Milliardär Bloomberg sucht das Duell mit Trump

Der ehemalige New Yorker Bürgermeister und bisherige Republikaner erwägt, für die Demokraten als US-Präsident zu kandidieren. Seine neuen Freunde sind nicht nur begeistert.

Milliardär Michael Bloomberg hat 80 Millionen Dollar aufgeworfen, um die Mehrheitsverhältnisse im Repräsentantenhaus zu kippen.

Milliardär Michael Bloomberg hat 80 Millionen Dollar aufgeworfen, um die Mehrheitsverhältnisse im Repräsentantenhaus zu kippen. Bild: Josh Edelson/AFP

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Beide kommen aus New York, beide sind erfolgreiche Unternehmer, und beide gehören – nach einigem Hin und Her – heute der gleichen Partei an. Ansonsten aber verbindet den Republikaner Michael Bloomberg und den Republikaner Donald Trump nicht sehr viel, im Gegenteil: Der ehemalige New Yorker Bürgermeister hat sich vor den anstehenden Kongresswahlen mit den Demokraten verbündet und 80 Millionen Dollar aufgeworfen, um die Mehrheitsverhältnisse im Repräsentantenhaus zu kippen. Mit der Wahlkampfspende sollen vor allem drei Wahlbezirke im Süden Kaliforniens den Republikanern entrissen werden.

Bloomberg hat nicht nur sein Portemonnaie geöffnet, er greift auch persönlich in den Wahlkampf ein. In Las Vegas, Seattle und San Francisco rief er kürzlich die Demokraten auf, das politische Zentrum zu besetzen, um Trump-Wähler zurückzugewinnen. Er bat seine Zuhörerinnen und Zuhörer, jene Republikaner zu bestrafen, die eine vernünftige Waffenkontrolle ablehnen und den Klimawandel leugnen. «Ich bin heute Welten von der Republikanischen Partei entfernt.»

Das alles reicht dem 76-Jährigen aber noch nicht. Bloomberg erwägt sogar, Donald Trump selbst herauszufordern und fürs Weisse Haus zu kandidieren. Und zwar als Demokrat, wie die «New York Times» berichtet.

Bloomberg schliesst deshalb einen Parteiwechsel nicht aus. Der einer jüdischen Familie in Boston entstammende Bloomberg war lange Jahre Mitglied der Demokraten, wechselte 2000 jedoch zu den Republikanern, um den Vorwahlkampf in der Demokratischen Partei zu umgehen, als es um die Wahl des Bürgermeisters von New York ging.

Ganz im Sinne der New Yorker

Einmal im Amt verfolgte Bloomberg eine weitgehend demokratische Politik. Er verzichtete auf sein Gehalt und trat für das Recht auf Abtreibung, die Ehe von gleichgeschlechtlichen Paaren und schon damals für eine strengere Waffenkontrolle ein. Die Kriminalitätsrate, die bereits unter seinem Vorgänger Rudy Giuliani abgenommen hatte, sank weiter. Ausserdem sorgte der Milliardär dafür, dass es in der boomenden Metropole weiterhin günstigen Wohnraum gab. Ganz im Sinne der New Yorker, die ihn zweimal im Amt bestätigten.

Eine Präsidentschaftskandidatur für die Demokraten würde allerdings kaum auf die Zustimmung beim linken Flügel der Parteibasis stossen. Er befürworte zwar gewisse Regulierungen der Finanzindustrie, sagte Bloomberg zur «New York Times», die Ideen von Elizabeth Warren aber lehnt er ab. Die Senatorin aus Massachusetts fordert, dass Wallstreet-Banken aufgesplittet werden sollen.

Bei den Demokraten ebenfalls umstritten ist die unter Bürgermeister Bloomberg angewandte Polizeitaktik «Stop and frisk», deutsch «Anhalten und Filzen». Die mehrheitlich gegenüber Latinos und Afroamerikanern angewandte Methode wird als rassistisch kritisiert. Für Bloomberg ist «Stop and frisk» nach wie vor ein notwendiges Mittel, um die Kriminalität einzudämmen. Des Weiteren ist der Medienunternehmer kein eifriger Anhänger der #MeToo-Bewegung, was bei gewissen Demokraten zu Stirnrunzeln führt. Anklagen in den Medien hätten zu Vorverurteilungen geführt, glaubt Bloomberg. Dabei könne nur ein Gericht eine Schuld wahrhaft feststellen.

Rückzug für Hillary Clinton

Als Präsidentschaftskandidat ist Bloomberg nicht das erste Mal im Gespräch. Bereits 2008 gab es Gerüchte, er wolle ins Weisse Haus, vier Jahre später wurde er als möglicher Herausforderer Barack Obamas gehandelt. Bloomberg wies seine Ambitionen so regelmässig zurück, wie sie ihm nachgesagt wurden. 2012 unterstützte er schliesslich offiziell Obama wegen seiner Klimapolitik.

Als es 2016 um dessen Nachfolge ging, erwog er, als dritter, unabhängiger Kandidat anzutreten, um einen Wahlsieg Donald Trumps zu verhindern. Er verwarf die Idee, als sich abzeichnete, dass er damit einzig seinem New Yorker Gegenspieler helfen würde. Er schloss sich dem Lager von Hillary Clinton an. Auf dem Parteitag der Demokraten Ende Juli 2016 warnte er vor Trump und bezeichnete ihn als «Betrüger».

Ob es Bloomberg diesmal ernster ist mit seinen Ambitionen, wird sich zeigen. Zumindest scheut er keinen Aufwand im aktuellen Wahlkampf. Geplant sind Auftritte in Michigan, Florida und Pennsylvania – voraussichtlich alles hart umkämpfte Bundesstaaten bei den Präsidentschaftswahlen 2020. Dazu kommt ein Stopp in South Carolina, einem entscheidenden Staat bei den parteiinternen Vorwahlen.

«Als Präsident zu kandidieren und Präsident zu sein, ist nicht dasselbe.»Bradley Tusk, langjähriger Bloomberg-Mitarbeiter

Als Kandidat würde Bloomberg jedoch einen Teil seiner Freiheit einbüssen. Um im politischen Nahkampf zu bestehen, müsste er seine Tätigkeit als Mäzen und Philanthrop aufgeben, die ihm sein Vermögen von geschätzten 50 Milliarden Dollar erlaubt («Forbes»-Liste 2018, Platz 11).

Nicht mehr möglich wäre etwa, dass Bloomberg einen Check über 4,5 Millionen anbietet, um die laufenden Verpflichtungen der USA im Pariser Klimaabkommen zu übernehmen, denen die Regierung Trump nicht mehr nachkommen will.

Bloombergs langjähriger Mitarbeiter und Wahlkampfmanager Bradley Tusk will deshalb nicht recht an eine Präsidentschaftskandidatur Bloombergs glauben. Er vermutet, dass sein ehemaliger Boss lediglich mit dem Gedanken der Kandidatur spielt. Tatsächlich aber sei «niemand besser geeignet» fürs höchste Amt in Amerika. «Aber als Präsident zu kandidieren und Präsident zu sein, ist nicht dasselbe.»

Wie auch immer: Die Gegner Trumps dürften dankbar sein, Michael Bloomberg auf ihrer Seite zu wissen.


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(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 18.09.2018, 19:26 Uhr

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