Eine «starke und entschlossene» Führungspersönlichkeit

Osama Bin Ladens Tod verändert in den USA die öffentliche Meinung: Die Umfragewerte des zuvor ungeliebten Barack Obama schnellen nach oben. Und die CIA sucht einen neuen Staatsfeind Nummer eins.

93 Prozent der US-Amerikaner sind mit seinem Einsatz gegen Bin Laden zufrieden: Barack Obama nach einem Auftritt am 20. April in San Francisco.

93 Prozent der US-Amerikaner sind mit seinem Einsatz gegen Bin Laden zufrieden: Barack Obama nach einem Auftritt am 20. April in San Francisco. Bild: Keystone

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Al-Qaida-Chef Osama Bin Laden war entgegen ersten Angaben der US-Regierung doch nicht bewaffnet, als er von einer US-Spezialeinheit in Pakistan getötet wurde. Bin Laden habe keine Waffe bei sich gehabt, erklärte der Pressesprecher des Weissen Hauses, Jay Carney, am Dienstag. Um Widerstand zu leisten, brauche man aber keine Schusswaffe. Die neuen Angaben zum Hergang des Einsatzes dürften aber Zweifel wecken, ob die USA je vorhatten, Bin Laden lebend zu fassen.

Die Tötung des Al-Qaida-Chefs hat aber die Umfragewerte von US-Präsident Barack Obama steigen lassen. Dies geht aus gestern veröffentlichten Erhebungen hervor. Zugleich machten sich die Befragten allerdings Sorgen wegen möglicher Racheakte. Mit dem Militäreinsatz in Pakistan sind laut einer Umfrage von «USA Today» und Gallup 93 Prozent der Befragten zufrieden. Eine Erhebung der «Washington Post» und des Pew Research Center ergab, dass die meisten erleichtert, stolz oder froh nach der Tötung Bin Ladens sind.

Obama betrachten laut einer Erhebung von CNN und des Opinion Research Center (ORC) inzwischen 58 Prozent als «starke und entschlossene» Führungspersönlichkeit. Das sind fünf Prozentpunkte mehr als noch im April.

Besorgt wegen möglicher Anschläge

Mehr als sechs von zehn Befragten zeigten sich in den Erhebungen zunehmend besorgt wegen möglicher Terroranschläge in den USA in den kommenden Wochen. Nur fünf Prozent erklärten, die Tötung Bin Ladens bedeute ein Ende der terroristischen Bedrohung der Vereinigten Staaten.

In der US-Regierung wird weiter diskutiert, ob und wenn ja, welche Fotos vom getöteten Bin Laden veröffentlicht werden sollen. Regierungssprecher Carney erklärte, das Bild sei «schauerlich» und könnte wie Zündstoff wirken. Aber CIA-Direktor Leon Panetta erklärte, er sei sich sicher, dass schliesslich doch ein Foto veröffentlicht werde. Die Entscheidung, ihn zu töten, sei in Bruchteilen von Sekunden gefallen, nachdem er drohende Bewegungen gemacht habe. Deshalb sei geschossen worden. Dazu seien die Soldaten auch ermächtigt worden, sagte Panetta.

Taliban zweifeln Tod von Bin Laden an

Bei dem Einsatz der Kommandoeinheit wurden fünf Menschen getötet: neben Bin Laden noch einer seiner Söhne, sein Kurier Abu Ahmed al-Kuwaiti und dessen Frau und Bruder. Durch al-Kuwaiti kam die CIA auch auf die Spur Bin Ladens.

Die Taliban äusserten am Dienstag Zweifel am Tod Bin Ladens. Die Nachricht vom Tod des Terroristenchefs «kommt bisher nur von einer Seite», sagte Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid. Die radikalislamische Organisation werde die Berichte erst dann glauben, wenn sie einen Beweis gesehen habe oder eine Bestätigung aus eigenen Quellen erhalte.

Neuer Staatsfeind Nummer 1

Der Nachfolger von Osama Bin Laden an der Spitze des Terrornetzwerks al-Qaida wird nach den Worten von CIA-Chef Leon Panetta auch der neue Staatsfeind Nummer eins der USA sein. «Ich kann Ihnen versichern, dass wer auch immer seinen Platz einnimmt, auf unserer Liste die Nummer eins sein wird», sagte Geheimdienstchef Panetta dem Fernsehsender CBS. Zu Bin Ladens bisherigem Stellvertreter Aiman al-Sawahiri, der als möglicher neuer Anführer der al-Qaida gilt, sagte er: «Er rückt in unserer Liste (der Staatsfeinde) sehr schnell nach oben.»

Die noch ungeklärte Nachfolge gebe den USA nun aber noch Zeit, das Terrornetzwerk «im Durcheinander und in der Debatte» um seine neue Führung weiter anzugreifen. (mrs/dapd)

Erstellt: 04.05.2011, 06:24 Uhr

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