Klimaaktivist, Vielflieger und Multimillionär

Der frühere US-Vizepräsident Al Gore jettet seit 2001 für den Klimaschutz um die Welt. Gleichzeitig vervielfacht er sein Vermögen. Gemäss einer neuen Schätzung ist Gore fast so reich wie Mitt Romney.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Arm war der US-amerikanische Senator Albert Arnold «Al» Gore nicht, als er gemeinsam mit Bill Clinton ins Weisse Haus gewählt wurde: Der 45-jährige Berufspolitiker besass 1993 ein Vermögen von 1,7 Millionen US-Dollar. Anders als damals muss er heute sein Vermögen nicht mehr offenlegen. Der Wirtschaftsinformationsdienst Bloomberg berichtet aber nun, dass Al Gore inzwischen ein rund hundert mal höheres Vermögen besitze: Geschätzte 200 Millionen US-Dollar. Gore ist demnach ähnlich reich wie der im letzten Präsidentschaftswahlkampf gescheiterte Mitt Romney, den Obamas Wahlkampfteam erfolgreich als abgehobener Superreicher darstellte, der die Probleme der restlichen Bevölkerung nicht kennt.

Wie Al Gore sich vom gutsituierten Angehörigen des amerikanischen Unternehmer- und Politestablishments zum Multimillionär wandelte, zeichnet Bloomberg in dem ausführlichen Artikel detailliert nach. Einen Grundstock an Vermögen hatte Gore geerbt – darunter Aktien einer Ölfirma und Anteile eines Bauernhofs und einer Zinkmine im ländlichen Bundesstaat Tennessee. Dies macht aber gemäss den Angaben von Bloomberg gerade mal ein Prozent seines Vermögens aus. Die anderen 99 Prozent stammen aus weit weniger bodenständigen Quellen: Aus einem Mandat bei Apple, einer Investition in einen Fernsehsender und einem gemeinsam mit einem Goldman-Sachs-Banker gegründeten Investmentfonds.

Friedensnobelpreisträger und Investor

Al Gores rasante Vermögensvermehrung nahm ihren Anfang nach seiner erfolglosen Präsidentschaftskandidatur gegen George W. Bush im Jahr 2001. Nach acht Jahren im Weissen Haus verschwand Al Gore damals kurz von der öffentlichen Bühne, um danach als Kämpfer gegen den Klimwandel wieder aufzutreten – der weltweit beachtete Dokumentarfilm «Eine unbequeme Wahrheit», Bestseller und der Friedensnobelpreis folgten.

Weit weniger beachtet wurden in dieser Zeit Gores Engagements in der Wirtschaft. 2003 wurde er in der Verwaltungsrat des Elektronikkonzerns Apple berufen – und mit gut 100'000 Aktienoptionen und gesperrten Aktien belohnt. Bloomberg schätzt den Wert des Pakets heute auf 45,6 Millionen US-Dollar. Gores Engagement kam dabei aber nicht von ungefähr: 1991 hatte der Senator im US-Kongress die sogenannte Gore Bill entworfen – ein Gesetz zur Finanzierung der Weiterentwicklung der damaligen ersten Ansätze des Internets. Aus der Initiative resultierte unter anderem der Internetbrowser Mosaic, der half, das Internet erstmals weit zu verbreiten. Apple-Gründer Steve Jobs hatte dies offenbar nicht vergessen – er persönlich soll Gore für das Verwaltungsratsmandat angefragt haben.

Der grosse Fernseh-Coup

Den zweiten grossen Sprung machte Gores Vermögen dank al-Jazeera. Gore und weitere Partner hatten 2004 einen Fernsehsender für 70 Millionen US-Dollar gekauft und wollten ihn unter dem Namen Current TV als «Gegengift» zum konservativen Sender Fox News und als liberale Konkurrenz zu NBC positionieren. Das Vorhaben war mässig erfolgreich – doch der arabische Fernsehsender al-Jazeera suchte den Zugang zum wichtigsten Fernsehmarkt der Welt – und zahlte 500 Millionen Dollar für Current TV. Gemäss Bloomberg soll Gore an dem Deal 70 Millionen US-Dollar verdient haben.

Den grössten Teil seines restlichen Vermögens dürfte Gore zwei Investmentfirmen verdanken. 2004 gründete Gore mit dem früheren Goldman-Sachs-Topmanager David Blood die Firma Generation Investment Management, kurz GIM. 2008 investierte Gore dann 35 Millionen US-Dollar in Hedgefunds und andere Vehikel – und zwar über die Investmentfirma eines befreundeten kanadischen Milliardärs Jeffrey Skoll, der durch E-Bay reich wurde.

175'000 Dollar für einen Auftritt

Weiteres Einkommen erwirtschaftet sich Gore daneben noch mit Auftritten als Redner, bei denen er als Nobelpreisgewinner und ehemaliger US-Vizepräsident gut und gerne mal 175'000 Dollar verlangen kann. Nicht zu Gores Vermögen beigetragen haben aber offenbar die Einnahmen aus seinem Engagement für den Klimaschutz: Alle Erlöse daraus soll Gore jeweils in seine Klimaschutzprojekte stecken.

Für Kritiker ist Gores finanzieller Erfolg ein gefundenes Fressen. 2009 musste er sich im amerikanischen Kongress laut Bloomberg in einem Hearing von der republikanischen Abgeordneten Marsha Blackburn sogar als «Klima-Profiteur» bezeichnen lassen. Diesen Vorwurf wies Gore aber entschieden zurück: «Wenn Sie glauben, ich hätte mich aus Gier dreissig Jahre lang für dieses Thema engagiert, kennen Sie mich nicht.»

Auch Gegner halten Gore aber zugute, dass er nicht nur seinen Namen für ein Gremium oder eine Sache hergebe, sondern auch hart arbeite: So habe er bei Apple 2006 den Vorsitz eines Komitees zur schwierigen Aufarbeitung eines damaligen Skandals um zurückdatierte Optionen übernommen. Auch sei sich Gore nicht zu schade, nach London zu fliegen, um dort einen gut vorbereiteten Vortrag vor Angestellten eines Geschäftspartners zu halten. Allerdings stösst auch dies wiederum auf Kritik: Wie kann ein Klimaaktivist ein Leben als Vielflieger führen? (mw)

Erstellt: 06.05.2013, 19:35 Uhr

Artikel zum Thema

Eineinhalb Stunden Zeit, aus der Rolle zu fallen

Bush senior sah auf die Uhr, Al Gore seufzte und Nixon wirkte müde: Die Fernsehdebatten können den amerikanischen Wahlkampf entscheiden. Am Mittwoch müssen Romney und Obama ran. Mehr...

US-Präsidentenwahl kostete über zwei Milliarden Dollar

Der Kampf um den Einzug ins Weisse Haus zwischen Barack Obama und Mitt Romney geht als der teuerste in die Geschichte der USA ein. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Paid Post

Es gibt Besseres als Escorts

Echte Erotik und richtigen Sex, bei dem beide Lust aufeinander haben, findet man nicht bei Escorts. Aber dafür beim Casual-Dating im Internet.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Nacktbaden: TeilnehmerInnen des Dark Mofo Sommersonnenwenden Nackschwimmens stürzen sich in den Fluss Derwent im australischen Hobart. (22.Juni 2018)
(Bild: Rob Blakers/EPA) Mehr...