Höchste Ehre für Bradley Manning?

100'000 Anhänger fordern in einer Petition den Friedensnobelpreis für den Wikileaks-Informanten. Sein Prozess geht währenddessen in die Schlussphase.

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100'000 Unterstützer von Bradley Manning haben in einer Petition den Friedensnobelpreis für den verurteilten Wikileaks-Informanten gefordert. Der US-Anti-Kriegsaktivist Norman Solomon übergab die Petition mit den Unterschriften am Montag an Asle Toje vom Nobelinstitut in Oslo. Dieser betonte, dass die Nobelpreisvergabe «kein Beliebtheitswettbewerb» sei und dass die Unterschriften die Chancen Mannings weder stärken noch schwächen würden.

Die Friedensnobelpreisträgerin Mairead Maguire hatte Manning im Juni für die Auszeichnung nominiert, mit der Begründung, dass seine Weitergabe von Hunderttausenden Geheimdokumenten an die Enthüllungsplattform Wikileaks zum Ende des Kriegs im Irak beigetragen habe. Dadurch sei der Truppenabzug beschleunigt worden und die USA seien von der Idee weiterer Militäroperationen in der Region abgekommen.

Prozess geht weiter

Im Prozess gegen den bereits wegen Spionage und anderer Vorwürfe verurteilten Manning wird derzeit über das Strafmass verhandelt. Ihm drohen 90 Jahre Haft. Der letzte inhaftierte Friedensnobelpreisträger war der chinesische Dissident Lu Xiaobo, der die Auszeichnung 2010 erhielt.

Während dessen geht der Prozess gegen Bradley Manning weiter. In der Schlussphase gegen den Wikileaks-Informanten haben seine Anwälte herausgestellt, dass Mannings Vorgesetzte dessen soziale und psychische Probleme nicht rechtzeitig erkannt hätten. Die Verteidiger fragten am Montag mehrere ehemalige Vorgesetzte ihres Mandanten, wie sie mit Mannings Wutausbrüchen und seinem labilen psychischen Zustand umgegangen seien. Damit wollten sie offenbar herausarbeiten, dass die Vorgesetzten ihn nicht in den Irak hätten schicken dürfen.

«Schwache» Vorgesetzte

Der Kommandeur von Mannings Brigade, David Miller, räumte vor dem Militärgericht in Fort Meade ein, dass seine Einheit mit einem Mangel an Geheimdienstanalysten wie Manning zu kämpfen gehabt habe. Dies habe aber nicht dazu geführt, dass er ungeeignete Kräfte in den Irak geschickt habe. Miller sagte überdies aus, er habe nichts davon gewusst, dass Manning im Irak während eines psychologischen Beratungsgesprächs über einen Tisch gesprungen sei und habe aufgehalten werden müssen.

Der Leiter der Geheimdienst-Abteilung von Mannings Brigade, Cliff Clausen, sagte, sein Stellvertreter habe die Einschätzung abgegeben, dass Manning Schwierigkeiten damit habe, «mit Leuten klar zu kommen». Kompanie-Kommandeur Matthew Freeburg sagte, er sei erstaunt, dass nicht schon strengere disziplinarische Massnahmen gegen Manning ergriffen worden seien, bevor er beschuldigt worden sei, einen anderen Soldaten angegriffen zu haben. Die Verteidigung verwies überdies auf eine interne Untersuchung der Armee zum Fall Manning, in dem seine Vorgesetzten als «schwach» eingestuft worden seien.

700'000 Dokumente weitergeleitet

Manning hatte während seiner Stationierung im Irak zwischen November 2009 und Mai 2010 rund 700'000 Geheimdokumente von Militärrechnern heruntergeladen und der Enthüllungsplattform Wikileaks zugespielt. Ende Juli wurde er in 20 von 22 Anklagepunkten für schuldig befunden. Darunter sind unter anderem mehrere Verstösse gegen das Spionage-Gesetz von 1917, Diebstahl von Dokumenten der Streitkräfte, illegale Übermittlung von 250'000 vertraulichen Diplomatendepeschen sowie der Verstoss gegen interne Regeln des Militärs. Der 25-jährige Obergefreite wurde aber vom besonders schwerwiegenden Vorwurf der Feindesunterstützung freigesprochen.

Die Beratungen über Mannings Strafmass sollen noch bis zum 23. August dauern. Vorige Woche hatte Richterin Denise Lind durch die Zusammenfassung mehrerer Anklagepunkte das maximale Strafmass von 136 auf 90 Jahre gesenkt. (chk/AP/AFP)

Erstellt: 13.08.2013, 04:22 Uhr

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