Mit Lehrstellen gegen den Terror

Auch die Schweiz war am Anti-Terror-Gipfel in Washington vertreten. Genauso wie der russische Geheimdienst.

Aussenminister Didier Burkhalter betonte in Washington die Wichtigkeit der wirtschaftlichen Integration junger Einwanderern.

Aussenminister Didier Burkhalter betonte in Washington die Wichtigkeit der wirtschaftlichen Integration junger Einwanderern. Bild: Tobias Hase (Epa, Keystone)

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Ein Name auf der Gästeliste stach ­heraus: Alexander Bortnikow, Chef des russischen Inlandgeheimdiensts FSB. Das US-Aussenministerium hiess ihn am Donnerstag in Washington willkommen – trotz des russisch-amerikanischen Zerwürfnisses um die Ukraine. Das ist nicht selbstverständlich: In der EU, der Schweiz und Kanada steht Bortnikow auf den Sanktionslisten.

Doch das Thema des Washingtoner Gipfels betrifft eben Freund wie Gegenspieler: Vertreter aus über 70 Staaten sowie UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon haben sich in der US-Hauptstadt eingefunden, um über islamischen und anderen Extremismus zu beraten: die Radikalisierung zumeist junger Menschen soll frühzeitig erkannt und verhindert werden. Unter den Gastnationen waren westliche Verbündete wie Deutschland und Frankreich, aber auch Nigeria, Ägypten, Indien und China. Selbst Katar und Saudiarabien waren vertreten, welchen Kritiker oft mangelnde Distanz zum Terrorismus vorwerfen.

Burkhalters Ansprache

Aus der Schweiz war Bundesrat Didier Burkhalter angereist. In einer kurzen Ansprache ans Plenum versicherte er, die Schweiz werde ihren Teil gegen den gewalttätigen Extremismus leisten. Dabei werde sie sich auf humanitäre und friedensfördernde Arbeit im Ausland, aber auch auf Prävention daheim konzentrieren: Der Bund habe «starke Massnahmen» ergriffen, um etwa die Finanzierung des Terrorismus zu blockieren. Auch würden die Kapazitäten der Sicherheitskräfte verstärkt. Damit seien zusätzliche Mittel für die Nachrichtendienste gemeint, sagte Burkhalter nach seinem Auftritt.

In seinem Vortrag betonte der Aussenminister auch die Notwendigkeit der wirtschaftlichen Integration junger Einwanderer – und versäumte nicht, das Schweizer System der Berufslehre zu ­erwähnen. Dieses versorge junge Menschen nicht nur mit einem Einkommen während der Ausbildung, sondern auch mit Selbstvertrauen: «Lehrlinge erhalten Anerkennung.» Er wies auf die tiefe Schweizer Jugendarbeitslosigkeit von 3,5 Prozent hin. Natürlich schwebe ihm nicht «die Helvetisierung» der Welt vor, so Burkhalter später im Gespräch, doch das Land könne «seine Werte vermehrt in die internationale Politik hinaustragen». Treffen wie das in Washington zeigten, dass «eine gewisse Arroganz» der Weltführer abklinge, man sich vermehrt für Allianzen interessiere.

US-Präsident Barack Obama hatte die Muslime Amerikas und der Welt in ­seiner Rede aufgefordert, sich gegen die Besetzung ihres Glaubens durch Ter­roristen zu wehren. Muslimische Gemeinschaften trügen Verantwortung dafür, «verdrehte Auslegungen des Islam zurückzuweisen».

Erstellt: 19.02.2015, 23:38 Uhr

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