Auto rast in Demo, dann stürzt Heli ab – 3 Tote

In der US-Kleinstadt Charlottesville ist ein Autofahrer in eine Gegendemonstration gegen Rechtsextreme gefahren. Donald Trump hat bereits reagiert – und heftige Kritik geerntet.

Zusammenstösse in Charlottesville: Ku Klux Klan und Gegendemonstranten geraten aneinander: (Video: Tamedia/AFP/Storyful)

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Am späten Samstagnachmittag stürzte in Charlottesville im US-Bundesstaat Virginia ein Helikopter ab und riss zwei Menschen in den Tod, die beide für die Polizei im Einsatz waren. Die Ursache für den Absturz war zunächst nicht bekannt.

Der Vorfall ereignete sich in der Nähe des Demonstrationsortes, wo Stunden zuvor ein Auto in Menschen fuhr, die friedlich gegen eine Kundgebung weisser Nationalisten demonstriert hatten. Dabei kam eine 32-jährige Frau ums Leben. Laut Polizei gab es zudem 19 Verletzte. Insgesamt mussten 35 verletzte Patienten im Krankenhaus behandelt werden.

Zwischen beiden Vorfällen gebe es eine Verbindung, gab die Polizei am Abend bekannt. Weitere Details dazu wurden vorerst nicht mitgeteilt.

Ein Autofahrer rast in die Gegendemonstration. (12. August 2017) Video: Twitter/Tamedia

Der Fahrer des Wagens, der in eine Menge von mehreren Hundert Menschen fuhr, wurde festgenommen, wie der Minister für öffentliche Sicherheit von Virginia, Brian Moran, mitteilte. Beim Täter soll es sich um den 20-jährigen James Alex Fields aus Ohio handeln. Ihm wird «Mord mit bedingtem Vorsatz, vorsätzliche Körperverletzung und Flucht nach einem Unfall mit Todesfolge» vorgeworfen.

Laut dem Gefängnis von Albemarle-Charlottesville befindet sich der Verdächtige in Untersuchungshaft. Nach den Angaben von Anwälten handelt es sich bei böswilliger Körperverletzung um eine Tat, die mit Absicht und in vollem Bewusstsein – also nicht im Affekt – verübt worden ist. Alleine dafür sind im US-Staat Virginia Haftstrafen zwischen 5 und 20 Jahren möglich.

Inzwischen hat sich auch die Bundespolizei FBI eingeschaltet und untersucht den Vorfall.

Der Gouverneur von Virginia, Terry McAuliffe, erklärte wegen der Rechtsextremen-Kundgebung den Ausnahmezustand. Bei Zusammenstössen mit Gegendemonstranten warfen Hunderte Menschen Wasserflaschen und wandten chemische Sprays gegeneinander an. Mindestens acht Menschen wurden dabei verletzt und eine Person wurde im Zusammenhang mit den Auseinandersetzungen festgenommen.

Ein Vertreter der Ultrarechten in den USA hat die Polizei in Charlottesville für die Gewalt vor und nach der Demonstration verantwortlich gemacht. Er habe nicht versucht, sich bei irgendeiner Art von Gewalt am Samstag zu beteiligen, sagte Richard Spencer der Nachrichtenagentur AP am Samstag.

«Die Idee, dass ich zur Verantwortung gezogen werden könnte, ist absurd. Das ist, wie die Schuld für ein Feuer bei der Feuerwehr zu suchen», so der Anführer der Rechtsaussen-Bewegung Alt-Right. Er gab an, zweimal im Laufe des Tages mit Pfefferspray angegriffen worden zu sein. Als der Notstand ausgerufen worden sei, habe er den Gruppen von Demonstranten empfohlen, sich zu zerstreuen.

Entfernung einer Statue als Zankapfel

Die weissen Nationalisten sind gegen die Entfernung einer Statue des Konföderationsgenerals Robert E. Lee durch die Stadt Charlottesville gezogen. Der rechte Blogger Jason Kessler hatte zu einer nach seinen Worten «proweissen» Kundgebung aufgerufen.

US-Präsident Donald Trump verurteilte die Zusammenstösse. Es handle sich um eine «unerhörte Zurschaustellung von Hass, Engstirnigkeit und Gewalt auf vielen Seiten». Trump forderte «eine schnelle Wiederherstellung von Recht und Ordnung und den Schutz von unschuldigen Leben». Die Amerikaner müssten «mit Liebe für unsere Nation und... wahrer Zuneigung für einander zusammenkommen».

Trump vermied es, die Rolle rechtsextremer Gruppen zu erwähnen und erntete dafür Kritik von Demokraten und Republikanern.

Kämpfe bereits am Abend zuvor

Der Direktor des Zentrums für Extremismus der Anti-Defamation League, Oren Segal, sagte, mehrere Gruppen weisser Rassisten hätten sich in Charlottesville versammelt, darunter Mitglieder von Neo-Nazi-Organisationen, rassistische Skinhead-Gruppen und Ku-Klux-Klan-Faktionen. Die Behörden rechneten mit bis zu 6000 Teilnehmern und Gegendemonstranten, wie die Polizei mitteilte.

Es gab bereits am Freitagabend Kämpfe, als Hunderte weisse Nationalisten durch den Campus der University of Virginia marschierten und dabei Fackeln trugen. Ein Universitätssprecher sagte, eine Person sei festgenommen und mehrere Personen seien verletzt worden.

Laut Berichten beriefen sich einige der weissen Nationalisten auf Trumps Wahlsieg als Bestätigung für ihre Einstellungen. Manche Teilnehmer führten Trumps Wahlkampf-Slogan «Make America Great Again» mit sich. Politische Gegner werfen dem Präsidenten seit längerem vor, durch seine scharfe Rhetorik den rechten Rand in den USA zu stärken und zum Handeln zu ermutigen.

(nag/sda/afp)

Erstellt: 12.08.2017, 19:25 Uhr

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