Khashoggi, Trump und die CIA

Die CIA unterrichtete Donald Trump bereits am Samstag über die Rolle des saudischen Kronprinzen bei der Ermordung Khashoggis. Trotzdem betrieb der Präsident einen Cover-up.

«Vielleicht oder vielleicht auch nicht» sagte Donald Trump über die mögliche Verstrickung des saudischen Kronprinzen in die Khashoggi-Affäre: Der Präsident vor dem Weissen Haus. Video: AP

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Erklärung vom Dienstag, mit vielen Ausrufezeichen versehen und beginnend mit einem Bekenntnis zu «America First», hatte es in sich: Donald Trump erteilte darin dem saudischen Kronprinzen Muhammad bin Salman die Absolution für den Mord an dem saudischen Journalisten Jamal Khashoggi, der in den USA lebte und in Istanbul von einem saudischen Kommando brutal ermordet wurde.

«Unsere Geheimdienste beurteilen weiterhin alle Informationen, aber es könnte sehr wohl sein, dass der Kronprinz über dieses tragische Ereignis Bescheid wusste – vielleicht oder vielleicht auch nicht», lautete die Mitteilung des Weissen Hauses. «Vielleicht oder vielleicht auch nicht» widerspricht nicht nur dem gesunden Menschenverstand. Es widerspricht überdies klaren Erkenntnissen der CIA.

Entscheidendes Telefonat abegehört

Später bekräftigte der Präsident gegenüber Reportern vor seinem Abflug nach Florida, dass der saudische Kronprinz nichts zu befürchten habe – obschon die CIA Trump bereits am vergangenen Samstag informiert hatte, dass Muhammad bin Salman mit hoher Wahrscheinlichkeit den Mord an Khashoggi anordnete. Der Dienst war vor mindestens einer Woche zu diesem Schluss gelangt und stützte sich dabei sowohl auf abgefangene Kommunikation als auch auf saudische Quellen.

So hatte der elektronische Geheimdienst NSA ein entscheidendes Telefonat des saudischen Botschafters in Washington, Khalid bin Salman, im September abgehört. Darin versicherte der Diplomat Jamal Khashoggi, er habe nichts zu befürchten, wenn er Dokumente für seine Hochzeit im saudischen Konsulat in Istanbul abhole.

Laut der CIA hatte der Botschafter, ein Bruder des Kronprinzen, die Anweisung zu diesem Telefonat von Muhammad bin Salman erhalten. In einem Anruf aus dem saudischen Konsulat in Istanbul nach der Ermordung Khashoggis wies ein dem Kronprinzen nahestehender Angehöriger des Kommandos zudem einen Mitarbeiter in Riad an, den «Boss» zu unterrichten, dass «die Angelegenenheit» erledigt worden sei.

Bin Salman – ein Verbündeter Washingtons

Nicht nur von amerikanischen und türkischen Diensten abgehörte Kommunikation aber bilden den Kern der CIA-Einschätzung: Der Dienst verfügt seit Jahrzehnten über Quellen innerhalb der saudischen Königsfamilie sowie über Agenten im saudischen Sicherheitsapparat.

Im Februar 2017 erhielt der damalige Kronprinz Mohammed bin Nayaf eine hohe Auszeichnung der CIA für seine «hervorragenden Leistungen» bei der Terrorabwehr. In Washington wurde seit geraumer Zeit vermutet, dass bin Nayaf saudische Interna an die CIA weitergab. Nur vier Monate nach dem Erhalten der Auszeichnung wurde bin Nayaf entmachtet, neuer Kronprinz wurde Muhammad bin Salman.

Trotzdem verfügt die CIA weiterhin über ein ausgezeichnetes Informationsnetz in Saudiarabien. Dem Schuldzuweis des Dienstes kommt auch deshalb besondere Bedeutung zu, weil die CIA Muhammad bin Salman als einen den USA geneigten «Technokraten» und verlässlichen Verbündeten Washingtons eingestuft hatte.

Die Absolution für den Kronprinzen

In der amerikanischen Hauptstadt wird daher angenommen, dass CIA-Direktorin Gina Haspel den Dienst unter keinen Umständen in einen Cover-up hineinziehen will und den Präsidenten bei dem Briefing am Samstag klar auf die Rolle des Kronprinzen bei der Ermordung Khashoggis hingewiesen hatte.

Für Haspel erschwerend dürfte sein, dass der Geheimdienstausschuss im neuen Repräsentantenhaus von dem demokratischen Abgeordneten Adam Schiff geleitet werden wird. Der ehemalige CIA-Direktor John Brennan reagierte am Dienstag auf die Erklärung des Präsidenten mit dem Hinweis, der neue Kongress könne die Erkenntnisse der CIA im Mordfall Khashoggi «anfordern und freigeben». Nicht nur damit muss Gina Haspel rechnen: Nach Donald Trumps Absolution des saudischen Kronprinzen werden sie und andere Spitzen amerikanischer Geheimdienste mit Sicherheit vor den Kongress zitiert werden. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.11.2018, 02:52 Uhr

Podium: Donald Trump - die Zwischenbilanz

Am 8. November 2016 geschah, was zuvor kaum jemand für möglich gehalten hätte: Donald Trump wurde zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt. Seither haben sich die hoffnungsvollen Erwartungen seiner Anhänger ebenso erfüllt wie die schlimmsten Befürchtungen seiner Gegner.

Wie ist Donald Trumps Leistung als Präsident nach zwei Jahren zu bewerten? Was kommt auf die Vereinigten Staaten und die Welt noch zu? Wie tiefgreifend hat er sein Land bereits zum Guten oder zum Schlechten verändert?

Über diese und andere Fragen diskutieren:

Elisabeth Bronfen, Anglistikprofessorin an der Universität Zürich und USA-Expertin

Christof Münger, Ressortleiter International beim Tages-Anzeiger

Markus Somm, Chefredaktor der Basler Zeitung

Moderation
Sandro Benini, Redaktor International Tages-Anzeiger

26. November, Kaufleuten, Pelikanplatz, Zürich.
Türöffnung: 19.00 Uhr. Beginn: 20.00 Uhr

Ihr CARTE BLANCHE-Angebot:
Eintritt CHF 25.– mit CARTE BLANCHE CHF 15.-
(limitiertes Kontingent)

Billete bestellen

Artikel zum Thema

Trump will saudisches Königshaus nicht zur Rechenschaft ziehen

Fall Khashoggi: US-Präsident Trump bleibt Saudiarabien treu. Es investiere Milliarden und sei kooperativ bei den Ölpreisen. Mehr...

«Lass meinen Arm los»: Zitate von Khashoggi-Mord veröffentlicht

Neue Details im Mordfall Jamal Khashoggi: Auf Aufnahmen sind Geräusche zu hören, die auf Folter und Schläge schliessen lassen. Mehr...

CIA: Saudischer Kronprinz befahl Mord an Khashoggi

Der US-Auslandsgeheimdienst hat mehrere Quellen ausgewertet und hält Medien zufolge Kronprinz Muhammad bin Salman für den Auftraggeber der Tötung. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Paid Post

Flexibel einen Volvo nach Wahl fahren

Weil nicht alle ein eigenes Auto besitzen können oder wollen, bietet Volvo Car Rent «den Fünfer und das Weggli».

Kommentare

Die Welt in Bildern

Festival vereint die verschiedenen Kulturen des Landes: Eine Frau singt und tanzt bei einem Strassenfest in Südafrika in einem traditionellen Kleid. (14. Dezember 2018)
(Bild: Rajesh JANTILAL) Mehr...