Jetzt marschieren die US-Veteranen auf

Ein Irak-Veteran, der durch ein Polizeiprojektil schwer verletzt wurde, hat Amerikas Ex-Soldaten aufgerüttelt. Die Zahl der Veteranen in der Occupy-Bewegung nimmt rasant zu. Diese haben allen Grund zu demonstrieren.

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Vor einer Woche wurde Scott Olson während der Occupy-Wallstreet-Proteste von Oakland, Kalifornien, von einem Polizeiprojektil am Kopf getroffen. Dabei erlitt der 24-jährige Veteran des Irak-Krieges einen Schädelbruch. Zwar wird er laut den Ärzten des Highland General Hospitals mit grosser Wahrscheinlichkeit vollständig genesen. Doch der Vorfall hat unter ehemaligen Soldaten der US-Armee für grosse Empörung gesorgt.

Seit dem Tag, an welchem der Ex-Marine verletzt wurde, hat die Anzahl der Kriegsveteranen, die sich an den Wallstreet-Kundgebungen beteiligen, in den ganzen USA sprunghaft zugenommen.

«Sogar 80-jährige Ex-Marines melden sich»

Schon zuvor seien durchaus nicht wenige Ex-Soldaten an den Protesten beteiligt gewesen. Aber die Geschehnisse von Oakland hätten die Veteranen nun richtig wachgerüttelt, meint Ex-Soldat und Student Scott Kimball gegenüber dem Nachrichtenmagazin «USA Today». Kimball ist Mitglied der Protestgruppe Veterans of the 99%. «Wir erhalten jede Menge Anrufe von Kriegsveteranen aus dem ganzen Land. Es herrscht grosse Wut und Bestürzung darüber, dass jemand, der zweimal im Irak gedient hat, als friedlicher Demonstrant so behandelt wird.»

Andere Soldaten-Verbände können den Trend bestätigen. Chef der Vereinigung Iraq Veterans against War (Irak-Veteranen gegen Krieg) und pensionierter Unteroffizier Joe Carter spricht von einer steigenden Anzahl ehemaliger und aktiver Soldaten, welche an den Protesten teilnehmen wollten. «Bei uns melden sich sogar 80-jährige Ex-Marines.»

So mancher habe gesehen, dass Scott Olsen bereit war, für seine Anliegen einzustehen. Nun wollten mehr Ex-Soldaten eine sichtbare Rolle in der Bewegung gegen soziale Ungerechtigkeit einnehmen.

Hohe Arbeitslosigkeit unter Ex-Soldaten

Denn Olsons Anliegen sind auch die Anliegen vieler anderer Kriegs-Veteranen. Und diese würden laut Joe Carter in den Vereinigten Staaten nur allzu oft unbeachtet bleiben. Unter anderem wurden die Renten für Ex-Soldaten in der vergangenen Zeit stark gekürzt. Viele der jungen Männer und Frauen leiden zudem an physischen und psychischen Traumata. Last but not least ist die Arbeitslosenquote unter Kriegs-Rückkehrern mit 20 Prozent mehr als doppelt so hoch wie im amerikanischen Schnitt.

«Soldaten, die ihr Leben riskiert haben, dürfen wohl auch gegen eine Wirtschaft demonstrieren, welche ihnen geringere Chancen im Arbeitsmarkt lässt als den übrigen Amerikanern», unterstreicht der ehemalige Marine Shamar Thomas die Problematik gegenüber dem «Wall Street Journal». Thomas erlangte Berühmtheit, als er in New York in seiner Uniformjacke Polizisten wegen deren Gewaltbereitschaft verbal angriff.

Verschiedene Verbände hatten sich zuvor gegen das Tragen von Uniformen während Kundgebungen ausgesprochen. Der Unteroffizier dürfte aber nicht mehr lange der Einzige bleiben, der mit dem Tragen von Armeebekleidung öffentlich Farbe bekennen will. Bereits für heute haben die Veterans of the 99% zu einer Kundgebung in New York aufgerufen. In ihren Uniformen wollen die Ex-Soldaten durch Manhattan marschieren. Starten soll der Protest beim Vietnam Veterans Plaza. (kpn)

Erstellt: 02.11.2011, 17:06 Uhr

Ex-Soldat Thomas schreit Polizisten an

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