Ein Immobilien-Tycoon will ins Weisse Haus

Donald Trump möchte 2012 Präsidentschaftskandidat der Republikaner werden. Dafür muss er allerdings noch einige Hürden überwinden.

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Ihn als einen Hansdampf in allen Gassen zu bezeichnen, wäre eine grandiose Untertreibung. Denn Donald Trump ist nicht einfach umtriebig; er ist allgegenwärtig als Brand und Markenzeichen und publizitätssüchtiger Selbstverwerter. Er besitzt Immobilien, darunter Hotels und Kasinos; er vertreibt eine Bekleidungsmarke; er verkauft TrumpVitamine und Trump-Wasser, Trump-Schokolade und Trump-Tee. Zudem gebietet er über eine immens erfolgreiche Realityshow im amerikanischen TV.

Mickriger Kandidatenhaufen

Dennoch fehlt diesem Rastelli der Eigenvermarktung noch das gewisse Etwas, eine Krone, die ihn und seine Vita erst recht über den Rest der Menschheit erheben würde. Deshalb will Donald Trump amerikanischer Präsident werden – ja, so ernst ist ihm damit, dass er begonnen hat, das Land zu bereisen und Reden zu halten. «The Donald», wie er mit einer Mischung aus Achtung und Verachtung genannt wird, möchte republikanischer Präsidentschaftskandidat 2012 werden. Womöglich ist es ihm sogar ernst damit. Schliesslich ist das Feld der republikanischen Kandidaten eine Ansammlung umstrittener Figuren wie der Abgeordneten Michele Bachmann, unbekannten Impresarios aus der Provinz sowie rundum erneuerten Anti-Hipstern wie Mitt Romney. «Automaten» seien sie alle, höhnte Trumps Consigliere Michael Cohen, weshalb The Donald an die republikanische Front müsse.

Die republikanische Basis scheint munter mitzumachen: Bei Umfragen führt der Mann mit der güldenen Tolle den mickrigen Kandidatenhaufen tatsächlich an oder liegt zumindest gleichauf mit dem frommen Mike Huckabee aus Arkansas an der Spitze. Politisches Glück ist Trump hold: Die Republikanische Partei – eine explosive Mixtur aus Populisten und Tea Party, frommen Savonarolas und Überkapitalisten – ist ein fruchtbarer Acker für die Saat des Donald, der früher einmal Demokrat war, jetzt aber zetert, Obama sei Beelzebub und obendrein ein Usurpator, weil nicht in den USA geboren.Dass sich Trump dem verschwörerischen Zirkel jener angeschlossen hat, die allen Ernstes behaupten, der Präsident sei nicht in Hawaii zur Welt gekommen, sondern in Kenia, hat ihm viele republikanische Fans beschert. Immerhin hängt die Hälfte der Republikaner dieser Mär an, wenngleich dies dem Establishment der Partei extrem peinlich ist. Kaum hatte sich Eric Cantor, der republikanische Mehrheitsführer im Repräsentantenhaus, von Trump distanziert, holte dieser aus: Cantor habe einen Fehler begangen, da «Leute in der Republikanischen Partei dieses Thema besonders lieben».

Muskulöse Aussenpolitik

Weil er es den republikanischen Leuten recht machen will, hat sich Trump auf eine muskulöse Aussenpolitik versteift: Südkorea soll gefälligst für den US-Schutz vor Nordkorea bezahlen, China hohe Strafzölle für Handelsvergehen bezahlen, und «nach Libyen wäre ich entweder gegangen, um das Öl zu nehmen, oder ich wäre nicht dorthin gegangen». Den armen Japanern wiederum würde er nach Beben und Tsunami helfen, obwohl «die uns 30 Jahre über den Tisch gezogen haben».

Die trumpsche Begehung des Erdkreises verblasst freilich neben seiner sonstigen Politik, die penibel darauf ausgerichtet ist, dem amerikanischen Niedergang zu wehren. «Ich mache dieses Land wieder zu einer grossen Nation; dieses Land ist keine grosse Nation; der Rest der Welt lacht uns aus», befindet Trump und verspricht Abhilfe: neue Arbeitsplätze zuhauf, weg mit dem Schuldenberg, jedem seine Knarre, Abtreibungsfreiheit bye-bye.

Bisher keine Hände geschüttelt

Zuvor muss The Donald allerdings bei den republikanischen Vorwahlen bestehen, was endloses Händeschütteln und Babydrücken sowie den Verzehr saumässiger Hausmannskost bedeutete – ein Horror für Donald Trump, der sich aus Angst vor Ansteckung weigert, Leuten die Hand zu schütteln. Ausserdem müsste Trump laut US-Wahlgesetzen endlich offenlegen, wie viel Geld er wirklich auf der Bank hat. Aber das wischt er vom Tisch: «Ich würde mich darauf freuen, meine Finanzen zu zeigen; sie sind riesig», sagt er. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 20.04.2011, 22:00 Uhr

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