Jeden Tag mehr als zwei Tote durch Polizeigewalt in den USA

Weil die amtlichen Statistiken zu Polizeigewalt unvollständig sind, hat die US-Zeitung «Washington Post» die Todesfälle selber gezählt. Das Resultat ist erschreckend.

Der jüngste kontroverse Fall war der Tod des 25-jährigen Freddie Gray, der in der Ostküstenstadt Baltimore in Polizeigewahrsam starb: Ein Junge aus Grays Nachbarschaft vor einem Absperrband. (30. Mai 2015)

Der jüngste kontroverse Fall war der Tod des 25-jährigen Freddie Gray, der in der Ostküstenstadt Baltimore in Polizeigewahrsam starb: Ein Junge aus Grays Nachbarschaft vor einem Absperrband. (30. Mai 2015) Bild: Jim Bourg/Reuters

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In den USA sterben nach Presseinformationen jeden Tag durchschnittlich mehr als zwei Menschen durch Polizeischüsse. Wie die «Washington Post» unter Berufung auf eine eigene Zählung berichtete, töteten Polizisten seit Jahresbeginn mindestens 385 Menschen.

  • Schwarze waren demnach drei Mal häufiger betroffen als Weisse oder Angehörige anderer Minderheiten.
  • Die meisten Polizeiopfer waren dem Bericht zufolge bewaffnet, meistens mit Pistolen.
  • Nur 16 Prozent waren unbewaffnet oder hatten eine Spielzeugpistole dabei.

Die amtlichen Statistiken zu Polizeigewalt in den USA sind unvollständig, weil die rund 17'000 Polizeibehörden des Landes nicht verpflichtet sind, die Vorfälle zu melden. Vor dem Hintergrund der Debatte über Polizeigewalt und Rassismus sammelt die «Washington Post» nun selber Daten, um die Todesfälle durch Schusswaffengebrauch zu dokumentieren.

Kleine Auseinandersetzungen eskalieren

In den vergangenen Monaten hatten mehrere Fälle von tödlichen Schüssen auf Schwarze durch weisse Polizisten die USA erschüttert. Im August führte die Erschiessung des unbewaffneten schwarzen Jugendlichen Michael Brown durch einen weissen Polizisten in der US-Kleinstadt Ferguson zu landesweiten Protesten gegen Rassismus und Polizeigewalt. Seitdem machten mehrere weitere Fälle Schlagzeilen und lösten neue Proteste und Ausschreitungen aus.

Dazu gehört der Fall des 25-jährigen Freddie Gray, der im April in der Ostküstenstadt Baltimore in Polizeigewahrsam starb. Sechs Polizeibeamte müssen sich im Zusammenhang mit dem Tod des unbewaffneten Schwarzen vor Gericht verantworten. Laut «Washington Post» kommt es häufig zu tödlichen Zwischenfällen bei kleineren Auseinandersetzungen zwischen Polizisten und Bürgern, die dann in Gewalt umschlagen. Das Blatt berichtete etwa über einen psychisch Kranken in Florida, der im Freien mit einem Besenstiel hantierte. Weil seine Mutter ihn nicht überzeugen konnte, ins Haus zu kommen, rief sie die Polizei zu Hilfe. Diese erschoss den Mann. (thu/AFP)

Erstellt: 31.05.2015, 21:07 Uhr

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