem die Betroffenen das Gefühl haben zu ertrinken. Hier dargestellt in einem Film von Amnesty International. (9. Mai 2008) Bild: Amnesty International UK/Keystone

Waterboarding, bei dem die Betroffenen das Gefühl haben zu ertrinken. Hier dargestellt in einem Film von Amnesty International. (9. Mai 2008) Bild: Amnesty International UK/Keystone

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Die Nachrichtenagentur Associated Press nannte sie «hart zupackend», verwendete auf Bitte ihres Arbeitgebers aber nur ihren Mittelnamen: Frances. Der TV-Sender NBC brandmarkte sie als «Apologetin der Folter». Und das Magazin «The New Yorker» stellte sie als «nicht identifizierte Königin der Folter» vor. Auf Drängen der CIA geisterte sie namenlos durch den Folter­report, den der Geheimdienstausschuss des US-Senats unlängst veröffentlicht hat. Sie zu outen, sei zu gefährlich, hatte die CIA behauptet.

Ihr Name ist Alfreda Frances Bikowsky. Da und dort tauchte er bereits auf. Er steht für einige der schlimmsten Gewalttätigkeiten der CIA seit 9/11. Statt dafür bestraft zu werden, kletterte Bikowsky die Karriereleiter im US-Geheimdienst nach oben. Derzeit leitet sie die Abteilung Globaler Jihad, im Rang vergleichbar einem General der US-Streitkräfte. Die wenigen Fotos von ihr sind sehr unscharf – und zeigen eine gelockte Frau mittleren Alters.

Bemerkenswert an Bikowskys Laufbahn ist nicht nur, dass sie nie zur Rechenschaft gezogen wurde. Bemerkenswert ist auch, in welchem Umfang sie seit 2001 das amerikanische Ansehen beschmutzt und schwerste Fehler begangen hat, ohne dafür belangt zu werden. Alfreda Frances Bikowsky wusste als Al-Qaida-Expertin der CIA etwa, dass zwei der späteren Attentäter vom 11. September – Khalid al-Midhar und Nawaf al-Hazmi – in die USA eingereist waren. Doch der für die Terrorabwehr zuständigen Bundespolizei FBI teilte sie dies nicht mit.

Gelegentlich selber dabei

Nach den Terroranschlägen befürwortete Alfreda Frances Bikowsky die Anwendung von Foltermethoden, gelegentlich beaufsichtigte sie die Grausamkeiten auch selbst, etwa im Fall von Khalid Sheik Mohammed, dem mutmasslichen Mastermind der Anschläge. Sie war zugegen, als er wieder und wieder simuliertem Ertrinken unterzogen wurde.

Nachdem ein anderer CIA-Häftling behauptet hatte, al-Qaida habe muslimische Afroamerikaner für Terroranschläge in den USA angeworben, ordnete sie weitere Folterungen für Khalid Sheik Mohammed an. Prompt bestätigte er das Märchen – und schickte die CIA auf eine erfolglose Jagd nach Verdächtigen im Bundesstaat Montana. Bikowsky hatte auch eine Hand im Spiel, als der deutsche Staatsbürger Khalid el-Masri 2003 aufgrund einer Verwechslung von der CIA in Mazedonien entführt und in Afghanistan gefoltert wurde, obwohl er völlig unschuldig war.

Vor dem Kongress ausgesagt

Sie hatte diverse Pleiten zu verantworten, doch ihren Aufstieg in der CIA bremsten diese nicht. 2007 erschien Bikowsky sogar an der Seite des damaligen CIA-Direktors Michael Hayden vor einem Kongressausschuss und verteidigte die Foltermethoden: Sie hätten zu wertvollen Informationen geführt. Der kürzlich veröffentlichte Senatsreport kommt zu einem ganz anderen Schluss. In keinem einzigen Fall habe die Folter zu verwertbaren Informationen geführt, heisst es in dem Bericht.

Alfreda Frances Bikowsky braucht dies nicht zu stören: Die CIA deckt sie. Ein ungenannter ehemaliger Geheimdienst-Mitarbeiter sagte dem Fernsehsender NBC zwar, dass sie «vor Gericht gestellt werden» sollte. Aber stattdessen wird sie nach ihrem Abschied vermutlich eine hohe Rente vom Geheimdienst erhalten.

Erstellt: 30.12.2014, 06:17 Uhr

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