Analyse

Ein Twitter-Konto versetzt Washington in Aufregung

«Ehemalige Senatorin, Hundebesitzerin und Hosenanzug-Aficionado»: Hillary Clinton ist seit Montag auf Twitter. Ein Anzeichen, dass sich die Ex-Aussenministerin 2016 um die US-Präsidentschaft bewerben wird?

Liegt in Beliebtheitsumfragen zurzeit vor ihren Konkurrenten: Die ehemalige US-Aussenministerin Hillary Clinton.

Liegt in Beliebtheitsumfragen zurzeit vor ihren Konkurrenten: Die ehemalige US-Aussenministerin Hillary Clinton. Bild: AP

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Wird sie? Oder wird sie nicht? In der verrückten Welt amerikanischer Präsidentschaftsambitionen, die sich von neuem zu drehen beginnt, kaum dass eine Präsidentschaftswahl vorbei ist, wird über nichts und niemanden mehr spekuliert als über Hillary Clinton. 2008 scheiterte sie bei den demokratischen Vorwahlen an Barack Obamas taktischem Geschick sowie dem Wunsch vieler Demokraten nach einem politischen Neuanfang ohne die Clintons.

2016 aber, wenn sich Barack Obama auf das politische Altenteil zurückzieht, möchte Hillary Clinton es womöglich noch einmal wissen. Sie hält sich bis auf weiteres bedeckt, doch mehren sich die Anzeichen, dass Hillary neuerlich eine Kandidatur erwägt, um samt Bill wieder dort einzuziehen, wo sie im Januar 2001 ausgezogen war. Am Montag begann sie jedenfalls zu tweeten, was von Freund wie Feind in Washington umgehend als Indiz für ihr Interesse am höchsten Amt im Staate gewertet wurde.

«Hosenanzug-Aficionado»

Der Twitter-Gemeinde stellte sie sich vor als «Ehefrau, Mutter, Rechtsanwältin, Fürsprecherin für Frauen und Kinder» sowie als «ehemalige Senatorin, Aussenministerin, Hundebesitzerin, Haar-Ikone und Hosenanzug-Aficionado». Alles Weitere, schreibt sie, sei «noch offen» – eine geheimnisvolle Formulierung, welche die politische Klasse in der US-Hauptstadt umgehend in einen Erregungszustand versetzte: Sie wird antreten, yes, Sir, antreten wird sie!

Die demokratische Hoffnungsträgerin musste indes ebenfalls am Montag zur Kenntnis nehmen, dass ihre Beliebtheit etwas abgenommen hat: Eine Gallup-Erhebung sprach ihr einen Beliebtheitswert von 58 Prozent zu, sechs Punkte weniger als bei der letzten Umfrage und vielleicht eine Folge des von den Kongressrepublikanern beharrlich geschürten Aufruhrs um die Ermordung von US-Botschafter Stevens im libyschen Benghazi im September 2012, als Hillary noch Aussenministerin war.

Mehr Follower als Konkurrenten

Anlass zur Sorge besteht gleichwohl nicht: Nur Stunden nach ihrem Twitter-Debüt verzeichnete die Ex-Diplomatin bereits mehr Follower als ihre beiden derzeit schärfsten Konkurrenten um die demokratische Präsidentschaftsnominierung: Andrew Cuomo, der Gouverneur des Staats New York, sowie Marylands Gouverneur Martin O'Malley. Zumal Hillary laut diversen Umfragen klar vor ihrem potenziellen republikanischen Konkurrenten Jeb Bush liegt, dem einstigen Gouverneur Floridas und Bruder von Ex-Präsident George W. Bush.

Zum einen beweist die Aufregung um die twitternde Hillary die amerikanische Obsession mit dem Amt des Präsidenten. Und ausserdem signalisiert sie, dass hinter den Kulissen der Kampf um das Weisse Haus nach dem Ende der Ära Obama beginnt: Die besten Consultants werden angefragt, mögliche Geldgeber angebohrt, Social Media in Stellung gebracht, politische Positionierungen vollzogen.

Und natürlich könnte Hillary Clinton Geschichte machen: Nach dem ersten afroamerikanischen Präsidenten der Nation wäre sie im Falle eines Sieges im November 2016 die erste Frau im Weissen Haus. Die Warnung von Gründervater und Ex-Präsident John Adams, dass niemand einem Freund zur Präsidentschaft gratulieren solle, da das Amt insgesamt höllisch sei, dürfte die Ex-Senatorin in den Wind schlagen. Zu verlockend ist die Präsidentschaft, wenngleich der Weg dorthin entbehrungsreich und ungewiss ist. Als Verliererin von 2008 weiss Hillary Clinton davon ein Lied zu singen.

Erstellt: 12.06.2013, 07:36 Uhr

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