Häftling ringt bei Hinrichtung lange mit dem Tod

Im US-Staat Ohio wurde ein Mörder durch eine unerprobte Giftmischung hingerichtet. Sein Todeskampf dauerte mindestens eine Viertelstunde. Seine Familie plant nun eine Klage.

Vier Minuten nach der Infusion begann McGuire zu kämpfen: Eine Todeskammer im Süden von Ohio.

Vier Minuten nach der Infusion begann McGuire zu kämpfen: Eine Todeskammer im Süden von Ohio. Bild: Keystone

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Die Exekution des verurteilten Mörders Dennis McGuire am Donnerstagmorgen im Gefängnis von Lucasville im US-Staat Ohio geriet zu einem Schocker: Weil Ohio wegen eines Boykotts europäischer Lieferanten nicht mehr über das bisher verwendete Gift Phenobarbital verfügt, griff der Staat im Mittleren Westen zu einer neuen und unerprobten Giftmischung aus dem Beruhigungmittel Midazolam sowie dem Morphin-Derivat Hydromorphon.

Augenzeugen der Hinrichtung berichteten, McGuires Todeskampf habe mindestens 15 Minuten gedauert. «Nachdem er die Infusion erhalten hatte, begann McGuire ungefähr vier Minuten später zu kämpfen und laut nach Luft zu ringen, wobei er Schnarch- und Erstickungsgeräusche von sich gab, die rund zehn Minuten andauerten», beschrieb der anwesende Reporter Alan Johnson von der Zeitung «Columbus Dispatch» den Todeskampf.

«Oh mein Gott»

McGuire war wegen der Vergewaltigung und Ermordung der 22-jährigen Joy Stewart zum Tode verurteilt worden. Er hatte der hochschwangeren Frau 1989 die Kehle durchgeschnitten. Vor dem Beginn der Hinrichtung sagte McGuire, er werde «in den Himmel gehen, ich sehe euch dort, wenn ihr auch kommt». Seine Tochter Amber, die der Hinrichtung beiwohnte, reagierte auf den langen Todeskampf des Vaters mit den Worten «Oh mein Gott».

McGuires Pflichtverteidiger Allen Bohnert, der vor Gericht vor den möglichen Folgen der unerprobten Giftmischung gewarnt hatte, sagte anschliessend, es sei «genau das eingetreten, was wir dem Gericht gesagt haben». Die insgesamt 24-minütige Hinrichtung sei ein «gescheitertes und quälendes Experiment des Staats Ohio» gewesen, so Bohnert weiter. McGuires Exekution habe gegen das amerikanische Verfassungsverbot grausamer und ungewöhnlicher Strafe verstossen.

Bohnert rief Gouverneur John Kasich zu einem Moratorium gegen künftige Hinrichtungen auf. Die Sprecherin der Haftanstalt in Ohio gab keinen Kommentar über den Ablauf der Hinrichtung ab, kündigte aber eine Untersuchung an.

Die Angehörigen wollen den US-Staat Ohio nun verklagen. Die Familie von Dennis McGuire sei tief bestürzt über die Vorgänge bei der Exekution und gehe von einer Verletzung seiner Grundrechte aus, sagte Anwalt John Paul Rion am Donnerstag.

Todesstrafe in 35 Staaten

Ein Bundesrichter hatte die Hinrichtung McGuires trotz der Bedenken gegen die neue Giftmischung erlaubt, aber angeordnet, die Verpackungsmaterialien der beiden Drogen zu fotografieren und aufzubewahren. Bislang hatten die 35 US-Staaten, in denen die Todesstrafe verhängt wird, ihre Hinrichtungen mit Phenobarbital durchgeführt, doch verweigerten mehr und mehr europäische Hersteller einen Export für Hinrichtungen. Ohio hatte seinen Vorrat an Phenobarbital im September aufgebraucht, andere Staaten wie Texas bereits früher.

Der Staat Missouri musste im Oktober eine Exekution mit dem Narkose-Medikament Propofol absagen, nachdem die EU gedroht hatte, den Export von Propofol in die USA einzustellen. Daraufhin wurde in Missouri sogar die Wiederinbetriebnahme der Gaskammer erwogen. Andere vom Phenobarbital-Boykott betroffene US-Staaten wie Texas und Florida experimentieren derzeit mit neuen Giftmischungen für Hinrichtungen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 16.01.2014, 21:23 Uhr

Wurde hingerichtet: Dennis McGuire. (Archivbild Keystone)

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