Mit Kleinwaffen wird doppelt so häufig gehandelt wie noch vor sechs Jahren

Der Ex- und Import von Kleinwaffen ist ein immer einträglicheres Geschäft: Seit 2006 hat sich das Handelsvolumen verdoppelt. Treiber der Entwicklung waren Konflikte im Mittleren Osten und Privatpersonen in den USA.

In den USA werden immer mehr Kleinwaffen und Munition gekauft: Ein Mann prüft an einer Messe in Virginia eine halbautomatische Rifle. (Archivbild)

In den USA werden immer mehr Kleinwaffen und Munition gekauft: Ein Mann prüft an einer Messe in Virginia eine halbautomatische Rifle. (Archivbild) Bild: Keystone

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Der Handel mit Klein- und Leichtwaffen inklusive Munition und Einzelteile beläuft sich weltweit auf mindestens 8,5 Milliarden Dollar pro Jahr – doppelt soviel wie noch 2006. Dies geht aus dem gestern bei der UNO in New York vorgestellten Kleinwaffen-Report 2012 (Small Arms Survey) hervor.

Der «Small Armes Survey» ist ein unabhängiges, von der Schweiz und weiteren Staaten unterstütztes Forschungsprojekt, das beim Genfer Hochschul-Institut für Internationale Studien und Entwicklung (IHEID) angesiedelt ist.

Die Hälfte entfällt auf Munition

Die neusten Zahlen sind das Ergebnis einer vierjährigen Untersuchung. Eric Berman, der Generaldirektor von Small Arms Survey, erklärte, etwa die Hälfte der 8,5 Milliarden Dollar entfalle auf Munition. Wenn man zum autorisierten Handel noch den illegalen Handel rechne, ergebe das sicher mehr als 10 Milliarden Dollar pro Jahr, sagte Berman.

Dass das Handelsvolumen sich seit 2006 mehr als verdoppelt hat, wird unter anderem auf zwei wesentliche Quellen zurückgeführt: Die umfangreichen Waffen- und Munitionskäufe jener Staaten, die in die Konflikte in Irak und Afghanistan verwickelt sind, sowie der steigende Kauf von Kleinwaffen und Munition durch Private in den USA. Zur Korrektur der Schätzung hätten zudem bessere Informationen und Forschungsmethoden beigetragen.

USA Hauptimporteur und -exporteur

Die Zahlen zu den Haupt-Importeuren und -Exporteuren wurden vor allem anhand von Zolldaten ermittelt. Zu den Hauptexporteuren mit mindestens 100 Millionen Dollar pro Jahr gehörten 2009 (in absteigender Folge) die USA, Italien, Deutschland, Brasilien, Österreich, Japan, die Schweiz, Russland, Frankreich, Südkorea, Belgien und Spanien.

Die Hauptimporteure mit mindestens 100 Millionen Dollar pro Jahr waren 2009 die USA, Grossbritannien, Saudiarabien, Australien, Kanada, Deutschland und Frankreich.

Mehr Transparenz erhofft

Während die Transparenz der Transfers von und nach Europa und Nordamerika relativ solide sei, lasse sie in Afrika, Asien und dem Mittleren Osten zu wünschen übrig, sagte Berman. Er wünscht sich vor allem mehr Transparenz von «wichtigen Exporteuren wie Russland und China, aber auch von Staaten, die überzählige Waffen wieder ausführen».

Mehr Transparenz würde das Verständnis der Quellen und Wege, über welche autorisierte Transfers den illegalen Handel am Laufen halten, «sehr verbessern», unterstrich Berman.

Die Schweiz ist Klassenbeste

Im Transparenzbarometer 2012, für den Daten von 52 Staaten analysiert wurden, weisen die Schweiz, Grossbritannien und Rumänien die grösste Transparenz aus. Am wenigsten transparent sind Iran, Nordkorea und die Vereinigten Arabischen Emirate. Die USA liegen auf Rang 14, China auf 45 und Russland auf Rang 47.

Insgesamt kann ein Land auf dem Barometer 25 Punkte erreichen. Der Durchschnitt aller 52 Staaten lag bei 11,22, der Durchschnitt der zehn Länder mit der grössten Transparenz bei 18. Die Schweiz kam auf 21, Iran, Nordkorea und die Vereinigten Arabischen Emirate auf je null Punkte.

Illegale Waffen in Afghanistan, Irak und Somalia

Der Report 2012 enthält auch erste Ergebnisse eines mehrjährigen Projekts zur Untersuchung der Arsenale illegaler Waffen in Irak, Afghanistan und Somalia. Ein erstes Fazit ist, dass nichtstaatliche Gruppen in allen drei Ländern vor allem Waffen älterer Bauart vom Typ Kalaschnikow verwenden.

Das sei ein wesentlicher Unterschied zu den Konflikten der 1980er-Jahre in Angola oder in Afghanistan, wo die damaligen Rebellen nicht selten auch Zugang zu hochentwickelten Waffen hatten, erklärte Nicolas Florquin, Forscher beim Small Arms Survey. Einzige Ausnahme seien Daten zu im Irak beschlagnahmten Waffen aus Iran, die vermuten liessen, dass ein Grossteil aus relativ neuen Beständen kamen.

Weitere Kapitel des Berichts befassen sich unter anderem mit Themen wie Waffen und Tötungsdelikte in Lateinamerika und der Karibik, Staatspolitik und Drogengewalt, mit der somalischen Piraterie oder den direkten und indirekten Kosten, die der Gesellschaft durch die schätzungsweise zwei Millionen Menschen entstehen, die in den letzten 10 Jahren Schussverletzungen ausserhalb von Konfliktzonen erlitten haben. Der «Small Armes Survey» geht auf eine Initiative der Schweizer Regierung von 1999 zurück. (rbi/sda)

Erstellt: 28.08.2012, 09:00 Uhr

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