Innert Minuten drohen Erfrierungen

Der Kälteinbruch zwingt die USA in den Ausnahmezustand. In der Metropole Indianapolis wurde ein Fahrverbot ausgesprochen. Auch in Chicago werden die Leute aufgefordert, zu Hause zu bleiben.

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Nach Schnee und Eis und einem heftigen Schneesturm haben sich Millionen Menschen in den USA auf eine neue Rekordkälte zum Wochenbeginn eingestellt. Bis morgen könnten bis zu 70 Kälterekorde gebrochen werden, berichtete der Weather Channel auf seiner Internetseite. Der Kälte in den USA und in Kanada fielen allein in den USA seit Jahresbeginn mehr als ein Dutzend Menschen zum Opfer.

Nach Angaben der Wetterdienste könnte die Temperatur heute im Bundesstaat Minnesota auf minus 54 Grad Celsius sinken, vorsorglich sollten dort die Schulen geschlossen bleiben. In anderen Teilen der USA könnte die Temperatur «gefühlte minus 48 Grad» erreichen. Laut Vorhersage war zudem am Sonntag in einem riesigen Gebiet zwischen Mississippi und Ohio neuer Schneefall zu erwarten. Die Behörden riefen die Bewohner unter anderem in Chicago dazu auf, bei der klirrenden Kälte zu Hause zu bleiben und Vorräte anzulegen. Unter solchen extremen Bedingungen könnten die Menschen im Freien innerhalb von nur fünf Minuten Erfrierungen erleiden.

Erste Massnahme seit 35 Jahren

Die klirrende Kälte wird den Angaben zufolge in den kommenden Tagen weite Teile des Landes östlich der Rocky Mountains im Griff haben. Die eisigen Winde würden bis zur mexikanischen Grenze in Texas und sogar im Sonnenstaat Florida zu spüren sein, erklärten Meteorologen. Der Fernsehsender «Weather Channel» berichtete, dass landesweit insgesamt bis zu 70 Kälterekorde gebrochen werden könnten.

Minnesotas Gouverneur Mark Dayton teilte mit, dass alle Schulen in dem Bundesstaat geschlossen blieben. Die Kinder sollten «vor den gefährlich kalten Temperaturen geschützt werden». Im benachbarten Wisconsin verfolgten gestern Abend trotz der Rekordkälte mehr als 70'000 Fans unter freiem Himmel das Football-Spiel zwischen den Green Bay Packers und den San Francisco 49ers. Die gastgebenden Packers versuchten, die Zuschauer mit kostenlosem Kaffee, heisser Schokolade und Handwärmern bei Laune zu halten.

In der 800'000-Einwohner-Stadt Indianapolis wurde inzwischen ein Fahrverbot ausgesprochen. Mit Ausnahme der Rettungsdienste ist die Fahrt auf den Strassen ab sofort tabu. «Durch die heftigen Schneefälle und die rapide sinkenden Temperaturen ist die Sicherheit des Verkehrs in Marion County nicht mehr gewährleistet», sagte Bürgermeister Greg Ballard laut «Fox 59 News». Es ist die erste Massnahme dieser Art seit 35 Jahren.

4200 Flüge gestrichen

Der Schneesturm Herkules mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 105 Stundenkilometern hatte den Nordosten der USA bereits am Freitag teilweise lahmgelegt. An der Ostküste fielen stellenweise bis zu 62 Zentimeter Neuschnee. Allein im Bundesstaat New York wurden 600 Verkehrsunfälle registriert. Mehr als 4200 Flüge wurden gestrichen, Tausende weitere waren verspätet. In New York und New Jersey wurde der Notstand ausgerufen.

Auf dem New Yorker Flughafen John F. Kennedy rutschte gestern ein gerade gelandetes Flugzeug von einer durch Schnee und Eisregen offenbar spiegelglatten Rollbahn. An Bord der aus dem kanadischen Toronto kommenden Maschine mit insgesamt 35 Insassen habe es keine Verletzten gegeben, teilte die Flugaufsicht mit. Der Flughafen wurde nach dem Vorfall für zwei Stunden geschlossen, um alle Start- und Landebahnen gründlich von Eis und Schnee zu befreien.

Beim Absturz eines Privatjets nahe des Luxus-Skiresorts Aspen im Bundesstaat Colorado kam auch gestern ein Mensch ums Leben. Das Kleinflugzeug sei bei der Landung auf dem Flughafen Aspen-Pitkin County verunglückt und in Flammen aufgegangen, teilte die Polizei mit. Dabei seien auch zwei Menschen verletzt worden, einer von ihnen schwer. (rbi/chk/ajk/sda/AP/AFP)

Erstellt: 06.01.2014, 11:15 Uhr

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