Kerry über Snowden: «Ein Patriot würde nicht wegrennen»

«Wenn ich irgendwohin in der Welt gehen könnte, dann wäre das zurück nach Hause», sagte Edward Snowden im Interview mit dem TV-Sender NBC. Doch US-Aussenminister Kerry zeigt sich ungnädig.

«Ich wurde zum Spion ausgebildet»: Ausschnitt aus dem NBC-Interview mit Edward Snowden.


Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

NSA-Enthüller Edward Snowden würde gern in die USA zurückkehren, sagte der Amerikaner im zweiten Teil eines Gesprächs mit dem Sender NBC. US-Aussenminister John Kerry hatte Snowden kurz zuvor ebenfalls im Fernsehen aufgefordert, Manns genug zu sein und zurückzukommen. Wenn er wolle, könne er noch heute einen Flug haben.

«Ein Patriot würde nicht wegrennen. (...). Er kann nach Hause kommen, aber vor der Justiz ist er ein Flüchtiger», fügte Kerry hinzu. Falls sich Snowden tatsächlich so um die USA sorge, wie er es nahelege, sollte er dem amerikanischen Justizsystem vertrauen.

Wollte sich nicht in Moskau verkriechen

Snowden, dem von Moskau Asyl gewährt wurde, hatte im ersten Teil des Interviews erklärt, er habe sich niemals in Russland verkriechen wollen. Aber er sei gezwungen worden, dorthin zu gehen, weil Washington entschieden habe, «meinen Pass einzuziehen».

Kerry sagte dazu: «Nun, für einen angeblich gewieften Kerl ist das eine ziemlich dumme Antwort.» Er glaube, dass Snowden verwirrt und «sehr traurig» sei. «Aber das ist ein Mann, der seinem Land grossen Schaden gebracht hat.» Der US-Chefdiplomat äusserte sich in der NBC-Sendung «Today».

Snowden sagte, ob im Fall seiner Rückkehr eine Amnestie oder eine Begnadigung eine Option wäre, sei nicht seine Sache. «Das ist eine Debatte, in der die Öffentlichkeit und die Regierung entscheiden müssen. Aber wenn ich irgendwohin gehen würde, wäre dieser Ort zu Hause.»

Rice widerspricht

Snowden hatte in dem Interview gesagt, er sei zum Spion ausgebildet worden. Er behauptete, er habe beim Geheimdienst eine viel grössere Rolle innegehabt, als die Regierung zugegeben habe.

Die nationale Sicherheitsberaterin Susan Rice wies dies jedoch in einem Gespräch mit dem Sender CNN zurück. Snowden habe niemals als Undercoveragent gearbeitet. (bru/sda/AP)

Erstellt: 29.05.2014, 07:28 Uhr

«Er kann nach Hause kommen, aber vor der Justiz ist er ein Flüchtiger»: US-Aussenminister John Kerry, hier in Mexiko-Stadt. (21. Mai 2014) (Bild: AFP )

Snowden bei NBC: «Ich wurde von den USA zum Spion ausgebildet». (Video: Reuters )

Artikel zum Thema

«Ich war Hightech-Spion und kein kleiner Hacker»

Edward Snowden fühlt sich offenbar unverstanden: In einem Interview wehrt er sich gegen den Vorwurf, er sei ein einfacher Hacker. Er habe als Top-Geheimdienstagent im Dienste seines Vaterlandes gearbeitet. Mehr...

Bildstrecke

Edward Snowden in Moskau

Edward Snowden in Moskau Edward Snowden darf weitere drei Jahre in Russland bleiben. Er lernt Russisch und arbeitet als IT-Spezialist.

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Weiterbildung

Lohncheck in Pflegeberufen

Qualifiziertes Pflegepersonal ist rar. Eine Pflegeinitiative setzt sich darum für höhere Löhne ein.

Service

Ihre Kulturkarte

Abonnieren Sie den Carte Blanche-Newsletter und verpassen Sie kein Angebot.

Die Welt in Bildern

Bergungsarbeiten nach Taifun-Katastrophe: Der heftige Wirbelsturm «Hagibis» hinterliess über weite Teile Japans eine Spur der Verwüstung. Die Zahl der Todesopfer ist gemäss eines japanischen Fernsehsenders auf 66 gestiegen. (15. Oktober 2019)
(Bild: Jae C. Hong/AP) Mehr...