Es grünt in China

China schiebt in Klimafragen die Verantwortung gerne den USA zu. Das bringt das Land für viele in den Verdacht, ein Klimasünder zu sein. Dabei agiert die Volksrepublik erstaunlich fortschrittlich.

China ist der weltweit grösste Produzent von Windkraftanlagen: Ausstellung über Windparks in Beijing im Jahr 2009.

China ist der weltweit grösste Produzent von Windkraftanlagen: Ausstellung über Windparks in Beijing im Jahr 2009. Bild: Keystone

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«Was macht China?», heisst es bei der UN-Klimakonferenz im mexikanischen Cancún immer wieder. Schliesslich hat sich das aufstrebende Schwellenland zum grössten Emittenten von klimaschädlichem CO2 entwickelt. China pocht allerdings auf seinen Nachholbedarf gegenüber den etablierten Industriestaaten und will sich bei der Aufholjagd nicht durch unveränderliche Emissionsminderungszusagen bremsen lassen. Andererseits macht die Volksrepublik mit Milliardeninvestitionen in grüne Technologien deutlich, dass sie längst erkannt hat, dass diese ein Schlüssel für ihre wirtschaftliche Zukunft sind.

Bei dem erfolglosen UN-Klimagipfel in Kopenhagen Ende vergangenen Jahres war China mit den USA der einflussreichste Bremser im Ringen um ein Nachfolgeabkommen für das 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll. Auch die internationale Klimakonferenz Anfang Oktober im chinesischen Tianjin war geprägt von gegenseitigen Schuldzuweisungen Chinas und der USA. «Es ist nicht fair, andere zu kritisieren, wenn man selbst nicht genug unternimmt,» sagte Chinas Verhandlungsführer Su Wei an die Adresse der USA.

Hauptverantwortung sollen andere übernehmen

Peking beharrt darauf, dass die USA und die anderen Industriestaaten mit ihrem Treibhausgas-Ausstoss in den vergangenen Jahrzehnten die Hauptverantwortung für den Klimawandel tragen. Schwellenländer wie China oder auch Indien und Brasilien hätten hingegen ein Recht, durch eine wirtschaftliche Aufholjagd den Lebensstandard ihrer Bevölkerung zu verbessern.

Tatsächlich hat China nicht so einen hohen Pro-Kopf-Ausstoss an Kohlendioxid wie die etablierten Industrieländer. Da es mit gut 1,3 Milliarden Einwohnern aber das bevölkerungsreichste Land der Erde ist und seit einigen Jahren wirtschaftlich massiv aufholt, hat es sich insgesamt zum grössten CO2-Produzenten der Welt entwickelt. Der Lebensstandard der Chinesen steigt weiter und wenn sich ihr wachsender Energieverbrauch für Autos, technische Geräte und andere Wohlstandsgüter nicht verheerend auf das Weltklima auswirken soll, muss die Volksrepublik massiv gegensteuern.

Fester Prozentsatz nicht erwünscht

China wehrt sich aber dagegen, sich im Rahmen eines internationalen Klimaschutzabkommens auf die Verringerung seines CO2-Ausstosses zu einem festen, von seinem Wirtschaftswachstum unabhängigen Prozentsatz zu verpflichten. Stattdessen kündigte das Land vergangenes Jahr an, seinen Kohlendioxid-Ausstoss bis 2020 um 40 bis 45 Prozent pro Einheit seines Bruttoinlandsproduktes im Vergleich zu 2005 zu verringern. Das bedeutet, dass beim zu erwartenden anhaltenden Wachstum der chinesischen Wirtschaft auch der CO2 weiter steigt - wenn auch dank verstärkter Bemühungen, den Anteil an sauberen Energieträgern deutlich zu erhöhen, langsamer als bislang.

Dafür hat die Regierung in Peking schon einige wichtige Schritte eingeleitet. Vergangenes Jahr investierte die Volkrepublik 34,6 Milliarden Dollar (25,3 Milliarden Euro) in erneuerbare Energien. Das sind 30 Prozent der weltweiten Investitionen in diesem Bereich. Ausserdem stieg das Land 2009 zum weltweit grössten Produzenten von Windkraftanlagen auf, 2010 dürfte sein Windpark die Anlagen der bislang führenden Länder USA und Deutschland übertreffen. «Unsere Bemühungen waren enorm, und unsere Resultate sind es auch», sagte der chinesische Klima-Verhandlungsführer Xie Zhenhua Anfang Oktober.

Anerkennende Worte von Greenpeace

Anerkennung dafür erntet Peking auch von unabhängiger Seite. «Die Chinesen sind schon in den Startblöcken, während die USA noch ihren Trainingsanzug ausziehen», sagt der Klima-Beauftragte der US-Umweltorganisation NRDC, Jake Schmidt, zu Chinas Vorreiterrolle bei den erneuerbaren Energien. Auch Greenpeace ist der Ansicht, dass China gute Argumente dafür hat, bei der Klimakonferenz in Cancún mehr Anstrengungen von anderen Ländern zu fordern. «Die Chinesen haben bei sich viel getan, und das verleiht ihnen Gewicht», sagt die Klima-Beauftragte von Greenpeace China, Yang Ailun. Die Gipfelteilnehmer müssen nun einen Weg finden, mit dieser Situation umzugehen.

(mrs/AFP)

Erstellt: 05.12.2010, 23:07 Uhr

Zähe Verhandlungen in Cancun

mweltschützer fordern bei der UN-Klimakonferenz im mexikanischen Cancún deutliche Zugeständnisse der europäischen Staaten. Der Stillstand bei den Verhandlungen lasse sich nur überwinden, wenn auch die europäische Gemeinschaft weit höhere Ziele zusage als bisher, sagte der Vorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Hubert Weiger, am Sonntag. Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) müsse in Cancún vor allem die Bremser der EU ins Gebet nehmen. Der Leiter des UN-Umweltprogramms, Achim Steiner, dämpfte bereits die Erwartungen an einen Erfolg bei der Konferenz.

Bis zum kommenden Freitag verhandeln in Mexiko Vertreter aus 194 Staaten über konkrete Schritte im Kampf gegen den Klimawandel. Gerungen wird immer noch um ein Nachfolgeabkommen für das sogenannte Kyoto-Klimaprotokoll, das 1997 beschlossen wurde und dessen erste Verpflichtungsperiode Ende 2012 ausläuft. Nach der gescheiterten Klimakonferenz in Kopenhagen im vergangenen Jahr soll in Cancún nun die Grundlage für ein solches Abkommen gelegt werden. (dapd)

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