Grund zum Feiern

US-Präsident Obama sorgt dafür, dass sich illegale Einwanderer um einstweiliges Bleiberecht bewerben können. Amerika bleibt ein Land der Hoffnung.

Der Entscheid ist richtig und längst überfällig: US-Präsident Barack Obama gewährt illegalen Einwanderern das einstweilige Bleiberecht.Foto: Kevin Lamarque / Reuters

Der Entscheid ist richtig und längst überfällig: US-Präsident Barack Obama gewährt illegalen Einwanderern das einstweilige Bleiberecht.Foto: Kevin Lamarque / Reuters

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Einwände der Gegner sind fast alle nichtig. Obamas Dekret ist weder Masseneinbürgerung noch Amnestie. Das Bleiberecht ist befristet, Zugang zu Sozialhilfe bleibt den Sans-Papiers meist verwehrt, niemand erhält den US-Pass. Der Präsident stoppt eine sinnlose, brutale Ausschaffungspraxis, mehr nicht. Wer damit ein Problem hat, muss sich fragen, weshalb.

Überfremdungsängste gibt es auch im Einwanderungsland USA. Vor zehn Jahren warnte der unterdessen verstorbene Starpolitologe Samuel Huntington vor einer Auslöschung der US-Identität durch hispanische Zuwanderer. Solches Kulturkampfdenken hat Obama zu Recht gekontert – und die Bibel zitiert: «Auch wir sind einmal Fremde gewesen.» Gerade die Tradition der USA gebiete es, niemanden ewig rechtlos hängen zu lassen, den Immigranten eine Chance zu geben.

Das Land wird profitieren

Kein Zweifel: Der Entscheid ist richtig. US-Präsident Obama sorgt dafür, dass Millionen leichter atmen können. Illegale Einwanderer, die seit mehr als fünf Jahren in den USA leben und nicht straffällig geworden sind, können sich um einstweiliges Bleiberecht be­werben. Ein überfälliger Schritt: Amerika baut auf diese Arbeitskräfte. Sie waschen die Wäsche, hüten die Kinder, mähen das Gras. Sie sollten nicht in Angst vor Deportation leben müssen. Das Land wird profitieren von neuen Steuerzahlern und der Kraft der Jungen.

Eine Kritik aber hat Gewicht. Der Präsident handelt per Dekret, ohne Parlament. Für die Republikaner ein Affront: Sie haben eben die Wahlen mit einer harten Linie in der Einwanderungsfrage gewonnen. Der Präsident, sagen sie, habe kein Mandat. Die Juristen des Weissen Hauses stehen bereit, die Legalität des Vorgehens zu verteidigen. Doch ein Unbehagen bleibt. Obama war einst ein Kritiker ausufernder Exekutiv­gewalt. Er stand für Konsens, nicht für unilaterale Dehnübungen à la Bush und Cheney. Sechs Amtsjahre haben diesen Anspruch zersetzt. Obama führt ohne Ermächtigung des Kongresses Krieg in Syrien und geht ans Limit seiner Macht bei der Einwanderung. In der Sache aber überwiegt das Gute. Millionen Einwanderer werden würdiger leben können. Das ist ein Grund zum Feiern. Amerika: Es bleibt ein Land der Hoffnung.

Erstellt: 21.11.2014, 23:47 Uhr

Artikel zum Thema

Besserer Job, mehr Lohn

Der Verzicht der USA auf die Abschiebung von fünf Millionen Sans-Papiers dürfte der Wirtschaft insgesamt nützen. Nur die Hightechindustrie fühlt sich benachteiligt. Mehr...

Die grösste Veränderung seit Jahrzehnten

Ausländern, die illegal in den USA sind, winkt eine deutliche Verbesserung ihres Status. Präsident Barack Obama machts möglich. Mehr...

Alle Augen auf Obama

Den USA steht eine wichtige Nacht bevor: Präsident Obama präsentiert in einer TV-Ansprache seine mit Spannung erwartete Einwanderungsreform. US-Medien nennen bereits Details. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Paid Post

Hoher Blutdruck: Senken Sie das Risiko

Ein zu hoher Blutdruck kann gefährlich werden. Vor allem, wenn er lange nicht erkannt wird. Die jährliche Blutdruckmessung in der Rotpunkt Apotheke hilft mit, die Risiken zu senken.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Feuerschweif: Eine Spezialeinheit demonstriert am Indian Navy Day in Mumbai ihr Können. (4. Dezember 2019)
(Bild: Francis Mascarenhas) Mehr...