Neuer Verdacht gegen angeblichen «El Chapo»-Mann

Ein Liechtensteiner soll der Mafia Geldwäscherei-Dienste angeboten haben. Jetzt stellt sich heraus: In seiner Heimat wird gegen ihn wegen schweren Betrugs ermittelt.

Ein Liechtensteiner soll für den Anführer des Sinaloa-Kartells, «El Chapo» Guzmán im Kanton St. Gallen Geld gewaschen haben.

Ein Liechtensteiner soll für den Anführer des Sinaloa-Kartells, «El Chapo» Guzmán im Kanton St. Gallen Geld gewaschen haben. Bild: EPA/ Jose Mendez/Keystone

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In Medienberichten, sogar international, konnte Ende vergangener Woche der Eindruck entstehen, dass Renaldo Negele im Kanton St. Gallen eine Geldwäscherei-Filiale für Joaquín «El Chapo» Guzmán betrieb. Tatsächlich taucht der Name des 51-jährigen Liechtensteiners in einer amerikanischen Anklageschrift auf, in der auch der kürzlich verhaftete mexikanische Mafiaboss erwähnt ist. Die US-Justiz rechnet Negele einem weitläufigen kriminellen Netzwerk zu, das unter anderem illegale Finanzdienste für El Chapos Sinaloa-Kartell leistete. Doch einen direkten Link aus St. Gallen oder dem Fürstentum zu Mexikos Narcos gibt es, soweit publik, nicht.

Trotzdem hat Negele weit mehr Ärger mit der Justiz als bislang bekannt: Auch die Strafverfolger Liechtensteins haben den Finanzberater im Visier. Der Leitende Staatsanwalt Robert Wallner bestätigt dem TA, dass seine Behörde wegen Verdachts auf einen schweren Betrug gegen Negele ermittle. Recherchen zufolge gehen die Amerikaner und die Liechtensteiner Fällen nach, die nichts miteinander zu tun haben.

Deutscher verlor eine Million

Die Fahnder in Vaduz ermitteln wegen eines mutmasslichen Anlagebetrugs. Negele soll als Vermögensverwalter über eine Million Franken eines deutschen Kunden verbraucht und zum Stopfen von Finanzlöchern benutzt haben, anstatt das Geld sicher anzulegen. Der Financier steckte 2012 in Nöten: Im März jenes Jahres schickten die St. Galler Behörden gleich drei seiner Firmen in Konkurs, die in der Gemeinde Quarten am Walensee angesiedelt waren. Das Betrugsverfahren lief zuerst in St. Gallen, dann übernahm es Liechtenstein.

Die USA hingegen fahnden nach Negele, weil er sich im Jahr 2013 in Los Angeles mit amerikanisch-vietnamesischen Geldwäschern traf und diesen anbot, via Stiftungen in Liechtenstein Drogengeld zu verschieben (TA vom Freitag). Zwei Männer, die als potenzielle Kunden auftraten, waren in Wahrheit FBI-Männer. Das US-Justizministerium hat Negele und weitere Beschuldigte im Dezember 2015 angeklagt.

Negeles Aufenthaltsort ist unbekannt. Allerdings ist er von Liechtenstein nicht zur Fahndung ausgeschrieben. Dies deutet darauf hin, dass die lokale Justiz weiss, wo er sich befindet. Im Fürstentum wäre Negele, für den die Unschuldsvermutung gilt, vor den US-Fahndern sicher – der Kleinstaat liefert seine eigenen Bürger nicht aus.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 25.01.2016, 08:20 Uhr

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