Porträt

Ein Texaner mischt Washington auf

Senator Ted Cruz brachte den designierten Pentagon-Chef Chuck Hagel mit Nordkorea in Verbindung. Seine politischen Gegner vergleichen das Enfant terrible mit Kommunistenjäger Joe McCarthy. Ein Porträt.

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Gerade mal zwei Monate gehört er dem erlauchten Washingtoner Senat an, doch sorgte Ted Cruz bereits für eine Serie politischer Explosionen. In einer Kammer, die auf Anstand und Schicklichkeit hält und neue Mitglieder auf die hinteren Ränge verweist, ist der Republikaner Cruz (42) in Rekordzeit zum Enfant terrible geworden. Der erzkonservative Tea-Party-Mann aus Texas schwimmt gegen den Strom, er drängt laut nach vorne – und schafft sich auch in der eigenen Partei Feinde. Besonders seit Cruz donnernde Breitseiten auf Ex-Senator Chuck Hagel abfeuerte, der von Präsident Obama zum neuen US-Verteidigungsminister nominiert wurde und vom Senat bestätigt werden muss.

Parteifreunden wurde es zu bunt

Mithilfe eines parlamentarischen Manövers der Senatsrepublikaner wurde Hagels Nominierung vergangene Woche erst mal auf Eis gelegt; ein Votum wird nun Ende Februar erwartet. An vorderster Front beim Kesseltreiben gegen Hagel agierte Cruz. Vergangenen Dienstag keilte der Texaner bei Hagels Auftritt vor dem Streitkräfteausschuss derart gegen den Obama-Mann, dass es sogar Parteifreunden wie Senator John McCain (Arizona) und Senator Lindsey Graham (South Carolina) zu bunt wurde. Erst behauptete Cruz, das iranische Regime habe wohlwollend auf die Nominierung Hagels reagiert, weil dieser bekanntlich kein Freund eines militärischen Vorgehens gegen Teheran ist. Dann insinuierte der Texaner sogar, Hagel habe womöglich 200'000 Dollar vom Erzfeind Nordkorea bekommen.

Während Kollege McCain daraufhin befand, Cruz habe die Grenzen des guten Geschmacks überschritten, witterten demokratische Senatoren noch Schlimmeres: Wie einst der paranoide antikommunistische Hexenjäger Joe McCarthy setze Ted Cruz Gerüchte und Erfindungen in Umlauf. «Wir machten schreckliche Erfahrungen mit Unterstellungen, als Joe McCarthy im Senat war», bemerkte spitz die demokratische Senatorin Claire McCaskill.

Extrem konservativ, extrem arrogant

Cruz kümmert es nicht: Der in Kanada als Sohn eines kubanischen Flüchtlings geborene Anwalt galt schon an der Harvard-Universität, wo er Recht studierte, als extrem konservativ – und extrem arrogant. Seit er nach gewonnener Wahl im Januar in Washington einzog, macht sich Cruz einen Namen als jemand, der vor allem ablehnt. Seinem Parteifreund Lindsey Graham ist nicht ganz geheuer dabei: «Man respektiert dich, wenn du einen guten Schlag landen kannst; aber du musst auch beweisen, dass du Deals machen kannst», sagt Graham.

Davon aber will Ted Cruz nichts wissen; den Wählern in Texas habe er versprochen, «am Status quo in Washington zu rütteln». Als einer von 34 Senatoren in der hundertköpfigen Kammer stimmte Cruz gegen die Anhebung der US-Verschuldungsgrenze. Und als einer von 19 Senatoren lehnte er ein Gesetz über Gewalt gegen Frauen ab. Zudem war Cruz einer von drei Senatoren, die gegen die Bestätigung von Ex-Senator John Kerry zum neuen Aussenminister stimmten. Kerry und Hagel seien «nicht gerade die grössten Fans des US-Militärs», begründete der Texaner sein Votum.

«Wir rufen nach Verstärkung»

Während Hagel und Kerry als Freiwillige in Vietnam kämpften und höchste Auszeichnungen erhielten, diente Cruz nie. Was ihn freilich nicht abhielt, Hagels Patriotismus zu hinterfragen und dem ehemaligen republikanischen Senator aus Nebraska vorzuwerfen, er biedere sich bei den Feinden der USA an.

Der rechte Flügel der Republikanischen Partei verfolgt Cruz' Auftritte in Washington mit wachsender Begeisterung. «Wir ziehen den Hut vor Ihnen, Senator Cruz – und rufen nach Verstärkung», jubelte die einflussreiche konservative Website Redstate.com. Kolumnist Frank Bruni war in der liberalen «New York Times» hingegen weniger beeindruckt: Cruz sei «ein Musterbeispiel für das, was die Republikanische Partei plagt». (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 18.02.2013, 12:09 Uhr

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