Messias im Slum

Während die Welt um das AKW in Japan bangt und ein Krieg in Libyen begonnen hat, bereist US-Präsident Barack Obama Brasilien und spielt dort Fussball.

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Bei einem Besuch in Brasilien hat US-Präsident Obama nicht nur die üblichen Touristenattraktionen besucht. Er besuchte auch einen verrufenen Slum in Rio de Janeiro, in dem die Polizei erst vor Kurzem die Oberhand über Drogenbanden erlangte.

Die Bewohner des Armenviertels füllten Bürgersteige, Balkone und Dächer als die schwarze Limousine der Präsidenten durch die Gassen rollte, das Auto im krassen Kontrast zum Armenhaus, der Cidade de Deus, oder Stadt Gottes, jenes Viertel, das durch den Oscar-nominierten Film «City of God» Bekanntheit erlangte.

In einem Gemeindezentrum entledigte sich Obama seiner Jacke und Krawatte, krempelte seine Ärmel hoch und spielte zusammen mit einem begeisterten Jungen Fussball. Auch seine Frau Michelle Obama und die Töchter Sasha und Malia kickten mit den Kindern.

Wachen auf den Wellblechdächern

Obama begrüsste jubelnde Bewohner auf der Strasse. Dutzende Kinder pressten sich gegen Absperrgitter, um einen Blick auf den Präsidenten zu erhaschen. Über die Szene wachte bewaffnetes Sicherheitspersonal auf den Wellblechdächern der durcheinander gewürfelten Behausungen.

In einem Land, in dem etwa die Hälfte der 190 Millionen Einwohner schwarzer Abstammung sind, sei Obamas Wahl zum Präsidenten eine Inspiration gewesen, sagte die 40-jährige Hausfrau Ana Luiza Paradiso. «Er hat uns einen Weg aufgezeigt», sagte sie. Der Umstand, dass er schwarz sei, lasse die Menschen träumen. Er sei ihnen sympathisch.

Polizei-Programm gegen Drogenbanden

Der Besuch im Slum ist Teil einer fünftägigen Reise des Präsidenten durch Lateinamerika. Zum Auftakt seiner Reise besuchte Obama zunächst am Samstag die brasilianische Hauptstadt Brasilia. Sein Besuch im Slum sollte sein Engagement gegen Gewalt unterstreichen.

Die Stadt Gottes erlangte durch den Film von 2002 zweifelhafte Berühmtheit. Der Film erzählt die Geschichte des Abstiegs des Viertels von einem staatlichen Siedlungsbauprojekt für die Armen zu einem von Drogenbanden regierten Problemviertel. Es ist die Geschichte, wie sie sich in hunderten anderen Slums in Rio wiederholte.

2009 wurde das Viertel Teil eines ambitionierten Polizei-Programms. Die Drogenbanden wurden verdrängt und die Polizei zeigte fortan Präsenz. Das Programm ist Teil einer gross angelegten Initiative, mit der Rio vor der Fussballweltmeisterschaft 2014 und den Olympischen Spielen 2016 sicherer gemacht werden soll. (sam/dapd)

Erstellt: 21.03.2011, 10:32 Uhr

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