In Uruguay kommt es zur Stichwahl

Wie in Brasilien müssen auch die Bürger Uruguays ihren neuen Präsidenten in einem zweiten Wahlgang bestimmen. So knapp wie im Nachbarland dürfte es in Uruguay Ende November aber nicht zugehen.

Feiert das Zwischenergebnis: Der favorisierte Kandidat, Tabaré Vázquez. (26. Oktober 2014)

Feiert das Zwischenergebnis: Der favorisierte Kandidat, Tabaré Vázquez. (26. Oktober 2014) Bild: Reuters

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Nach dem knappen Rennen um die Präsidentschaft im Nachbarland Brasilien wird es Wahlumfragen zufolge auch in Uruguay zu einer Stichwahl um das Amt des Staatsoberhauptes kommen. Der favorisierte Kandidat der regierenden Partei Frente Amplio, Ex-Präsident Tabaré Vázquez, erreichte demnach am Sonntag mit 44 bis 45 Prozent die meisten Stimmen, verfehlte so aber eine absolute Mehrheit.

Mehrere Wahlumfragen sagten voraus, dass Vázquez in der Stichwahl am 30. November auf Luis Alberto Lacalle Pou von der konservativen Nationalen Partei treffen wird. Lacalle Pou sicherte sich den Umfragen zufolge 31 bis 33 Prozent. Pedro Bordaberry von der Roten Partei kam mit 13 bis 14 Prozent abgeschlagen auf den dritten Platz.

Der 74-jährige Vázquez war bereits von 2005 bis 2010 Präsident von Uruguay. Als erster sozialistischer Präsident des Landes nach 170 Jahren der Macht von Roter oder Nationaler Partei verfolgte er eine moderate Wirtschaftspolitik, durch die es Uruguay schaffte, ihre Nachbarländer aus ökonomischerSicht zu überholen und das Leben der Armen zu verbessern.

«Das ist eine riesige Bestätigung»

Ihm folgte José Mujica, der nun nicht noch einmal antreten darf. Dieser hatte das Land in den vergangenen Jahren durch schwierige Wirtschaftsreformen geführt und Marihuana sowie die Homo-Ehe legalisiert.

«Das ist eine riesige Bestätigung nach neun Jahren der Regierung», sagte Vázquez nach Bekanntgabe der Umfragen am späten Sonntagabend. «Uruguay wird nun entscheiden müssen zwischen fünf weiteren Jahren des Progressismus oder eines anderen Typs der Regierung.»

Der 41-jährige Lacalle Pou, Sohn eines früheren Präsidenten, hatte neben dem Kampf gegen die Kriminalität auch eine Änderung der Marihuana-Gesetzgebung versprochen. Zwar dürften Uruguayer dann immer noch zu Hause Gras anbauen, aber die Regierung würde nicht mehr in die Produktion und den Verkauf von Marihuana involviert sein. «Was gut gemacht wurde, werden wir fortsetzen, und was falsch lief, werden wir feststellen und dann richtig machen», sagte Lacalle Pou am Sonntagabend.

Steigende Kriminalitätsrate

In Uruguay stieg zuletzt die Kriminalitätsrate und damit auch die Sorgen unter den 3,2 Millionen Einwohnern um ihre Sicherheit. Auch in Sachen Bildung gibt es Nachholbedarf: In Tests schnitten Schüler des Landes in den Bereichen Mathematik, Wissenschaft und Leseverständnis weltweit mit am schlechtesten ab.

Neben dem Präsidenten wurde am Sonntag auch das Parlament gewählt und in einem Referendum darüber abgestimmt, ob das Alter für volle Strafmündigkeit von 18 auf 16 Jahre gesenkt wird. Die Wahlumfragen sagten voraus, dass das Bündnis von Vázquez im Parlament vermutlich seine Mehrheit verlieren wird. Laut den Umfragen stimmten die Wahlberechtigten dagegen, dass die Strafmündigkeit herabgesetzt wird. (chk/AP)

Erstellt: 27.10.2014, 04:10 Uhr

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