Die stumme Sprecherin

Donald Trumps Pressechefin Hope Hicks überlässt anderen das Reden.

US-Medien ärgern sich über ihre «No comment»-Strategie: Hope Hicks (27) kann vor allem nett lächeln. Foto: Jason Szenes (Keystone)

US-Medien ärgern sich über ihre «No comment»-Strategie: Hope Hicks (27) kann vor allem nett lächeln. Foto: Jason Szenes (Keystone)

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«Ich säge nüt.» So lautete der einzige Satz, den der Schweizer Komiker René Quellet in der 80er-Kindershow «Franz und René» sagte. Dem gleichen Motto folgt Hope Hicks, die 27-jährige Sprecherin von Donald Trump, der am Donnerstag voraussichtlich definitiv Präsidentschaftskandidat der Republikaner wird.

Hicks’ Schweigen nimmt teils absurde Züge an. So weigerte sie sich, für ein Porträt mit dem Magazin «GQ» zu reden. Stattdessen durfte die Reporterin Donald Trump über seine Presse­chefin ausfragen. Hicks sass daneben. Und sagte nichts.

Trump lobt Hicks als «Naturtalent»

US-Medien ärgern sich über diese «No comment»-Strategie. Die «New York Times» kürte Hicks zur «unqualifiziertesten Pressechefin der jüngeren Wahlkampfgeschichte». Die Abneigung liegt auch daran, dass Hicks Journalisten, die Trump nicht passen, von Veranstaltungen fernhält und ihre Interviewanfragen abwimmelt. Feministinnen werfen ihr vor, Trumps Macho-Frauenbild zu verkörpern – indem sie den Mann für sich sprechen lasse. Und dazu nett lächle. Trump dagegen vertraut Hicks. Einen Grossteil des Wahlkampfteams hat er ausgewechselt, Hicks ist geblieben. Trump lobt sie als «Naturtalent», sie sei «grossartig, schnell». Sie weicht kaum von seiner Seite, hilft ihm beim Twittern und entschärft seine verheerendsten verbalen Sprengsätze.

Ins Umfeld von Trump ist Hicks über ihren ­ersten Job bei einer PR-Agentur geraten. Zu deren Kundinnen gehörte Trumps Tochter Ivanka. Ihr half Hicks, eine Modelinie aufzubauen. 2014 wechselte sie ganz zu Ivanka. Im Januar 2015 wurde sie von Vater Donald ins Büro bestellt, wo er ihr den Job als Pressechefin für seine Präsidentschaftskampagne anbot. Damals fehlte ihr jegliche politische Erfahrung. «Es ist das Jahr der Aussenseiter, ich brauche Leute mit einem Blick von aussen», soll Trump gesagt haben.

Hicks nahm an. Ihr erstes Werk war die Feier, an der Trump seine Kandidatur verkündete. Hicks mietete Statisten, die Trump-T-Shirts trugen und jubelten. Trump reagierte begeistert: «Es sah aus, wie bei einer Oscarverleihung.»

Eine Rolle neben Alec Baldwin

Schon als Kind hatte Hicks gelernt, mit Publikum umzugehen. Früh begann sie zu modeln und zu schauspielern. Ihr grösster Erfolg war ein Auftritt neben Alec Baldwin. Als die Hollywoodkarriere stockte, ergatterte sie dank guter Beziehungen den Job in dem PR-Büro.

Ihr Privatleben hält Hicks bedeckt. Ihre Facebook-Seite hat sie gelöscht. Als Teenager habe sie lieber Sport getrieben als Alkohol getrunken, heisst es. Kürzlich soll sie Trumps Wahlkampfmanager angeschrien haben. Hicks schweigt dazu, so wie sie zu Prognosen schweigt, dass sie ihre Karriere zerstöre, wenn sie sich so eng an Donald Trump binde.

Sie hat wohl andere Pläne. Die Frage, ob er Hicks ins Weisse Haus mitnehmen würde, bejahte Trump: «Und ich denke, sie will mitkommen.»

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 18.07.2016, 16:48 Uhr

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