Hintergrund

Für Geld redet Bush überall

Als Unternehmer war er erfolglos, als Präsident bestenfalls umstritten. In seiner dritten Karriere als Redner dafür räumt George W. Bush richtig ab.

Bill Clinton und George W. Bush: Vom Präsidenten zum Redner.

Bill Clinton und George W. Bush: Vom Präsidenten zum Redner. Bild: Ron Edmonds (AP)

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Nur ausgewählte Gäste waren geladen, die Medien nicht erwünscht. Selbst die Rednerliste war offiziell (und ist bis heute) vertraulich, als die UBS am 9. Mai ihre vermögenden Amerika-Kunden im Lincoln Center in New York willkommen hiess. Thema waren die Sorgen der Kundschaft um die Zukunft des Landes, dessen hohe Verschuldung, die schwindende Wettbewerbsfähigkeit, die Arbeitslosigkeit und der Zerfall des Dollars. Dafür waren mit George W. Bush und Bill Clinton zwei Verantwortliche für die Versäumnisse und Misere geladen, Ex-Präsidenten, die für ihre Auftritte als Redner mehr kassieren, als ihre Vorgänger je erhoffen konnten.

Bush kostet 150'000 Dollar – Spesen exklusive

Dass die Ex-Präsidenten bei der UBS zusammen auftraten, ist nicht Zufall. Clinton kann als Erfinder einer lukrativen Karriere als Dauerredner gelten und Bush als dessen gelehriger Schüler. Clinton hat seit 2001 mit Hunderten von Auftritten gegen 70 Millionen Dollar kassiert; und Bush seit 2009 mindestens 15 Millionen Dollar, wie das Center for Public Integrity errechnet hat. Wie viel die UBS an ihrem Anlass unter dem Titel «Revitalizing America« zahlte, gibt die Bank nicht bekannt. Üblicherweise verrechnet Bush aber pro Auftritt 150'000 Dollar (plus Spesen); Clinton kann deutlich höhere Honorare verlangen, ist er doch noch immer ein begnadeter Unterhalter und gewiefter Kommentator des Weltgeschehens. Selbst abgebrühte Banker zeigen sich verblüfft, wenn Clinton nachvollziehbar darlegt und kritisiert, warum der Dollar sinkt und warum China einen längeren Atem hat, als Amerikaner glauben.

Etwas anders ist es mit George W. Bush. Ihn als tiefsinnigen, begeisternden Redner bezeichnen zu wollen, würde niemandem einfallen. Dafür hat er als Rentner eine neue Qualität entwickelt. Mit einer entwaffnenden Selbstironie, Allgemeinplätzen und religiösen Bekenntnissen wirkt er völlig glaubwürdig, überzeugender jedenfalls denn als Präsident. Teilnehmer von Motivationsseminarien, an denen Bush seine übliche halbe Stunde absolviert, berichten übereinstimmend, Bush sei durchaus unterhaltsam und glaubwürdig gewesen. «Tupperware auf Testosteron», so fasste ein Beobachter seinen Eindruck eines Motivationsseminars in Fort Worth zusammen, an dem 15'000 Interessierte teilnahmen. Von Bush blieb freilich nur die eine Anekdote in Erinnerung, als er zum ersten Mal seinen Hund Barney vor dem neuen Haus in Dallas spazieren führte und den Kot mit einer Plastiktüte einsammeln musste. «Da begriff ich, Mann, dein Leben hat sich verändert.»

Nicht wählerisch

Schon Präsidenten vor Bush und Clinton machten nach dem Weissen Haus Kasse. Anders als in der Schweiz ist das Einsteigen in einen Verwaltungsrat aber verpönt und zu konfliktträchtig. Viele begnügen sich mit Bücherschreiben oder wie Jimmy Carter mit einer Fülle von wohltätigen Aufgaben. Bezahlt zu werden für Reden, galt lange als leicht anstössig. Als Ronald Reagan für zwei Auftritte in Japan 2 Millionen Dollar erhielt, setzte es noch laute Proteste ab. Auch Bush Vater zog sich rasch zurück. Erst mit Bill Clinton kam es zum rhetorischen Dammbruch. Und Bush Sohn lernte rasch, obwohl er versprochen hatte, ein «kleines Profil» behalten zu wollen. Doch sprach er schon 2009 davon, «die alten Truhen wieder auffüllen» zu wollen; dies zu einem Zeitpunkt, als sein Vermögen gemäss Steuererklärung bereits bei 6 bis 20 Millionen lag.

Wählerisch ist Bush nicht. Bei der UBS trat er am 9. Mai auf, obwohl die Bank in seiner Amtszeit mit 780 Millionen Dollar bestraft wurde. Kurz danach, am 13. Mai, sprach Bush vor dem Verband der Profigolfer, und zwar auf Einladung von PricewaterhouseCoopers, der Revisionsfirma, die ebenfalls in seiner Amtszeit mit 225 Millionen gebüsst worden war. Immerhin will Bush im September an den Anlässen zum zehnten Jahrestag der Terroranschläge in New York sprechen – für einmal ohne Honorar.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 28.05.2011, 08:54 Uhr

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