Knapp und mit russischer Hilfe

Eine CNN-Recherche zeigt, dass gerade in knappen US-Bundesstaaten gezielt Facebook-Werbung gegen Trumps Rivalin Clinton gespielt wurde.

Den Verdacht, er habe die Präsidentschaftswahl mit russischer Beihilfe gewonnen, wird er nicht los: Donald Trump am Tag seines Wahlsieges.

Den Verdacht, er habe die Präsidentschaftswahl mit russischer Beihilfe gewonnen, wird er nicht los: Donald Trump am Tag seines Wahlsieges. Bild: Reuters

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Hat Russland die sozialen Medien genutzt, um den US-Wahlkampf zu beeinflussen? Drei Ausschüsse des Kongresses befassen sich derzeit mit dem Thema, das die Nation seit Monaten beschäftigt. Am Montag erhielten sie von Facebook den Inhalt von Tausenden Werbeanzeigen, die zur Zeit um die US-Präsidentschaftswahl 2016 liefen und offenbar mit einer russischen Werbeagentur in Verbindung stehen. Der Internetriese schätzt, dass rund zehn Millionen Nutzer die politischen Anzeigen online gesehen haben.

Unklar war bis jetzt aber, welche Regionen des Landes davon betroffen waren. Heute berichtete CNN, dass ein Teil der Werbeanzeigen gezielt in Michigan und Wisconsin geschaltet wurden – zwei US-Bundesstaaten, in denen sich Donald Trump nur ganz knapp gegen Hillary Clinton durchsetzte und die entscheidend waren für die Wahl des Republikaners. Der Nachrichtensender bezieht sich auf vier Personen, die mit der Auswertung der Anzeigen zu tun hätten.

In keinem anderen Bundesstaat fiel die Wahl so knapp aus wie in Michigan. Trump holte hier nur 10’700 Stimmen mehr als seine demokratische Herausforderin Clinton, bei insgesamt 4,8 Millionen Bürgern, die an die Urne gingen. Das Rennen in Wisconsin gehörte ebenfalls zu den engsten: Trump setzte sich mit 22’700 Stimmen mehr durch.

Laut CNN waren einige der Anzeigen so ausgefeilt, dass sie gezielt demokratische Wähler erreichten, die in Gebieten Michigans und Wisconsins wohnten, welche sich im Nachhinein als entscheidend für den Wahlsieg Trumps herausstellten. Im Fokus waren unter anderem Wähler, die als potenziell beeinflussbar beim Thema Islam galten. Indem sie mit Inseraten eingedeckt wurden, die Moslems als Gefahr für die US-Gesellschaft darstellten, sollten sie von Trumps harter Linie bei der Einwanderung überzeugt werden. Grundsätzlich verbreiteten die Anzeigen entzweiende Nachrichten über polarisierende Themen wie das Recht auf Besitz und Tragen von Waffen, mit denen Unmut in der Wählerschaft gesät werden sollte.

Die Werbeanzeigen hätten sich auf umstrittene Themen wie Waffenbesitz, Einwanderung und LGBT-Rechte konzentriert, liess auch Facebook-Sprecher Elliot Schrage durchblicken. In vielen Fällen hätten sie die Nutzer dazu aufgefordert, Facebook-Seiten mit entsprechenden Ansichten zu liken und zu abonnieren. Für manche der Werbeanzeigen sei mit der russischen Währung Rubel bezahlt worden.

«Wir sehen nur die Spitze des Eisbergs.»John Cornyn, US-Senator

Die drei Ausschüsse im Kongress haben gerade erst begonnen, die Daten auszuwerten, die sie von Facebook erhalten haben. Das Unternehmen hatte ähnliches Material bereits dem Sonderermittler Robert Mueller übergeben. Alle Beteiligten versuchen jetzt herauszufinden, ob Mitarbeiter oder Vertraute von Trump den Russen geholfen haben, die Anzeigen an den richtigen Orten zu platzieren.

Mitglieder beider grosser US-Parteien sagten gegenüber CNN, dass die russische Werbekampagne in hohem Masse durchdacht gewesen sei und deren Umfang erst langsam zum Vorschein komme. «Das Ganze stimmt überein mit dem, was wir als aktive russische Massnahmen kennen – eine Kombination von Cyber, Propaganda und Social Media», sagte der republikanische Senator John Cornyn, der in zwei der drei Ausschüsse sitzt. «Wir sehen nur die Spitze des Eisbergs.» (wig./AP/AFP)

Erstellt: 04.10.2017, 11:51 Uhr

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