Jeb Bush und ein Reigen voller Peinlichkeiten

Vor vier Jahren wollte er nicht, jetzt offenbar schon: Laut seinem Sohn erwägt Jeb Bush eine Kandidatur als US-Präsident. US-Medien freuts. Sie listen bereits alle Fehltritte und Peinlichkeiten der Familie Bush auf.

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Schon vor vier Jahren handelten ihn Parteifreunde als möglichen Präsidentschaftskandidaten, doch er lehnte ab: der Republikaner Jeb Bush, Bruder von Ex-Präsident George W. Bush und Sohn des früheren Präsidenten George Bush. Nun scheint er es sich anders überlegt haben: Nach Aussagen seines Sohnes erwägt er ernsthaft eine Kandidatur bei der US-Präsidentschaftswahl 2016.

Sein Vater «bewege» sich auf eine mögliche Teilnahme am Rennen ums Weisse Haus zu, sagte George P. Bush in der Sendung «This Week» des TV-Senders ABC. Zwar sei er noch in der Entscheidungsphase, doch erscheine es diesmal «mehr als wahrscheinlich», dass er nach der Präsidentschaft greifen werde.

Sollte sein Vater diesmal ins Rennen einsteigen, stehe seine Familie «zu 100 Prozent» hinter ihm, sagte George P. Bush. Immer wieder betont Jeb Bush die Bedeutung der Familie für seinen Entscheid. Zuletzt vor zwei Wochen in Texas, als er seinen Sohn bei dessen Wahlkampagne unterstützte. George P. Bush kandidiert für das Amt des Kommissars für Land und Boden in Texas. Gegenüber der Nachrichtenagentur AP sagte Jeb Bush damals, seine Frau Columba würde eine mögliche Präsidentschaftskandidatur unterstützen. Ihr werden politisches Desinteresse und eine Scheu vor dem Rampenlicht nachgesagt. Seine Mutter hingegen, die ehemalige First Lady der USA, war bisher wenig begeistert: Das Weisse Haus habe «genug Bushs» gesehen, sagte sie vergangenes Jahr. Inzwischen ändere sie ihre Haltung langsam, sagte Jeb Bush kürzlich, seine Mutter stehe einer Kandidatur nun «neutral» gegenüber.

Politisch wenig aktiv

Der 61-jährige Jeb Bush, mit richtigem Namen John Ellis Bush, will gemäss Medienberichten nach den Kongresswahlen im November seinen Entscheid bekannt geben. Seit er 2007 als Gouverneur von Florida zurücktrat, hat er sich weitgehend aus der Politik zurückgezogen. Er steht einer Stiftung für Bildung vor, ist Mitglied einer Denkfabrik und sitzt im Board eines Holzunternehmens und Immobiliengeschäfts.

Jeb Bush habe die Fähigkeit, die Republikanische Partei zusammenzubringen, sagte im März das Parteiurgestein Fred Malek, der in den letzten vierzig Jahren stets eine wichtige Rolle spielte, wenn ein republikanischer Kandidat für das Präsidentenamt nominiert wurde.

Doch ein Wahlkampf bedeutet in den USA auch, dass das Vorleben der Kandidaten gnadenlos auf jede noch so kleine Verfehlung ausgeleuchtet wird, Familienmitglieder nicht ausgeschlossen. Deshalb solle sich Jeb Bush eine Kandidatur zweimal überlegen, schreibt das linksliberale US-Magazin «Mother Jones». Seine Biografie sei der «Traum» für jeden politischen Gegner: voll von peinlichen familiären Episoden, beleidigenden Kommentaren gegenüber schwarzen Wählern und zweifelhaften Geschäften. Als Beweis führt das Magazin eine Liste mit 23 unrühmlichen Anektdoten in Jeb Bushs Leben an.

Shoppen für fast 20'000 Dollar

  • Da wäre etwa seine Frau Columba, die 1999 am Flughafen von Atlanta angehalten und gebüsst wurde, weil sie Kleider und Schmuck im Wert von über 19'000 Dollar nicht deklarierte, die sie zuvor in Paris gekauft hatte.
  • Oder Jeb Bushs Tochter, die 2002 versuchte, das Beruhigungsmittel Xanax mit einem gefälschten Rezept zu kaufen. Später musste sie zehn Tage ins Gefängnis, weil sie während einer Drogentherapie mit Crack-Kokain erwischt wurde. Mehrmals soll sie ausserdem in Autounfälle verwickelt gewesen sein und kassierte Geschwindigkeits- sowie andere Ordnungsbussen.
  • Auch Sohn George P., der aktuell auf Kampagnentour in Texas ist, hat keine weisse Weste. Er soll 1994 ins Haus seiner Ex-Freundin eingebrochen und später mit seinem Geländewagen auf den Rasen ihres Hauses gefahren sein.
  • Der jüngere Sohn, Jeb Bush jr., wurde angeblich als 16-Jähriger beim Sex im Auto eines Parkhauses überrascht.

