Noch eine Kandidatin, die es wissen will

Die progressive US-Demokratin Elizabeth Warren steigt ins Rennen ums Weisse Haus ein.

Elizabeth Warren. Foto: PD

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Das Feld wird grösser und grösser: Am Samstag hat die Senatorin Elizabeth Warren erklärt, dass sie bei den amerikanischen Präsidentschaftswahlen im Jahr 2020 für die Demokraten antreten will, um Amtsinhaber Donald Trump herauszufordern. In den vergangenen Wochen hatten mehrere Demokraten ihren Hut in den Ring geworfen, unter ihnen die Senatorin Kamala Harris aus Kalifornien und der Senator Cory Booker aus New Jersey. Warren hatte bereits an Silvester verkündet, dass sie eine Kandidatur erwäge. Jetzt hat sie diesen Schritt offiziell vollzogen.

Die ersten Vorwahlen zur Nominierung des demokratischen Kandidaten finden erst in knapp zwölf Monaten im Bundesstaat Iowa statt, doch der interne Wahlkampf läuft bereits auf Hochtouren. Es wird erwartet, dass bis zu drei Dutzend Kandidaten ins Rennen einsteigen könnten. Die Republikaner betrachten das mit Genugtuung, weil sie darauf setzen, dass die Demokraten sich in den langwierigen Vorausscheidungen aufreiben. Die Senatoren Bernie Sanders und Amy Klobuchar werden als Nächste im Rennen erwartet, der vormalige Abgeordnete Beto O’Rourke aus Texas überlegt ebenso noch wie der frühere Vizepräsident Joe Biden.

Auf der Seite der Benachteiligten

Sollte Sanders ins Rennen einsteigen, wäre das für Warren ungünstig, weil beide ziemlich genau das gleiche Programm haben: Sie gehören zum progressiven Flügel der Partei und setzen sich für eine Reichensteuer ein, für die Rechte von Einwanderern, Arbeiterfamilien und Gewerkschaftsmitgliedern.

Warren erklärte ihre Kandidatur in Lawrence im Bundesstaat Massachusetts, den sie im Senat vertritt. Dort trat sie an einem symbolträchtigen Ort auf, vor den Everett Mills, wo 1912 die Textilarbeiter, die meisten von ihnen eingewanderte Frauen, aus Protest gegen miserable Ar­beitsbedingungen und schlechte Bezahlung in den Ausstand traten. In ihrer 44 Minuten langen Erklärung erzählte Warren auch die Geschichte dieses Streiks, um damit klarzumachen, auf wessen Seite sie stehe: auf der der Benachteiligten.

Die politische Elite sei von den grossen Unternehmen gekauft worden, sagte Warren, und die Mittelklasse sei so in Bedrängnis, dass sie kaum atmen könne. «Der Mann im Weissen Haus ist nicht die Ursache dessen, was kaputt ist im Land. Er ist nur das letzte und extremste Symptom», sagte sie: «Das Produkt eines manipulierten Systems, das die Reichen und Mächtigen unterstützt und alle anderen mit Dreck bewirft.»

Die Moderaten zählen

Warren konnte einige einflussreiche Unterstützer für sich gewinnen, darunter den Senator Ed Markey und den Abgeordneten Joe Kennedy III., der im vergangenen Jahr die demokratische Antwort auf Trumps Rede zur Lage der Nation gegeben hatte. Dass Kennedy sich dazu entschieden hat, Warren zu unterstützen und nicht zu warten, bis sein guter Freund Beto O’Rourke sich erklärt, wurde von den politischen Beobachtern mit Interesse aufgenommen. Kennedy gilt als eher moderate Stimme. Zwar vertreten die progressiven Kräfte bei den Demokraten die Ansicht, die Partei müsse weiter nach links rücken, was sich auch in der Person ausdrücken solle, die für die Präsidentschaft kandidiert. Doch weite Teile der Partei glauben, dass die Wahl 2020 nur mit einem moderaten Kurs gewonnen werden kann. Es ist sicher von Vorteil, dass Warren auch prominente Moderate hinter sich versammeln kann.

Die 69 Jahre alte Warren lehrte lange Jura, unter anderem an der Universität von Texas in Austin, der Universität von Pennsylvania in Philadelphia und an der Harvard Law School in Cambridge. Ihr Spezialgebiet war das Insolvenzrecht. Im Jahr 2012 wurde sie zur Senatorin gewählt und 2018 im Amt bestätigt.

Als grösstes Problem ihrer Kampagne könnte sich erweisen, dass Warren in der Vergangenheit auf offiziellen Dokumenten fälschlich angegeben hat, sie stamme von amerikanischen Ureinwohnern ab. Sie hat sich dafür mehrmals entschuldigt und klargestellt, dass sie nicht zu einem Indianerstamm gehöre.   

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 10.02.2019, 21:26 Uhr

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