«Donalds Worte sind beleidigend für mich»

Trump erhält aus den eigenen Reihen wenig Rückendeckung für seine vulgären Äusserungen. Doch seine Ehefrau hat seine Entschuldigung akzeptiert.

Sie hat ihm vergeben: Melania und Donald Trump am Parteitag der Republikaner. (18. Juli 2016).

Sie hat ihm vergeben: Melania und Donald Trump am Parteitag der Republikaner. (18. Juli 2016). Bild: Evan Vucci/Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Melania Trump hat sexistische Äusserungen ihres Mannes Donald über Frauen als «inakzeptabel und beleidigend für mich» bezeichnet. Die öffentliche Entschuldigung des republikanischen Präsidentschaftskandidaten für den 2005 gemachten Mitschnitt habe sie gleichwohl angenommen, teilte sie am Samstag in einer seltenen öffentlichen Stellungnahme mit.

Melania Trump war mit dem Milliardär frisch verheiratet, als dieser sich im Gespräch mit einem Moderator damit brüstete, als Star und reicher Mann könne er jede Frau haben. Sie sagte, das repräsentiere nicht den Mann, den sie kenne. Sie hoffe, dass die Amerikaner seine Entschuldigung annähmen, «so wie ich, und sich auf die wichtigen Dinge konzentrieren, mit der unsere Nation und die Welt konfrontiert sind».

«Ich billige seine Äusserungen nicht»

Nach Veröffentlichung der Aufnahme am Freitag waren zahlreiche ranghohe Republikaner von Trump abgerückt, darunter Senatoren, Abgeordnete des Repräsentantenhauses und ehemalige Gouverneure.

Auch der republikanische Vizepräsidentschaftskandidat Mike Pence hat mit Empörung auf die vulgären Äusserungen von Donald Trump reagiert. «Als Ehemann und Vater war ich empört über die Worte und von Donald Trump beschriebenen Handlungen», erklärte Pence am Samstag.

«Ich billige seine Äusserungen nicht und kann sie nicht verteidigen», sagte Trumps Vizepräsidentschaftskandidat. Das TV-Duell mit der demokratischen Kandidatin Hillary Clinton am Sonntagabend sei eine Gelegenheit «zu zeigen, wie es in seinem Herzen aussieht», erklärte Pence.

Wahlkampfveranstaltung abgesagt

Pence sagte nach Angaben aus Parteikreisen eine am Samstag in Wisconsin geplante Wahlkampfveranstaltung mit dem Vorsitzenden des Repräsentantenhauses, Paul Ryan, ab. Auch Trump hatte nach der Empörung über seine sexistischen Äusserungen abgesagt.

Der erzkonservative Gouverneur des Bundesstaats Indiana ist ein evangelikaler Christ, der beispielsweise gegen die Homo-Ehe und das Recht auf Abtreibung eintritt.

McCain wählt nicht Trump

Der frühere republikanische US-Präsidentschaftskandidat John McCain hat Donald Trump die Unterstützung entzogen. Er werde bei der Wahl am 8. November nicht für ihn stimmen, teilte der Senator am Samstagabend mit.

Trumps jüngstes Verhalten und seine verächtlichen Aussagen über Frauen machten es ihm unmöglich, den Kandidaten weiter zu unterstützen. McCain war selbst schon von Trump beleidigt worden, was ihn aber zunächst nicht davon abhielt, ihm seine Unterstützung zuzusagen.

McCain erklärte, er wolle bei der Präsidentschaftswahl den Namen eines Republikaners auf den Stimmzettel schreiben, der für das Amt qualifiziert sei. Der Senator aus Arizona hatte 2008 gegen Barack Obama verloren.

Auch der einflussreiche Abgeordnete Jason Chaffetz aus Utah macht nun einen Rückzieher. Andere wie Senatorin Lisa Murkowski (Alaska) hatten Trumps nach seiner Nominierung zwar zögerlich unterstützt, aber nicht explizit zu seiner Wahl aufgerufen – nun positionieren sie sich explizit gegen ihn. Murkowski gehört zu den mehr als 20 prominenten Republikanern, die Trump auffordern zurückzutreten.

Auch Tic Tac geht auf Distanz

Nach der Veröffentlichung des Videos hat sich auch die Firma Tic Tac von dem US-Präsidentschaftskandidaten distanziert. In der Aufzeichnung aus dem Jahr 2005 sagt der Immobilienmogul am Ende einer Busfahrt, er werde einige Tic Tacs lutschen, da er vielleicht eine draussen wartende Frau küssen wolle. Danach ist aus dem Innern des Busses das typische Geräusch der Dose mit den Dragées zu hören. Die US-Niederlassung der Firma erklärte am Samstag dazu im Internetdienst Twitter: «Tic Tac respektiert alle Frauen. Wir finden die kürzlichen Statements und das Verhalten völlig inakzeptabel.»