Ungeschickte Äusserungen

Aber auch Jeb Bush selber war nicht immer erfolgreich bei seinen früheren Geschäften.

  • 2007 etwa wurde Bush Mitglied des Boards eines Start-ups für Baumaterialien, dessen Gründer mit seiner früheren Firma unter zweifelhaften Umständen Konkurs anmelden musste. Bush und die anderen Mitglieder des Aufsichtsgremiums bemerkten nicht, dass der Geschäftsmann mit gefälschten Dokumenten Zahlungsfähigkeit vortäuschte, die finanziellen Probleme verschwieg und ein Millionenkapital veruntreute. Der Gründer der Firma musste schliesslich wegen Geldwäscherei ins Gefängnis, das Start-up ging in Konkurs.
  • Im selben Jahr liess sich Jeb Bush als bezahlter Berater für die Investmentbank Lehman Brothers engagieren, als diese bereits am Rand des Kollapses stand. Bush sollte mit seinen Beziehungen die Bank retten – ein Unterfangen, das nicht gelang. Lehman Brothers musste 2008 Insolvenz anmelden.

Auch mit seinen Äusserungen in der Öffentlichkeit war Jeb Bush einige Male ziemlich ungeschickt.

  • Während seiner ersten, erfolglosen Kandidatur als Gouverneur wurde Bush 1994 gefragt, was er für die afroamerikanischen Einwohner tun würde. Seine Antwort: «Wahrscheinlich nichts.»
  • Im selben Jahr erklärte er auch, was von der Sozialhilfe lebende Frauen seiner Meinung nach tun sollten: ihr Leben auf die Reihe bekommen und einen Mann finden.
  • Ende der Neunzigerjahre wurde ihm eine Affäre mit seiner Mitarbeiterin Cynthia Henderson nachgesagt, die zu Studienzeiten als Bunny in einem Nachtclub gearbeitet hatte. Sie wurde versetzt, nachdem aufgeflogen war, dass sie auf Kosten von durch sie beaufsichtigten Unternehmen an einen Sportanlass gereist war.

Eine Frage der Leidenschaft

Jeb Bush ist sich offenbar bewusst, dass seine Familie Angriffsfläche bietet. Er werde nicht kandidieren, wenn dies zu einer Schlammschlacht gegen ihn führen würde, hat er gemäss der «New York Times» bereits angekündigt. Glaubt man einem Insider, den die Zeitung zitiert, ist es vor allem der frühere Präsident George W. Bush, der seinen sieben Jahre jüngeren Bruder Jeb zu einer Kandidatur drängt. Doch noch zeige dieser nicht die Begeisterung und Leidenschaft, die sein Vater und sein Bruder gezeigt hätten.

Noch vor sechs Jahren, als George W. Bush zwei turbulente Amtsperioden als amerikanischer Präsident beendete, wäre eine erneute Bush-Kandidatur undenkbar gewesen, schreibt die Zeitung. Heute, mit der sinkenden Popularität Barack Obamas, den internen Uneinigkeiten innerhalb der Republikanischen Partei und einer neuen Nostalgie für die Bush-Ära, sei dies nicht mehr abwegig. Und auch wenn Jeb Bush als eigenständiger Kandidat antreten würde, so die Zeitung, seien die Bushs immer noch eine Familie, die etwas zu beweisen habe. Vor allem im Establishment der Republikanischen Partei könnte Jeb Bush gemäss «New York Times» Unterstützung finden. Diese würden ihn den aufständischen konservativen Kräften in der Partei vorziehen.

Die «Washington Post» wiederum stellt infrage, ob Jeb Bush überhaupt gewillt sei, den fast zweijährigen «Spiessrutenlauf» durchzustehen, den eine Präsidentschaftskampagne heute bedeute. Jeb verabscheue diese Entwicklung, doch nur mit einem unbändigen Willen und der Bereitschaft, alles andere seinem Ziel unterzuordnen, mache eine Kandidatur für ihn Sinn. (thu)

Erstellt: 27.10.2014, 14:31 Uhr

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