Gefeuert, weil er auch für Arme betet

Er betete für die Armen in den USA und verlangte Mitgefühl von Kongressabgeordneten. Nun wurde der Kaplan des Repräsentantenhauses entlassen.

Das Gebet auf dem Feld: Patrick Conroy mit demokratischen und republikanischen Abgeordneten vor dem jährlichen Baseballspiel des Kongresses.

Das Gebet auf dem Feld: Patrick Conroy mit demokratischen und republikanischen Abgeordneten vor dem jährlichen Baseballspiel des Kongresses. Bild: Joshua Roberts/Reuters

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Für Empathie ist er nicht bekannt, und Donald Trumps Administration ist keine Freundin amerikanischer Armer. Trumps Republikanische Partei versucht zudem seit Jahrzehnten, den amerikanischen Sozialstaat aufzurollen und die grossen Sozialwerke – die staatliche Rente sowie die staatliche medizinische Versorgung von Alten und Armen – zu beschneiden und zu privatisieren.

Es passt daher ins Bild, dass am vergangenen Donnerstag bekannt wurde, Paul Ryan, als Sprecher des Repräsentantenhauses ranghöchster Republikaner im Kongress, habe den Kaplan des Abgeordnetenhauses wegen dessen Eintreten für die Armen gefeuert. Der Kaplan eröffnet traditionell die Sitzungen der Kammer mit einem Gebet.

Im Gebet an die Schwächsten erinnert

Jesuitenpater Patrick Conroy, seit 2011 im Amt, hatte erstmals Anstoss erregt, als er im vergangenen November mitten in der Debatte um Trumps Steuerreform die Abgeordneten in einem Gebet ermahnte, auch an jene zu denken, «die sich schwertun». Die Reform sollte, so der Pater weiter, «keine Gewinner und Verlierer produzieren, sondern Zuwendungen für alle Amerikaner».

Ryan, ein konservativer Katholik und Anhänger der Markt-Fetischistin Ayn Rand, empfahl daraufhin dem Gottesmann, sich «aus der Politik herauszuhalten». Was Conroy nicht tat. Mal betete der Pater, dass die Abgeordneten «den Schwächsten unter uns» helfen müssten, mal redete er ihnen ins Gewissen, «den Bedürftigen unter uns zu dienen».

Paul Ryan, Sprecher des Repräsentantenhauses. Bild: J. Scott Applewhite, Keystone.

Auch hoffte der Seelsorger, dass die Parlamentarier dem Vorbild des heiligen Nikolaus folgten, «der die Hungrigen gespeist, den Inhaftierten Hoffnung gebracht und die Verlorenen getröstet hat». Ryan war nicht amüsiert und liess dem Pater Mitte April von seinem Stabschef mitteilen, er müsse zurücktreten. Andernfalls werde man ihn entlassen.

Kaum hatte Conroy in einem Interview mit der «New York Times» davon berichtet, verlangten besonders katholische Abgeordnete Aufklärung. Ein Versuch der Demokraten, die Entlassung rückgängig zu machen, wurde von der republikanischen Mehrheit abgeschmettert.

Kaplan Conroy hält 2016 nach dem Massenmord in Orlando einen interreligiösen Gottesdienst ab. Foto: J. Scott Applewhite, Keystone.

Dass Pater Conroy Ryan und dessen Parteifreunde mit seinen Gebeten für die Armen nervte, ist nicht weiter überraschend: Während die Regierung Trump die Militärausgaben rapide erhöht und die Hauptbegünstigten der Steuerreform Unternehmen und Vermögende sind, müssen US-Amerikas Arme – rund 12 Prozent der Bevölkerung – mit Kürzungen staatlicher Leistungen rechnen. So wurden die Auswahlkriterien für den Erhalt staatlicher Lebensmittelmarken verschärft, und Wohnungsbauminister Ben Carson möchte die Mieten für Sozialwohnungen kräftig erhöhen.

Stigmatisierung von Armut

Donald Trump hat nichts dagegen: Mitarbeitern zu Folge sind dem Präsidenten alle staatlichen Sozialleistungen suspekt.

Die Stigmatisierung von Armut in den USA hat eine lange Tradition und wurde 1962 erstmals durch einen Bestseller des Sozialisten Michael Harrington thematisiert. In seinem Buch «Das andere Amerika» beschrieb Harrington die Welt und das Los amerikanischer Armer. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 30.04.2018, 07:53 Uhr

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