Ein Hoch auf die Ausserirdischen

An der Ostküste der USA sind UFOs gesichtet worden. Gut so.

«Die Dinger waren den ganzen Tag da oben», sagte Ryan Graves, Pilot einer F/A-18 Super Hornet. Foto: iStock (Symbolbild)

«Die Dinger waren den ganzen Tag da oben», sagte Ryan Graves, Pilot einer F/A-18 Super Hornet. Foto: iStock (Symbolbild)

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Bevor Sie das Gesicht verziehen und weiterklicken: Wir sprechen von der «New York Times» und den US-Marines, nicht von einem UFO-Gläubigen aus dem Zürcher Oberland. Diese Woche hat das amerikanische Weltblatt berichtet, mehrere Piloten der Marines hätten zwischen 2014 und 2015 über der Ostküste der USA fast täglich unbekannte Flugobjekte gesichtet. Mal seien sie in einer Höhe von 9000 Metern geflogen, dann wieder knapp über der Wasseroberfläche. Sie hatten angeblich kein sichtbares Triebwerk, und die Infrarotkameras der Flugzeuge hätten sie zwar erfasst, aber ohne Abgasemissionen zu registrieren. Sie seien mit Überschallgeschwindigkeit geflogen, hätten binnen Sekunden in der Luft gestoppt und dann wieder auf Überschallgeschwindigkeit beschleunigt.

«Die Dinger waren den ganzen Tag da oben», sagte Ryan Graves, Pilot einer F/A-18 Super Hornet. Er rapportierte seine Beobachtungen dem Pentagon und dem Kongress. Ein anderer Militärpilot meldete, er sei fast mit einem der Flugobjekte zusammengestossen. Mehrere Sichtungen sind auf Video festgehalten worden, einige Objekte habe man von blossem Auge sehen können. Dieses Jahr hat die US-Marine neue Richtlinien für die Rapporte erlassen, die Piloten nach solchen Ereignissen einreichen müssen.

Ein Video, das von Navy-Piloten gefilmt wurde. Video: New York Times via U.S. Department of Defense

Im Gespräch mit der «New York Times» behauptet keiner der betroffenen Piloten, es habe sich um ausser­irdische Flugobjekte gehandelt. Leon Golub vom Harvard-Smithsonian Center für Astrophysik sagt, weit plausibler als ausserirdische seien natürliche Erklärungen für das Phänomen: fehlerhafte Radarsysteme, atmosphärische Effekte, neurologische Täuschungsreflexe der Piloten.

Beide Interpretationsansätze gehen in Ordnung. Denn selbst wenn die Sichtungen natürliche Ursachen haben, schaffen sie in der entzauberten, materialistischen, von wissenschaft­lichem Rationalismus geprägten westlichen Welt einen vergleichsweise harmlosen Hauch von Mysterium, Übersinnlichkeit, ja religiöser Transzendenz. Besser, man geht als Sinn­suchender an einen UFO-Kongress, als dass man einer Sekte beitritt, deren Mitglieder ihren Kalorienbedarf durch Lichtnahrung decken. Ausserdem inspirieren die Phänomene eine ganze Armada von Sachbuch-, Roman- und Drehbuchautoren zu Werken, die zwar selten mehr und meistens weniger geglückt sind. Aber solange sie die Fantasie ihres Publikums anregen, ist nichts gegen sie einzuwenden.

Sie spielen lieber Verstecken

Und für den unwahrscheinlichen Fall, dass die Sichtungen der US-Piloten sowie frühere UFO-Phänomene tatsächlich auf Ausserirdische zurückzuführen sind, muss man sagen: Respekt vor ihnen. Denn das würde bedeuten, dass sie seit Jahrzehnten um unseren Planeten herumfliegen und sich immer wieder mal sehen, fotografieren und filmen lassen, aber nie so, dass man ihre Existenz zweifelsfrei belegen kann. Spielen lieber Verstecken, als mit uns zu kommunizieren oder gar die Weltherrschaft anzutreten. Das ist stilvoll, cool und weise. Ausserirdische würden fast zwangsläufig einer viel höher entwickelten Spezies angehören als unsereins, weil sie ungeheure Distanzen mit unfassbarer Geschwindigkeit überwinden müssen. Wer das schafft, könnte sich wahrscheinlich auch ins Oval Office des Weissen Hauses beamen, um dem dort am Schreibtisch sitzenden Erdling zu sagen: «Mach mal Platz da. Nein, es gibt keine Deals.» Dass sie darauf verzichten, ist lobenswert. Wobei, im Moment wäre es vielleicht nicht einmal so schlecht.

Erstellt: 31.05.2019, 21:38 Uhr

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