Die schrillen Frauen der Tea Party verhinderten den ganz grossen Sieg

Die Republikaner haben zwar einen Erdrutschsieg eingefahren – auch dank der erzkonservativen Tea Party. Doch deren auffälligste Frauen sind gescheitert und haben den ganz grossen Triumph verhindert.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Demokraten haben das Abgeordnetenhaus verloren, doch der Senat wird, wenn auch knapp, weiter in ihren Händen bleiben. Mit der Nomination von Tea-Party-Kandidaten in Delaware oder Nevada haben sich die Republikaner offensichtlich selbst ein Bein gestellt.

So wurde im US-Bundesstaat Delaware die Tea-Party-Kandidatin Christine O’Donnell dem moderaten Republikaner Mike Castle als Kandidatin für den US-Senatssitz vorgezogen. O'Donnell nahm sich während des Wahlkampfs mit radikalen Ansichten zur Sexualaufklärung und Hexerei-Geschichten aus Highschool-Zeiten selbst aus dem Rennen und verlor schliesslich haushoch gegen den demokratischen Kandidaten Chris Coons. Damit bleibt der ehemalige Senatssitz von US-Vizepräsident Joe Biden in demokratischer Hand.

Ähnlich verlief es im US-Bundesstaat Nevada, wo der demokratische Mehrheitsführer des Senats Harry Reid nach einem vergifteten Wahlkampf gegen die republikanische Tea-Party-Kandidatin Sharron Angle einen knapp Sieg davontrug. Angle schlug in ihrem Wahlkampf vor, kurzehand das Bildungsministerium abzuschaffen. Hätte Reid gegen die die moderate Republikanerin Sue Lowden antreten müssen, wäre ihm die Niederlage wohl gewiss gewesen.

Knappes Rennen in Alaska und Colorado

Damit nicht genug. Im Wahlkampf um den Senatssitz von Alaska könnte der Demokrat Scott McAdams womöglich zum lachenden Dritte werden, nachdem sich bei den Republikanern sowohl der Tea-Party-Kandidat Joe Miller und die amtierende republikanische Senatorin Lisa Murkowski für die Wahl aufstellen liessen. Auch in Colorado könnte der amtierende demokratische Senator Michael Bennet in einem äusserst knappen Rennen Tea-Party-Kandidat Ken Buck doch noch schlagen.

Natürlich gab es auch mit Mike Lee in Utah, Rand Paul in Kentucky und Marco Rubio in Florida Tea-Party-Kandidaten, die den Einzug in den US-Senat geschafft haben. Doch diese Sitze waren bereits in republikanischer Hand und laut Experten kaum umstritten.

Eine Lektion für 2012

Es stellt sich dabei die Frage, wie ein Rennen ohne Tea-Party-Kandidaten ausgegangen wäre. Im Abgeordnetenhaus haben sie massgeblich zum Erdrutschsieg beigetragen, doch im Senat haben sie den Republikanern mit ihren extremen Ansichten die Mehrheit gekostet.

Mitch McConnell, der republikanische Fraktionschef im Senat, hat die Rückeroberung der Präsidentschaft in zwei Jahren zum obersten Ziel seiner Partei erklärt. Mit Tea-Party-Kandidaten konnte in der Senatskammer, die per Majorzwahl bestimmt wird, keine Mehrheit geschaffen werden. Im Hinblick auf die Präsidentschaftswahl 2012 mag dies eine Lektion für die Republikaner gewesen sein.

Erstellt: 03.11.2010, 14:21 Uhr

Artikel zum Thema

«Es wird schrecklich werden»

Der deutliche Sieg der Republikaner und der erstmalige Einzug der Tea Party in den Senat wecken bei gemässigten Personen Albträume. Mehr...

Grösste Überraschung der Wahlen: Demokrat folgt auf Schwarzenegger

Live-Ticker Der Live-Ticker zu den US-Wahlen: Arnold Schwarzenegger tritt als Gouverneur von Kalifornien ab. Sein Nachfolger ist äusserlich das pure Gegenteil des Ex-Schauspielers. Mehr...

Erdrutschsieg für die Republikaner – Tea Party neu im Senat

Bei den US-Kongresswahlen eroberten die Republikaner im Repräsentantenhaus mehr als 50 zusätzliche Sitze und damit die klare Mehrheit. Im Senat behalten die Demokraten knapp die Oberhand. Mehr...

Newsletter

Der ideale Start in den Tag

Sonntags bis freitags ab 7 Uhr die besten Beiträge aus der Redaktion.
Newsletter «Der Morgen» jetzt abonnieren.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Monsunregen: Nach heftigen Regenfällen müssen die Menschen im Kurigram-Distrikt in Bangladesh auf Booten ausharren, lediglich die Hausdächer ragen aus dem Hochwasser. (17. Juli 2019)
(Bild: Zakir Hossain Chowdhury/Barcroft Media/Getty) Mehr...