Trump, der damals noch kein Politiker war, befand sich auf dem Weg zum Drehort der Seifenoper «Zeit der Sehnsucht», wo er einen Auftritt als Gaststar haben sollte. Bei seiner Ankunft sehen er und seine Begleiter vom Bus aus laut einem Bericht der Zeitung «Washington Post», die das Video veröffentlichte, offensichtlich die auf sie wartende Schauspielerin Arianne Zucker. «Whoa! Whoa» ruft Trump begeistert aus. Anschliessend greift er zu der Dose mit den Dragées, die für frischen Atem sorgen sollen.

Er brauche die Tic Tacs «für den Fall, dass ich anfange, sie zu küssen», sagt der Immobilienmogul.

Schwarzenegger und Rice gegen Trump

Die Senatorin Kelly Ayotte und weitere Abgeordnete hatten sich ebenfalls geäussert. Andere Republikaner wie die frühere US-Aussenministerin Condoleezza Rice gingen noch einen Schritt weiter und forderten gar Trumps Rückzug.

«Null Chancen, dass ich aufgebe»

Trump hatte zuvor erklärt, er sehe trotz der Empörung über seine frauenverachtenden Sprüche aus dem Jahr 2005 keinerlei Veranlassung, sich aus dem Rennen um die US-Präsidentschaft zu verabschieden. Es gebe «null Chancen, dass ich aufgebe», sagte Trump dem «Wall Street Journal» zu Forderungen von Parteikollegen, seine Kandidatur zu beenden. «Ich werde niemals aufgeben.»

Die «Washington Post» hatte am Freitag ein Video aus dem Jahr 2005 veröffentlicht, in dem Trump sich abfällig über Frauen äussert. «Wenn Du ein Star bist, dann lassen sie Dich ran», prahlte Trump im Gespräch mit einem Fernsehmoderator, das ohne sein Wissen im September 2005 aufgezeichnet wurde. «Pack sie an der Muschi», fügte der damals 59-Jährige hinzu. «Du kannst alles machen.»

Die Äusserungen lösten auch in seiner eigenen Partei eine Welle der Empörung aus. Zunächst versuchte Trump, seine Äusserungen zu relativieren: «Das waren Umkleidekabinen-Witze, ein privates Gespräch, das vor vielen Jahren stattfand.»

In der Nacht zu Samstag bemühte er sich schliesslich mit einer Entschuldigung um Schadensbegrenzung: «Ich habe Dinge gesagt und getan, die ich bedauere.» (chk/AFP/sda)

Erstellt: 08.10.2016, 20:56 Uhr

Artikel zum Thema

Trump prahlte mit sexueller Belästigung

Video «Ich fange einfach an, sie zu küssen...ich warte nicht einmal»: Ein Video stellt Trumps bisherige frauenfeindliche Äusserungen in den Schatten. Es könnte ihn den Wahlsieg kosten. Mehr...

Trump: «Habe törichte Dinge gesagt»

Video Donald Trump versucht seine vulgären Äusserungen über Frauen zu entschuldigen. Das aufgetauchte Video aus dem Jahr 2005 schockiert zwei Tage vor der nächsten TV-Debatte die USA. Mehr...

Trumps Vize veröffentlicht Steuererklärung

Während US-Präsidentschaftskandidat Trump aus seinem Einkommen ein Geheimnis macht, hat nun Vize-Kandidat Mike Pence seine Steuererklärung präsentiert. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Paid Post

Es gibt Besseres als Escorts

Echte Erotik und richtigen Sex, bei dem beide Lust aufeinander haben, findet man nicht bei Escorts. Aber dafür beim Casual-Dating im Internet.

Blogs

Never Mind the Markets Wie man ein Land ruiniert

Mamablog Gelassen bleiben – aber wie?

Weiterbildung

Lohncheck in Pflegeberufen

Qualifiziertes Pflegepersonal ist rar. Eine Pflegeinitiative setzt sich darum für höhere Löhne ein.

Die Welt in Bildern

Schall und Rauch: Kiffer versammeln sich vor dem kanadischen Parlamentshaus in Ottawa, um bei der jährlichen sogenannten «4/20»-Demonstration teilzunehmen. Das Land hat den Cannabiskonsum legalisiert. (20. April 2018)
(Bild: Chris Wattie ) Mehr...