NSA-Überwachung laut US-Bundesgericht verfassungswidrig

Die millionenfache Datenüberwachung ist gemäss US-Richtern nicht rechtens. Klagen gegen die Praxis hätten «erhebliche Chancen auf Erfolg».

Die Regierung dürfte Rekurs gegen den Richterspruch einlegen: Die NSA-Zentrale in Fort Meade. (Archivbild)

Die Regierung dürfte Rekurs gegen den Richterspruch einlegen: Die NSA-Zentrale in Fort Meade. (Archivbild) Bild: Keystone

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Ein US-Bundesgericht hat das massenhafte Sammeln von Telefondaten des Geheimdienstes NSA in den USA als offensichtlich verfassungswidrig bezeichnet. Der Richter erwartet, dass die Regierung von Präsident Barack Obama gegen den Entscheid Rekurs einlegen wird.

Die millionenfache Datenüberwachung verstosse gegen den in der Verfassung verankerten Schutz vor unbegründeten Durchsuchungen, urteilte das Gericht in Washington. Eine Klage gegen die Praxis habe «eine erhebliche Wahrscheinlichkeit auf Erfolg», meinte der Richter Richard Leon in der heute veröffentlichten Entscheidung.

Dennoch dürfte die weltweit kritisierte Überwachung des NSA fürs erste weitergehen. Denn es handelt sich zunächst lediglich um eine vorläufige Entscheidung. Das Gericht erklärte, es rechne mit einem Einspruch der Regierung. Es stünden in diesem Fall «erhebliche nationale Sicherheitsinteressen auf dem Spiel».

Das Weisse Haus wollte zum Richterspruch zunächst nicht Stellung nehmen. Regierungssprecher Jay Carney meinte vor Journalisten, man müsse den Text zunächst prüfen.

Richter spricht Klartext

Das Gericht kritisierte die millionenfache Überwachung von US-Telefondaten mit ungewöhnlicher Schärfe. Es bezeichnete die Daten-Überwachung als willkürlich.

Wörtlich meinte der Richter: «Ich kann mir keine rücksichtslosere und willkürlichere Invasion als diese Speicherung persönlicher Daten von praktisch jedem einzelnen Bürger (...) ohne vorherige richterliche Erlaubnis vorstellen.»

Die US-Regierung hat bisher immer wieder betont, das Datensammeln sei zulässig. Zudem bekräftigen Geheimdienste und Regierung immer wieder, das Vorgehen führe zur Ergreifung von Terroristen. Allerdings hat Präsident Barack Obama eine Untersuchung der Praxis angeordnet und mögliche Korrekturen angedeutet.

Dabei geht es aber vor allem um die Überwachung und das Datensammeln in den USA. Dies müsse im Einklang mit den Gesetzen stehen. Dagegen hatten die Geheimdienste und Obama deutlich gemacht, im Ausland bestünden solche Einschränkungen nicht.

Entscheid im Januar

Nach dem Willen einer von der Regierung eingesetzten Expertenkommission solle die NSA künftig schärferen Beschränkungen und Kontrollen unterzogen werden. Das Gremium legte Obama jüngst entsprechende Vorschlägen vor.

Zu den Kernpunkten gehört nach Medienberichten, dass das massive Programm zum Sammeln der Telefondaten der US-Bürger weitergehen, aber die NSA die Informationen nicht mehr selbst speichern darf. Das sollen künftig die Telefongesellschaften oder eine andere dritte Partei übernehmen. Obama will im Januar seine Entscheidung über schärfere Kontrollen bekanntgeben. (rbi/sda)

Erstellt: 16.12.2013, 22:58 Uhr

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